Antibiotika-Resistenzen: Sind Online-Apotheken mitschuldig?

Gut möglich. Denn fast jede zweite Online-Apotheke liefert Antibiotika rezeptfrei. Dies zeigt eine Stichprobe aus Grossbritannien.

, 23. Februar 2017, 11:07
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Wissenschaftler vom Imperial College London haben insgesamt 20 Online-Apotheken genauer unter die Lupe genommen. Die Methode: Die Forscher tippten Begriffe wie «Antibiotika online kaufen» auf Suchmaschinen ein. 
Es erschienen Kaufangebote von Antibiotika wie beispielsweise Amoxicillin oder Azithromycin. Alle diese Medikamente werden nach Grossbritannien geliefert – aus Indien, Zypern, Grossbritannien selbst oder von unklarer Herkunft.

Patienten können Dosis auswählen

Obwohl Online-Apotheken in Grossbritannien eine offizielle Registrierung benötigen, war über drei Viertel der Stichprobe nicht zugelassen. Und fast die Hälfte versandte Antibiotikum auch ohne Rezept. Also illegal. Die Analyse wurde jetzt im «Journal of Antimicrobial Chemotherapy» veröffentlicht. 


Mehr noch: Patienten können die Dosis oder die Therapie bei 80 Prozent der einbezogenen Apotheken gleich selber aussuchen. Nur ein Drittel der untersuchten Verkäufer verlangte einen ausführlichen Fragebogen zum Gesundheitszustand, so die Momentaufnahme der Forscher. 

Mehr Forschung notwendig

«Diese Ergebnisse beunruhigen uns», erklärt Studienleiterin Sara Boyd in einer Mitteilung des Imperial College. Die Resultate rückten wichtige Fragen in Bezug auf Antibiotika-Resistenz durch Online-Apoteken in den Vordergrund. 
Die kleine Studie soll nun den Weg für eine gründlichere Erforschung dieses beunruhigenden Trends mit Antibiotika aus dem Online-Handel ebnen.
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