HFR lehnte Zusammenarbeit mit Hirslanden ab

Die Privatklinik-Gruppe schlug dem defizitären Freiburger Spital eine Public-Private-Partnerschaft vor.

, 26. Januar 2018 um 10:27
image
  • spital
  • hirslanden
  • freiburger spital
  • freiburg
Das Freiburger Spital durchlebt schwere Zeiten. Fürs nächste Jahr wurde noch gar kein Budget bekannt, da die ersten Voranschläge ein Defizit von bis zu 15 Millionen Franken befürchten liessen und in der Folge nochmals überarbeitet werden mussten. Letztes Jahr dürfte das Minus rund 10 Millionen Franken betragen haben. 
Ein Lösungsvorschlag dazu wurde offenbar bereits im vergangenen April eingereicht. Damals meldete sich Hirslanden-CEO Ole Wiesinger bei HFR-Direktorin Claudia Käch und schlug ihr eine Partnerschaft vor. Dies meldet «Le Temps»; die Zeitung aus Lausanne hatte Einblick in den Briefwechsel.

Freiburg wie Zürich

Wiesingers Idee: Die Privatklinik-Gruppe Hirslanden könnte ihr Knowhow bei der Standardisierung von Prozessen und der Schaffung von Synergien auch auf eine öffentliche Institution wie die Freiburger Kantonsspital-Gruppe übertragen. «Wir haben eine tiefe Kostenstruktur und können dennoch eine qualitativ hochstehende Betreuung bieten», schrieb der Hirslanden-CEO an HFR-Chefin Käch. «Vielleicht könnten wir uns treffen, um eine Zusammenarbeit zu prüfen.»
Dass die Privatklinik-Gruppe sich dafür interessiert, auch das Management von öffentlichen Häusern zu übernehmen, ist ein offenes Geheimnis. Im Frühjahr 2017, also fast zeitgleich, wandte sich Wiesinger mit einem ähnlichen Vorschlag an die Zürcher Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen. Er bekundete Interesse an den defizitären Stadtspitälern Triemli und Waid und schlug der Stadträtin eine breite Palette von Möglichkeiten zur Prüfung vor –von einzelnen Kooperationsprojekten bis zur Übernahme des Gesamtbetriebs der Stadtspitäler. Hirslanden wolle dazu beitragen, dass Zürich nicht jedes Jahr gewaltige Steuermittel in seine Spitäler stecken müsse.

Eher nicht, sicher nicht jetzt

SP-Politikerin Nielsen zeigte sich gesprächsbereit (auch wenn angesichts der politischen Mehrheiten in Zürich nicht mit einer Abgabe der Stadtspitäler zu rechnen ist). In Freiburg gab sich Claudia Käch indessen kategorischer. Im Antwortbrief vom 4. Mai schreibt sie, man habe den Vorschlag in der HFR-Direktion diskutiert; man anerkenne, dass Hirslanden eine bekannte und prosperierende Gruppe ist; aber man gebe dem Anliegen keine Folge, «zumindest zum aktuellen Zeitpunkt.»
Der Brief liegt «Le Temps» ebenfalls vor, und die Zeitung rechnet vor, dass er inklusive Grussformeln nur zehn Zeilen umfasse.
Hirslanden bestätigt den Austausch; und dies tut auch die HFR-Pressestelle gegenüber «Le Temps»: «Als öffentliches Spital ist unser Auftrag durch den Kanton klar definiert. Wir offerieren eine breite Palette an medizinischen Dienstleistungen und darüber hinaus engagieren wir uns in der Ausbildung.» Das HFR gehöre dem Staat und sei dort in guten Händen. «Es gibt weder einen Willen noch eine Notwendigkeit, diese Situation zu ändern.»
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image
Gastbeitrag von Ronald Alder

Kürzere Arbeitszeiten sind auch nicht die Lösung

Die Politik sieht das Gesundheitswesen unterm Kostenröhrenblick, die Gewerkschaften haben den Arbeitszeitenröhrenblick. Und so werden die wahren Probleme übersehen.

image

Hochspezialisierte Medizin: Warnschuss aus dem Thurgau

Die Kantonsregierung prüft den Austritt aus der Interkantonalen HSM-Vereinbarung. Und sie vermeldet den Unmut weiterer Kantone.

image

Klinik Hirslanden: Philippe Diserens neu im Management

Der Gesundheitsökonom übernimmt die Leitung des Performance Management.

image

CEO der Krebsliga wird COO der Tertianum Gruppe

Daniela de la Cruz übernimmt ihre neue Funktion im September.

image

Behandlungsrekord am Kantonsspital Baden

Mehr stationäre Patienten, eine Zunahme der ambulanten Konsultationen, weniger Notfälle – und mehr Benefits für die Angestellten.

image

KSGL: «Wir wollen üsärs Spital retten!»

Die Personalkommission des KSGL stellt sich hinter ihr Spital und kritisiert das Vorgehen des SBK.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.