Swiss Medical Network liegt mit Moncucco im Streit

Die Luganeser Klinik Moncucco zahlt für die Clinica Santa Chiara in Locarno 4 Millionen Franken. Doch Swiss Medical Network hat 10 Millionen geboten.

, 9. Juli 2021 um 10:43
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Vor anderthalb Jahren machte das Spital Moncucco Schlagzeilen, weil es die ersten Covid-Patienten betreute. Diesmal macht die Luganeser Klinik Schlagzeilen, weil die angekündigte Übernahme der Clinica Santa Chiara in Locarno mit Stolpersteinen durchsetzt ist.
Am 18. Mai schrieb hier Medinside: «Ehemaliges Covid-19-Spital kauft Clinica Santa Chiara in Locarno». Es sei nicht das Geld gewesen, das den Ausschlag gemacht habe, sagte Mauro dell’Ambriogio gegenüber Radiotelevisione Svizzera. Ein Vorteil von Moncucco sei die Tatsache, dass sie im Besitz von gemeinnützigen Stiftungen sei.

«Es gibt keinen Investor....»

Der frühere Staatssekretär und promovierte Jurist Mauro dell’Ambrogio ist alleiniger Verwaltungsrat der Fope Holding, die eine Mehrheit der Clinica Santa Chiara kontrolliert. Er ist gewissermassen der Treiber dieses Deals. Doch dell’Ambrogio ist ebenfalls Verwaltungsratspräsident von Moncucco, die den Zuschlag erhielt, obschon andere mehr geboten haben. «Es gibt keinen Investor, der nur Gewinne anstrebt», sagte er dem Tessiner Fernsehen.

Swiss Medical Network hat mehr als das Doppelte geboten

Meinte Mauro dell’Ambrogio damit Antoine Hubert? Der Gründer und Chef der Privatklinikkette Swiss Medical Network soll nämlich laut einem Bericht des Corriere del Ticino 10 Millionen Franken geboten haben, mehr als das doppelte der 4 Millionen, Moncucco zu zahlen bereit sei. Auch das Kantonsspital, das Ente Ospedaliero Cantonale (EOC), zeigte Interesse und soll 8 Millionen geboten haben.
Gegen die Übernahme erhebt sich Widerstand: Die Minderheitsaktionäre des Santa Chiara wollen das nicht hinnehmen. Unter diesen Minderheitsaktionären befindet sich die Spitalgruppe Swiss Medical Network, die, wie gesagt, ebenfalls die Clinica Santa Chiara einverleiben wollte und eben deutlich mehr bezahlt hätte als Moncucco. So ist nun ein Rechtsstreit entbrannt.

Moncucco kontrolliert 94 Prozent der Aktien

Christian Camponovo ist Direktor der Klinik Moncucco. Im Gespräch mit Medinside erklärt er, dass Moncucco 94 Prozent der Aktien der Clinica Santa Chiara kontrolliere. 83 Prozent stammten von der Fope Holding, 11 Prozent stammten von Ärzten, die an der Clinica Santa Chiara beteiligt waren und ihre Aktien nun Moncucco verkauften.
Componovo bezeichnet das Vorgehen von Swiss Medical Network als ein Bremsmanöver. Davon blieben auch die ehemaligen Verantwortlichen des Santa Chiara nicht verschont, die die Juni-Löhne nicht auszahlen konnten, weil das Bankkonto wegen der Eigentumsübertragung gesperrt war. Erst Anfang Juli erhielten die Mitarbeitenden ihr Gehalt für den Juni.
Zudem wurde kolportiert, dass im defizitären Santa Chiara ein Personalabbau bevorstehe, was jedoch Christian Camponovo klar dementiert. 
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