Keimschleudern: Gefahr durch die Handys des Gesundheitspersonals

Deutschlands grösste Krankenkasse sieht in den Smartphones von Ärzten und Pflegeprofis eine Brutstätte für multiresistente Keime. Die Forderung: Desinfektion nach jedem Handy-Kontakt.

, 15. Mai 2017, 06:05
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  • pflege
  • hygiene
Dass Handys ziemlich unappetitlich sein können, ist ja gerade unter Gesundheitsprofis kein Geheimnis. In Deutschland fühlt sich die Techniker Krankenkasse – also die grösste Kasse der Bundesrepublik – dennoch verpflichtet, Ärzte und Pflegepersonal auf diese Gefahr hinzuweisen. In einer jetzt veröffentlichten Stellungnahme schreibt die TK, «dass sich auf praktisch jedem Handy eines Krankenhausarztes oder einer Pflegekraft pro Quadratzentimeter 3’895 Bakterien befinden». Dies seien über 80mal mehr als auf einem Toilettensitz.
In einer Studie zeigte sich etwa, dass auf Mobiltelefonen von Spitalangestellten nicht nur mehrere unterschiedliche Bakterientypen gefunden wurden, sondern auch diverse, die gegen Antibiotika resistent waren.

Ein Dutzend Untersuchungen

 «Ärzte und Pflegekräfte sollten sich unbedingt an die Hygiene-Vorschriften halten», sagt Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse in Bayern. «Kaum jemand vom Klinikpersonal reinigt und desinfiziert sein Mobiltelefon regelmässig. Dadurch werden die Patienten gefährdet.» Es sei also nötig, dass Ärzte und das gesamte Klinikpersonal nach jedem Kontakt mit einem Mobiltelefon die Hände desinfizierten.
Mittlerweile gibt es ein gutes Dutzend Erhebungen zu den Erregerkulturen auf Handys von Gesundheitspersonal (einen Überblicksartikel finden Sie hier, Stand Februar 2017).
Vereinzelt fanden sich darin tatsächlich Andeutungen, dass auch resistente Erreger auf diesen Handys zu finden sind. Nicht richtig erhärten liess sich allerdings die Vermutung, dass Geräte des medizinischen Personals stärker oder anders befallen sind als die Geräte von Patienten.

  • Bild: Twenty20

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