Studie: Junge Ärzte sind häufig depressiv

Über ein Viertel der Medizinstudierenden leiden an Depressionen, viele äussern Suizidgedanken. Dies zeigt eine Studie der Harvard Universität bei 130'000 Studierenden. Die Ursachen sind Stress, Angst und Konkurrenzkampf.

, 13. Dezember 2016, 09:35
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Über 27 Prozent aller Medizinstudenten sind depressiv oder leiden gelegentlich an depressiven Symptomen. Der Anteil bleibt im Verlauf des Studiums konstant und liegt deutlich über dem der übrigen Bevölkerung. 11 Prozent der angehenden Doktoren äussern sogar Suizidgedanken. 
Dies zeigt eine Meta-Analyse der Harvard Medical School, die im Fachmagazin «Jama» veröffentlicht wurde. Die Forscher haben Daten aus 47 Ländern mit insgesamt rund 130'00 Studierenden ausgewertet. 
Lisa Rotenstein et al.: «Prevalence of Depression, Depressive Symptoms, and Suicidal Ideation Among Medical Students», in: «Jama», 6. Dezember 2016

Auch Assistenzärzte depressiv

Mit zunehmender Qualifikation wird die mentale Gesundheit der Mediziner nicht besser, im Gegenteil. Erhebungen zufolge sind auch fast 29 Prozent der Assistenzärzte depressiv. 
Als Gründe für die psychische Anfälligkeit führen die Wissenschaftler vor allem Stress, Angst und den Konkurrenzkampf in Studium und Ausbildung an. «Der hohe Anteil an Depressionen wirkt sich nicht nur negativ auf die Gesundheit der Mediziner aus, er beeinträchtigt vermutlich auch die Qualität der Versorgung», heisst es in der Studie. 

Seelische Leiden werden vernachlässigt

Stuart Slavin, Medizindidaktiker der Universität St. Louis, führt in seinem Editorial die «bescheidene mentale Gesundheit» der Medizinstudierenden vor allem auf diese Faktoren zurück: 

  • Es herrsche noch immer der Irrglaube, dass die Ausbildung besonders hart und fordernd sein müsse, weil der Beruf des Arztes sehr fordernd sei. Wer das nicht aushalte, sei für den Beruf ungeeignet. 
  • In der konventionellen Medizin überwiege immer noch die Meinung, dass Psychologie und Psychiatrie «weiche» Fächer und seelische Leiden nicht so ernstzunehmend seien wie körperliche.
  • In den medizinischen Fakultäten der Universitäten mit ihren starren Strukturen und Hierarchien fehle oft die Bereitschaft, auf die Bedürfnisse von in Not geratenen Studenten einzugehen.

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