«Ich war plötzlich mit menschlich schwierigen Themen konfrontiert»

Ludwig Reber lernte Gipser – und wurde Pflegefachmann. Heute arbeitet er bei der Lindenhofgruppe und plant ein Nachdiplomstudium zum Anästhesiepfleger. Was brachte ihn zum Berufswechsel? Wie erlebte er ihn?

, 15. März 2017, 16:03
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Herr Reber, Sie sind mit einer Grundbildung als Gipser ins Erwerbsleben gestartet. Wieso?
Als Realschüler stand für mich eine handwerkliche Lehre im Vordergrund. Zuerst wollte ich Maler werden, doch wegen meiner Rot-Grün-Sehschwäche wurde mir davon abgeraten. Also habe ich eine Schnupperlehre als Gipser gemacht – und diese Arbeit hat mir noch besser gefallen.
Heute sind Sie Pflegefachmann. Was hat Sie bewogen, neue Wege zu gehen?
Gipser ist ein anspruchsvolles Handwerk. Aber ich fühlte mich zu wenig gefordert und ging immer unmotivierter zur Arbeit. Dann kam der Zivildienst, den ich in einem Pflegezentrum absolvierte. Ich empfand meine Arbeit als spannend, herausfordernd und sinnstiftend. Also entschloss ich mich, die Ausbildung zum diplomierten Pflegefachmann HF zu absolvieren.
Ludwig Reber ist 28 Jahre alt. Der ausgebildete Gipser-Trockenbauer EFZ arbeitet heute als Pflegefachmann HF für die Lindenhofgruppe in Bern.
Welche Hürden mussten Sie auf Ihrem Bildungsweg überspringen?
Ich war plötzlich mit menschlich schwierigen Themen konfrontiert. Umgang mit Leben und Tod, mit Ekel und Scham – also mit menschlich und ethisch komplexen Fragen. Hinzu kam ein anderer Umgangston, eine andere Gesprächskultur. Das war ein Prozess. Aber ich wurde von meinen Vorgesetzten und Mitarbeitenden immer gut begleitet.
Was haben Sie als Gipser gelernt, das für Sie auch als Pflegefachmann unverzichtbar ist?
Ich bin praktisch veranlagt und weiss mir bei technischen Pannen auch mal selber zu helfen. Zudem profitiere ich von einer gut entwickelten Feinmotorik. Fingerspitzengefühl ist in beiden Berufen wichtig – als Gipser, wenn man eine Stuckatur fertigt, als Pflegefachmann, wenn man eine Spritze setzt. Schliesslich habe ich auf der Baustelle gelernt, verbale Angriffe nicht gleich persönlich zu nehmen. Das hilft mir in anspruchsvollen Patientensituationen.
Weshalb lohnt sich Weiterbildung?
Man erweitert seine Kompetenzen und vertieft sein Wissen. Das ermöglicht es, mehr Verantwortung zu übernehmen. Deshalb habe ich mich bereits für die nächste Weiterbildung angemeldet: den zweijährigen Nachdiplomstudiengang zum diplomierten Experten Anästhesiepflege NDS HF. Als Anästhesiepfleger werde ich während Operationen zusammen mit dem Anästhesiearzt die Verantwortung für den Erhalt der lebenswichtigen Körperfunktionen sowie den gesamten Schutz des Patienten übernehmen. Das reizt mich.
Quelle: SBFI   |  berufbildungplus.ch
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