«Home Treatment» statt Klinik ist bei Kindern wirksam

Psychiatrische Behandlung im häuslichen Umfeld ist bei Kindern und Jugendlichen in ähnlichem Masse wirksam wie die stationäre Therapie. Dies zeigen Forschungsresultate der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern.

, 7. Dezember 2021, 10:00
image
  • spital
  • psychiatrie
  • universitäre psychiatrische dienste bern
Seit mehr als zwei Jahren erprobt die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJP) der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) ein neues Modell: das aufsuchende und stationsersetzende Versorgungsangebot für Kinder und Jugendliche mit akuten psychischen Erkrankungen. 
Die Idee dieses Ansatzes ist es, das Umfeld und die bestehenden Ressourcen der Patienten intensiv in die Behandlung einzubeziehen und auf direkte Weise im Alltag zu stärken. Dadurch erhoffen sich die Profis neben der direkten Entlastung und Symptomreduktion durch die Behandlung einen nachhaltigeren Therapieerfolg: nach dem Behandlungsabschluss soll die Schwierigkeit entfallen, das Erlernte auch im Alltag anwenden zu können. 
image
Michael Kaess (UPD)
Junge Patienten waren gleich zufriedener mit der Behandlung
Erste Forschungsergebnisse weisen jetzt darauf hin, dass die Therapie im häuslichen Umfeld in ähnlichem Masse wirksam ist wie die stationäre Behandlung in der Klinik. Die intensive Behandlung psychischer Erkrankungen im Rahmen einer aufsuchenden Therapie führe zu ähnlichen Verbesserungen wie die stationäre Therapie in der Klinik.  
Für die Studie verglichen die Ärzte um Michael Kaess von den UPD die Behandlungsverläufe junger Patienten. Die eine Gruppe wurde intensiv zuhause mit dem stationsersetzenden «Home Treatment» behandelt. Die anderen Patienten waren im selben Zeitraum auf einer der Kinder- und Jugendstationen der KJP in Therapie. 
Beide Gruppen waren der Studie zufolge zu Beginn der Therapie schwer belastet und zeigten durch die Behandlung signifikante Verbesserungen. Und es zeigten sich zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede in den Behandlungsfortschritten und bei der Zufriedenheit mit der Behandlung.

Behandlung nicht nur für leichtere Fälle

Da die Schwere der Erkrankung in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar war, zeigt die Studie, dass sich die Behandlung im häuslichen Umfeld nicht auf leichtere Fälle beschränken muss. Home Treatment stelle eine Alternative zur stationären Behandlung für ein breites Spektrum psychischer Erkrankungen dar.
Die Studienergebnisse stützen gemäss UPD das Vorhaben, in Zukunft ein Behandlungsangebot anzubieten, bei welchem Familien eine intensive Therapie beanspruchen können, ohne dass das betroffene Kind für die Zeit der Behandlung seine vertraute Umgebung verlassen muss. Stattdessen komme das interdisziplinäre Behandlungsteam zu täglichen Terminen nach Hause.


Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Universitätsklinik weitet Angebot auf Männedorf aus

Das Universitäre Wirbelsäulenzentrum Zürich (UWZH) arbeitet neu auch im Spital Männedorf und bietet dort Standard-Operationen an.

image

Dieses Spital darf nicht so gross werden wie geplant

Es ist zu teuer: Das neue Schaffhauser Kantonsspital muss um 50 Millionen Franken billiger werden. Das hat der Spitalrat beschlossen.

image

Protest in Lausanne: Angestellte des Unispitals wollen mehr Lohn

Rund 250 Mitarbeitende des Universitätsspitals Chuv und Gewerkschaftsvertreter protestieren vor dem Hauptgebäude für einen vollen Teuerungsausgleich.

image

Die HFR-Operationszentren haben einen neuen Chefarzt

Pavel Kricka leitet neu als Chefarzt die Operationszentren des Freiburger Spitals (HFR). Er ist Nachfolger von Rolf Wymann.

image

Kantonsspital Glarus muss neuen Pflegechef suchen

Markus Loosli verlässt das Kantonsspital Glarus – aus privaten Gründen, heisst es.

image

Konflikt zwischen Unispital und Personal wegen Long-Covid

Aufgrund von Long-Covid-Symptomen ist es Pflegekräften nicht mehr möglich, zur Arbeit ins Genfer Unispital zurückzukehren. Die Lösung soll nun offenbar die Entlassung sein.

Vom gleichen Autor

image

Berner Arzt hat Aufklärungspflicht doch nicht verletzt

Im Fall einer Nasen-OP mit Komplikationen verneint das Bundesgericht eine Pflichtverletzung eines Berner HNO-Arztes. Die Vorinstanzen haben noch anders entschieden.

image

Warum hunderte Pflegekräfte derzeit «Rücktrittsschreiben» verfassen

Eigentlich möchten viele Pflegefachpersonen ihrem Beruf gar nicht den Rücken kehren. Doch das System zwingt sie dazu, wie eine aktuelle Kampagne in den USA exemplarisch zeigt.

image

Ärzte erhalten von Ärzten eine Sonderbehandlung

Ärzte als Patienten kriegen bestimmte Privilegien, die andere Patienten oder Patientinnen nicht erhalten würden. Dies sagt die grosse Mehrheit der in einer Studie befragten Ärzte.