IV-Arzt wollte «Erfolgsbeteiligung»

Ein Arzt der IV-Stelle Aargau wollte doppelt Kasse machen: Er forderte zehn Prozent des Schmerzensgelds, das der Patient bei der Unfallversicherung geltend machte.

, 26. August 2020 um 09:01
image
  • ärzte
  • suva
  • invalidenversicherung
  • kanton aargau
Einmal untersuchen – zweimal kassieren: Es hätte ein einträgliches Geschäftsmodell werden können, wenn es nicht publik geworden wäre. Doch von Anfang an: Ein Arzt, der bei der IV-Stelle des Kantons Aargau angestellt ist, hatte den Auftrag, einen verunfallten Mann zu untersuchen.

Arzt wollte Untersuchung ein zweites Mal verwerten

Der Patient hatte sich bei der Arbeit so schwer an der Schulter verletzt, dass er nicht mehr voll arbeitsfähig war. Die Invalidenversicherung liess deshalb vom Arzt abklären wie stark die Verletzung die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige.
Was dann passierte, machte das «Regionaljournal Basel Baselland» von Radio SRF publik: Der IV-Arzt versuchte, die Untersuchung, die er für die IV-Stelle Aargau gemacht hatte und für die er von dieser Stelle bezahlt wurde, auf gewinnbringende Art ein zweites Mal zu verwerten.

Zehn Prozent Erfolgsbeteiligung

Mit dem Patienten vereinbarte der Arzt nämlich, dass er diesem einen ärztlichen Bericht der Untersuchung zustelle. Diesen Bericht solle der Patient der Unfallversicherung SUVA einreichen. Dort habe er gute Aussichten auf eine Integritätsentschädigung.
Diesen Rat erteilte der Arzt nicht uneigennützig: «Falls Sie Erfolg haben, könnte ich mir vorstellen, dass Sie mir zehn Prozent als Honorar zukommen lassen», teilte der dem Patienten in einem Begleitschreiben mit. Angefügt war die Bankkontonummer des Arztes.

Nicht entlassen, aber verwarnt

Die Sozialversicherung Aargau (SVA) bestätigt gegenüber Medinside die Schilderungen. Das Verhalten des Arztes akzeptiere die IV-Stelle nicht, sagte Sprecherin Linda Keller. Der Arzt ist verwarnt, jedoch nicht entlassen worden. Er hatte Glück.
Denn er ist ein langjähriger Mitarbeiter. Und er habe sonst gut gearbeitet, betont Linda Keller. Der Arzt habe zudem glaubwürdig dargelegt, dass er vor allem dem Patienten habe helfen wollen. Ausserdem habe er schriftlich bestätigt, dass es ein einmaliger Versuch gewesen sei.

SVA duldet keine solchen Doppelrollen

Trotzdem ist die SVA vorsichtig geworden: «Solche Doppelrollen dulden wir nicht», sagt Linda Keller. Die SVA wird das all ihren Ärztinnen und Ärzten mitteilen.
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

«Als Arzt nach Deutschland – warum nicht?»

Für Schweizer Assistenzärzte kann die Arbeit an einem deutschen Krankenhaus interessant sein. Die Nachfrage steige, sagt Martin Werner von DocsGoSwiss im Kurzinterview.

image

Zwei neue Ärztinnen in Hasliberg

Ab 1. Mai 2025 verstärken Dr. med. Stefanie Zahner-Ulrich und Dr. med. (SRB) Sonja Krcum Cvitic das Team der Rehaklinik Hasliberg. Mit ihren fundierten Erfahrungen in Allgemeiner Innerer Medizin bzw. Physikalische Medizin und Rehabilitation erweitern sie gezielt die medizinische Kompetenz der Klinik

image

«Manche haben unrealistische Erwartungen an die Schweiz»

Die Schweiz erscheint für viele ausländische Ärzte als Traumland. Was es braucht, damit der Jobwechsel gelingt, erklären die Ärztevermittler Francesca und Jan Saner.

image

Aargau: Neue Pilotprojekte in der Telemedizin

Mit Medgate testet der Kanton ein Telemedizin-Angebot in Pflegeheimen und in der Spitex – um rascher reagieren zu können und um Hausärzte zu entlasten.

image

Forschung und Praxis: Synergien für die Zukunft

Dr. Patrascu erklärt im Interview die Verbindung von Forschung und Praxis an der UFL. Er beschreibt die Vorteile des berufsbegleitenden Doktoratsprogramms in Medizinischen Wissenschaften und zeigt, wie die UFL durch praxisnahe Forschung und individuelle Betreuung Karrierechancen fördert.

image

Münchner Arzt vor Gericht wegen Sex während Darmspiegelung

Ein Arzt soll während Koloskopien 19 Patientinnen sexuell missbraucht haben. Er sagt, die Vorwürfe seien erfunden und eine Intrige.

Vom gleichen Autor

image

«Das Inselspital ist noch lange nicht über den Berg»

Das Inselspital wartete mit guten Meldungen auf. Doch der Insel-Kritiker Heinz Locher gibt keine Entwarnung.

image

So entgehen Sie dem Hochstapler-Syndrom

Viele Ärztinnen und Ärzte überfordern sich – und glauben dann selber, dass sie über ihrem Können spielen. Das ist schlecht für die Psyche.

image

Im Schaufenster stehen vor allem unwirksame Medikamente

Bieler Ärzte schlagen eine neue Etikette für rezeptfreie Arzneimittel vor. Sie soll zeigen, wie verlässlich die Wirksamkeit nachgewiesen worden ist.