Online-Apotheken: 120 illegale Webseiten entdeckt

Swissmedic und Antidoping Schweiz waren im Rahmen der Interpol-Woche Pangea dem kriminellen Medikamenten-Handel auf der Spur.

, 8. Juni 2021 um 11:47
image
  • swissmedic
  • medikamente
  • apotheken
Die Schweiz nimmt seit Jahren an der von Interpol koordinierten internationalen Aktionswoche Pangea teil. Dieses Jahr waren 55 Länder aktiv beteiligt. Ziel ist die Bekämpfung des illegalen Heilmittelhandels über das Internet. Insgesamt wurden von den internationalen Behörden fast 120'000 Webseiten beurteilt und 113'000 Webseiten geschlossen. Weltweit wurden neun Millionen Einheiten illegale und gefälschte Arzneimittel sichergestellt.

Potenzmittel nach wie vor beliebt

Seit Jahren beherrschen Mittel zur Erektionsförderung diesen Markt: Rund 90 Prozent der von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) und Swissmedic beschlagnahmten Sendungen enthielten Potenzmittel. Auch andere rezeptpflichtige, illegal importierte Medikamente, wurden beschlagnahmt, die in Eigenregie eingenommen ein grosses Gesundheitsrisiko darstellen.

695 Sendungen in der Schweiz kontrolliert

In der Schweiz kontrollierten Swissmedic, die EZV und Antidoping Schweiz im Postzentrum Zürich-Mülligen 695 Sendungen. Die Hälfte davon (346) wurde beschlagnahmt, weil es illegale Arznei- oder Dopingmittelimporte waren, schreibt Swissmedic. 
Auffallend waren Sendungen aus der Ukraine, die vielfach Fälschungen der Erektionsförderer Viagra und Cialis enthielten. Beschlagnahmte Betäubungsmittel wurden den Kantonen angezeigt, die entsprechenden Strafverfahren wurden eröffnet.

Illegale Online-Apotheken

Bei der 14. Pangea-Aktion identifizierten Swissmedic und Antidoping Schweiz 120 ausländische Webseiten, die als Schweizer Online-Apotheken auftraten, als illegal. Dabei wurden 75 gehackte Websites entdeckt, auf denen ohne Wissen der Betreiber gefälschte und rezeptpflichtige Arzneimittel vertrieben werden. Schritte wurden eingeleitet, um die Löschung der Internetseiten zu erwirken oder die Seiten zu bereinigen.

Polen und Deutschland neue Transitländer

Gefälschte Arzneimittel werden meist in asiatischen Ländern und nachgeahmte Potenzmittel in Indien hergestellt. Diese Produkte gelangen über illegale, verschlungene Vertriebskanäle an Schweizer Patienten.
Im letzten Jahr wurden die meisten beschlagnahmten Sendungen aus Singapur verschickt. Dank der guten Zusammenarbeit mit der dortigen Behörde HSA (Health Sciences Authority) sind laut Swissmedic aktuell Firmen dieses Transitlandes nicht mehr aktiv. 
Die meisten konfiszierten Sendungen bei Pangea-14 stammten aus Polen und Deutschland, die als neue Transitländer für indische Arzneimittel fungierten. Um das Risiko der Beschlagnahmung durch die Behörden zu reduzieren, haben die kriminellen Netzwerke offensichtlich ihre Vertriebskanäle vergeblich angepasst.
Die illegal gehandelten Produkte gefährden die Gesundheit von Patientinnen und Patienten vorsätzlich. Sie enthalten entweder gar keine oder weniger als die die deklarierten Wirkstoffe in der angegebenen Menge. Damit die Produkte bei einfachen Tests nicht auffallen, sind teilweise Wirkstoffe vorhanden, selten aber in der erforderlichen Menge.
Zur Mitteilung geht es hier.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Bristol Myers Squibb: Neue Medizinische Direktorin

Carmen Lilla folgt auf Eveline Trachsel, die in die Geschäftsleitung von Swissmedic wechselte.

image

Ozempic und Wegovy: Boom in den Fake-Apotheken

In den letzten Monaten flogen hunderte Anbieter auf, die gefälschte Abnehm- und Diabetesmittel verkauften.

image

Schwindel-Medikament könnte bei tödlicher Krankheit helfen

Forschende des Inselspitals und der Uni Bern entdeckten das Potenzial eines altbewährten Medikaments gegen die seltene Niemann-Pick Typ C Krankheit.

image

Polymedikation: Grosse Unterschiede zwischen den Heimen

Rund 50’000 Menschen erhalten in den Schweizer Pflegeheimen mehr als 9 Wirkstoffe pro Woche.

image

Neuer Lonza-Chef kommt vom kleinen Hersteller Siegfried

Der neue Chef von Lonza heisst Wolfgang Wienand. Er löst den Interims-Chef Albert Baehny ab.

image

Migros: 1,3 Milliarden Umsatz im Gesundheitswesen

Der Detailhandels-Konzern baut sein Healthcare-Netzwerk auch nach dem Abgang von Fabrice Zumbrunnen aus.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.