Kantonsspital St. Gallen strebt Herzchirurgie an

Die KSSG-Geschäftsleitung sprach sich einstimmig dafür aus – und fürchtet nicht, dass die Fallzahlen zu tief wären.

, 4. Februar 2018 um 21:00
image
Die Geschäftsleitung des Kantonsspitals St.Gallen möchte, dass dereinst Bypass- und Herzklappen-Operationen intern durchgeführt werden. Sie plant, bei der Regierung einen Leistungsauftrag zu beantraten – allerdings erst für die neue Spitalliste ab 2022.
Dies bestätigte KSSG-Direktor Daniel Germann dem «St. Galler Tagblatt». Den Entscheid habe die Geschäftsleitung einstimmig gefällt.
Germann erklärt die Idee einerseits damit, dass Kardiologie und Herzchirurgie immer enger zusammenkommen. Eine Herzchirurgie würde damit zu einem «grossen Schritt hin zu einer Komplettversorgung.»

Herzchirurgie-Wüste Ostschweiz

Andererseits deute die demografische Entwicklung an, dass die Zahl herzchirurgischer Eingriffe deutlich steigen wird. Das KSGR rechnet mit dereinst 500 bis 600 Fällen im Kanton.
Zum Vergleich: Im Jahr 2015 war bei 426 Bewohnern des Kantons St. Gallen eine Bypass- oder Herzklappen-Operation nötig gewesen. Gut die Hälfte dieser Eingriffe wurden dann am Unispital Zürich durchgeführt, ein Drittel an der Klinik Hirslanden in Zürich.

«Verständnis dürfte gering sein»

Mit Ausnahme des Herz-Neuro-Zentrums Bodensee in Kreuzlingen werden derartige Operationen in der Ostschweiz nicht angeboten. Dennoch hatte sich die St. Galler Kantonsregierung letztes Jahr skeptisch zu solchen Ideen geäussert. Man erwarte, dass eine Herzchirurgie wohl nur knapp 200 Bypasseingriffe erreichen werde, so ein Argument. Die Regierung legte also eine deutlich tiefere Schätzung vor als nun die KSSG-Leitung.
Und bereits heute erreichten 11 der 16 Herzzentren in der Schweiz die von den europäischen Fachgesellschaften für Herzchirurgie empfohlene Mindestfallzahl von 200 nicht, so die Regierung weiter: «Das Verständnis auf nationaler Ebene für ein zusätzliches Herzzentrum in St.Gallen dürfte denn auch gering sein und auf Widerstand stossen»: So damals das Argument der Kantonsregierung.
In der vorberatende Kommission des Kantonsrates zeigte man sich offenbar positiver zu den Ideen des KSSG. Von einer eigenen Herzchirurgie würde die Aus- und Weiterbildung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal profitieren, aber auch die die Volkswirtschaft des Kantons und der angrenzenden Gebiete, sagte Kommissionspräsident Walter Locher (FDP) dem «St. Galler Tagblatt».
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Hochspezialisierte Medizin: Warnschuss aus dem Thurgau

Die Kantonsregierung prüft den Austritt aus der Interkantonalen HSM-Vereinbarung. Und sie vermeldet den Unmut weiterer Kantone.

image

Klinik Hirslanden: Philippe Diserens neu im Management

Der Gesundheitsökonom übernimmt die Leitung des Performance Management.

image

Behandlungsrekord am Kantonsspital Baden

Mehr stationäre Patienten, eine Zunahme der ambulanten Konsultationen, weniger Notfälle – und mehr Benefits für die Angestellten.

image

KSGL: «Wir wollen üsärs Spital retten!»

Die Personalkommission des KSGL stellt sich hinter ihr Spital und kritisiert das Vorgehen des SBK.

image

Gewalt im Spital: Es betrifft nicht nur den Notfall

Und die Lage ist am Wochenende keineswegs besonders kritisch. Eine grosse Datenauswertung in den USA setzt neue Akzente.

image
In eigener Sache

«Wir schliessen eine Lücke im Zuweisermarketing»

Seit Januar arbeiten Medinside Jobs und just-medical! zusammen. Fürs Zuweisermarketing entsteht eine starke Kommunikations-Drehscheibe. Was sie bietet, sagt Stephan Meier-Koll, Head of Sales Medinside.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.