Kantonsspital Aarau: Ein Chefarzt meldet sich zu Wort

Hanspeter Killer, der Leiter der Augenklinik, wendet sich im Spitalstreit gegen politisch motivierte «Besserwisser».

, 15. Mai 2015, 13:38
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Die roten Zahlen des Kantonsspitals Aarau sind ein brisantes Politikum im aargauischen Gesundheitswesen: Nachdem das Haus im letzten Jahr ein Defizit von rund 30 Millionen Franken einfuhr, sieht sich Spitalpräsident Philip Funk mit Rücktrittsforderungen der SVP konfrontiert; aber auch SP-Politiker äusserten Kritik. 
«Wie schlecht steht es wirklich um das Kantonsspital Aarau?», fragte denn auch die «Aargauer Zeitung» in einer Schlagzeile. Dieser Beitrag nun regte Hanspeter Killer zum Widerspruch an.
In einem offenen Kommentar kritisiert der Chefarzt der Augenklinik bereits den Titel: Er sei undifferenziert, weil er nicht zwischen Finanzen und Medizin unterscheide. Und selbst wenn man sich auf Geldfragen konzentriere, stelle sich die Frage, ob rote Zahlen denn immer vermeidbar seien im Gesundheitswesen.  

Ein Spitalbudget ist auch eine ethische Frage

«Ist es möglich, dass ein Spital immer gewinnbringend arbeiten kann, wenn es einen medizinischen Auftrag erfüllen muss?», fragt Hanspeter Killer: «Und dieses Muss ist ein ethischer und kein finanzieller Imperativ.» 
Dazu gehöre zum Beispiel, dass nichts operiert werden soll, das den Patienten nichts bringt, jedoch die Kasse füllen würde. 
Ein Spital sei eine Institution, die ihre Kraft für die Heilung von Krankheit und Leid aufwenden soll – auf medizinisch höchstem Niveau, mit einer hohen Ethik. «Das KSA tut dies auf universitärem Niveau», so der Chefarzt. «Und das ist teuer, wird aber nicht so vergütet, wie es an Universitätskliniken vergütet wird.»

Wollt Ihr universitäres Niveau?

Es folgt ein deutlicher Seitenhieb: Man solle nicht auf «all die Besserwisser zu hören, welche sich nun auf Kosten des KSA zu profilieren versuchen, um politischen Gewinn für sich selber herauszuschlagen». Besser wäre es, wenn sich die Aargauerinnen und Aargauer die Frage stellten, ob sie ein Spital wollen, das auf dem Niveau von Universitätskliniken funktioniert. Und ob sie bereit sind, dafür Geld zu bezahlen. 
Dreissig Millionen Franken dürfte der Verlust des Kantonsspitals Aargau im letzten Jahr betragen haben. Dies sei, vergleicht Killer, für grössere Bauprojekte eine bescheidene Summe.
Also: «Warum soll man eine solche Summe nicht für die Gesundheit aufbringen? Denn um die Medizin im KSA steht es sehr gut. Sowohl was die Behandlungen betrifft, aber auch das Niveau der klinischen Forschung.»
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