Pharmafirmen: 2,3 Millionen für Patienten-Gruppen

Am spendabelsten zeigt sich Novartis – und die höchsten Summen gingen an Organisationen für MS-, Rheuma- und Herzkranke.

, 25. Mai 2016, 13:00
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Das Konsumentenmagazin «Saldo» hat recherchiert, wie viel die grossen Schweizer Pharmafirmen zuletzt an Patientengruppen überwiesen: Die 20 erfassten Unternehmen kamen zusammen auf rund 2,3 Millionen Franken. Der «Tages-Anzeiger» war für 2013 auf eine etwa gleich hohe Summe gekommen, und der «Beobachter» eruierte für 2012, dass die 17 wichtigsten Pharmafirmen an gut 120 Selbsthilfegruppen rund 1,6 Millionen Franken überwiesen hatten.
Am spendabelsten war Novartis, so die «Saldo»-Erhebung weiter: Das Unternehmen verteilte allein im letzten Jahr 467'000 Franken an Patientengruppen. Es folgten Bayer Schweiz (257'000 Franken), Sanofi (253'000 Franken) und Abbvie (183'000 Franken). 
Siehe auch:

E-Zigaretten-Streit – Novartis soll sich Suchtmediziner gekauft haben

Die Pharmafirmen sponsern vor allem Gruppen mit Patienten, denen sie teure und viele Medikamente verkaufen können, stellt die Konsumentenzeitschrift fest. Beispiele dazu: Die MS-Gesellschaft erhielt zuletzt 442'000 Franken. Rheumaliga und Herzstiftung bekamen je 170'000 Franken, Diabetes-Gruppen 103'000 Franken. 130'000 Franken gingen an die Ver­einigung Morbus Bechterew. 
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Beispiel «Positivrat»: Sponsorenliste für eine Gruppierung mit 18 Mitgliedern
«Saldo» gibt zu bedenken, dass die Unternehmen durch solche Sponsoring-Engagements das Werbeverbot für rezeptpflichtige Medikamente umgehen können – immerhin prangen ihre Logos auf den Websites und Materialien der gesponserten Patientengruppen. Weiter zu diskutieren wäre auch, wie sehr hier letztlich auch Lobbyarbeit im Gewand des Patientensponsoring betrieben wird. 
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