Patienten von Medgate sprechen wohl künftig mit einem Chatbot

Der Telemedizin-Anbieter Medgate lanciert mit Hilfe der IT-Firma IBM ein intelligentes textbasiertes Dialogsystem – ein Chatbot.

, 20. November 2018 um 09:48
image
  • medgate
  • digitalisierung
  • chatbot
  • praxis
Medgate will ab kommendem Jahr einen KI-basierten Chatbot für die Befragung von Patienten einsetzen. Dieses textbasierte Dialogsystem selektiert und vermittelt zum Beispiel Patienten direkt an einen (telemedizinischen) Arzt oder an einen anderen Leistungserbringer. In akuten Fällen empfiehlt der Chatbot, zum nächsten Notfall zu fahren.
Vor kurzem wurde der Prototyp vorgestellt, am Forschungssitz des IT-Unternehmens IBM. Der Telemedizin-Anbieter hat gemeinsam mit der IT-Firma das Projekt entwickelt. Um das KI-System zu trainieren, konnten die IBM-Forscher mit Daten arbeiten, die Medgate anhand von insgesamt 7,4 Millionen telemedizinischen Konsultationen bereits sammeln konnte.

Chatbot übernimmt die medizinische Befragung

Per Smartphone-App können Patienten künftig ihre Beschwerden mitteilen, der Chatbot übernimmt mit einem KI-gesteuerten Fragenkatalog die medizinische Befragung. Im Fall von Kopfschmerzen fragt der Bot etwa: «Fühlen Sie sich fiebrig?», «Sind Sie erkältet?» und Ähnliches. Bei Kniebeschwerden will das intelligente System hingegen wissen, ob man sich verletzt hat oder eine Knie-OP hatte.
Nach dem Gespräch werden dem Patienten die ärztlichen Empfehlungen noch schriftlich übermittelt. Künftig sollen auch Kontext-Informationen wie der Ort des Patienten für die Entscheidungsfindung des Systems eine Rolle spielen. Medgate will mithilfe digitaler Technologien die Kosteneffizienz der Gesundheitsversorgung und die Zufriedenheit der Patienten verbessern.

Was ist ein Chatbot?

Ein Chatterbot, Chatbot oder kurz Bot ist ein text- oder audiobasiertes System, welches einen Dialog mit einem technischen System erlaubt. So können Chatbots immer schneller auf immer umfangreichere Datenbestände zugreifen und daher auch intelligente Dialoge für den Nutzer bieten. Die meisten Chatbots greifen auf eine vorgefertigte Wissensdatenbank mit Antworten und Erkennungsmustern zurück. Als erster Chatbot der Geschichte gilt Eliza, eine erste Demonstration einer virtuellen Psychotherapeutin, die Joseph Weizenbaum in den Jahren 1964 bis 1966 programmierte. Im Healthsektor ist auch der Chatbot «Melody» der chinesischen Suchmaschine Baidu bekannt. «Melody» trägt für verschiedene Diagnosen Informationen aus digitalisierten Fachbüchern, Studien und medizinischen Foren zusammen. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

MFE Haus- und Kinderärzte: Umbau an der Spitze

Präsident Philippe Luchsinger ist zurückgetreten. Monika Reber und Sébastien Jotterand lösen ihn ab. Und es gab weitere Wechsel im Verband.

image

Wallis soll ein Institut für Hausarztmedizin erhalten

Das neue Programm könnte in wenigen Jahren starten.

image

Dem Tardoc droht eine weitere Ehrenrunde

Das Departement des Innern will das Tarifwerk Tardoc und die ambulanten Pauschalen gleichzeitig einführen. Neue Zielmarke: 2027.

image

Deutschland: «Wir haben 50’000 Ärzte zuwenig ausgebildet»

Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor einer ganz schwierigen Versorgungslage: «Das kann man sich noch gar nicht richtig vorstellen.»

image

Spital Männedorf verärgert Goldküsten-Kinderärzte

Die neue Spital-Kinderarztpraxis in Männedorf sorgt für rote Köpfe bei den ansässigen Pädiatern. Es ist von Falschaussagen und einem Abwerben der Neugeborenen die Rede.

image

Arzt-Rechnung an Patienten statt an Kasse: Das empfiehlt die FMH

Immer mehr Krankenkassen wollen Arzt-Rechnungen direkt begleichen. Die FMH hingegen empfiehlt: Die Rechnung soll zuerst an die Patienten gehen.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.