Tarmed: Die Spitäler sind klar für die Revision

Vier Fünftel der H+-Mitglieder stehen hinter der neuen Tarifstruktur für ambulante medizinische Leistungen.

, 23. Mai 2016 um 12:46
image
  • tarmed
  • tarvision
  • spital
  • hplus
Dass die heutige Tarifstruktur Tarmed veraltet ist, ist eigentlich kaum umstritten: Es ist an der Zeit, dass die ambulanten Leistungen in den Arztpraxen sowie in Spitälern und Kliniken den reellen Kosten angepasst werden. Die Frage ist nur: Kann man sich auf den jetzt vorliegenden Entwurf einigen?
Die H+Spitäler sagen Ja. In der Mitgliederabstimmung befürworteten über 80 Prozent der Mitglieder des Spital- und Klinikverbands die neue Tarifstruktur sowie die Normierung zwischen der alten und der neuen Struktur.

Kostensteigerungen: Ja oder Nein?

Die neue Tarifstruktur wurde gemeinsam mit der Ärztevereinigung FMH und der Medizinaltarif-Kommission UVG (MTK) sowie mit Unterstützung des Versicherer-Verbands Curafutura erarbeitet.
Auf der anderen Seite meldeten inzwischen der Kassenverband Santésuisse, die Spezialärzte und auch die Haus- und Kinderärzte Widerstand an – oder forderten zumindest Nachbesserungen; der definitive Entscheid der FMH-Ärztebasis steht noch aus.
Die Skeptiker befürchten einerseits Kostensteigerungen – oder aber sie erachten den neuen Tarif als unausgewogen oder aus ihrer Sicht unfair.

image
Anteil ambulanter Leistungen in den Schweizer Spitälern (Quelle & Grafik: H+)
H+ widerspricht den Kostenbefürchtungen: Die neue Struktur stelle sicher, dass auf nationaler Ebene die Taxpunktvolumen vor und nach dem Modellwechsel gleich bleiben, womit Mehrkosten vermieden würden.

Unumgänglich für Gerechtigkeit

«Eine neue Tarifstruktur ist unumgänglich, um eine gerechte Abgeltung im ambulanten Bereich zu erreichen», argumentiert nun H+Präsident Charles Favre. Und mit dem Einreichen der neuen ambulanten Tarifstruktur könne ein erneuter Eingriff des Bundesrates in den ambulanten Tarif verhindert werden. 
«Für H+ ist die Tarifautonomie ein hohes Gut», so Favre. «Wir setzen deshalb zusammen mit unseren Partnern alles daran, dem Bundesrat Ende Juni einen neuen, aktuellen und wirtschaftlichen ambulanten Tarif einzureichen».

Einfach, klar, real

Die neue Struktur sei einfach, klar und gründe auf den reellen Kosten, so das Argument von H+-Direktor Bernhard Wegmüller. «Die Tarifstruktur konnte gestrafft werden und bildet neu die effektiven Aufwände ab. Somit sind die Leistungen beziehungsweise die Tarifpositionen korrekt bewertet.»
Weiter betont Wegmüller, dass die neue Tarifstruktur den gesetzlichen Vorgaben entspreche – insbesondere der Forderung, dass ein Wechsel des Tarifmodells keine Mehrkosten verursachen darf.

  • H+ zur Tarmed-Revision: Das Medien-Dossier

Als weitere Argumente für das neue Modell nennt H+, dass die ambulanten Leistungen damit eher betriebswirtschaftliche korrekt abgegolten werden können – und dass zugleich auch eine professionelle Tariforganisation entstehe, welche die Sätze auch in Zukunft pflegt – basierend auf Leistungs- und Kostendaten aus den Spitälern, Kliniken und Arztpraxen. So sei sichergestellt, dass die Tarife immer den aktuellen Gegebenheiten und tatsächlichen Kosten angepasst sind.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image
In eigener Sache

«Wir schliessen eine Lücke im Zuweisermarketing»

Seit Januar arbeiten Medinside Jobs und just-medical! zusammen. Fürs Zuweisermarketing entsteht eine starke Kommunikations-Drehscheibe. Was sie bietet, sagt Stephan Meier-Koll, Head of Sales Medinside.

image

Auch NZZ bemängelt die heutigen Spital-Zusatzversicherungen

«Spitäler und Kassen schröpfen ihre Luxuspatienten», so eine Einschätzung dort. Das Geschäftsmodell mit den Zusatzversicherungen gerät ins Wanken.

image

Die heisse Diskussion um Insel-Premium-Abteilung

Darf ein Universitätsspital mit seiner Luxus-Abteilung die Allgemein-Abteilung sponsern? Ja, das sei sozial, finden Krankenkassen-Experten.

image

Jetzt arbeiten viele mit Covid in den Spitälern

Eine schwedische Studie zeigt jedenfalls, dass im Dezember 1 von 14 Spitalangestellten corona-positiv zur Arbeit erschien.

image

Coop und Selecta planen Rund-um-die-Uhr-Geschäfte in Spitälern

Für ein erstes Kantonsspital besteht bereits ein konkretes Projekt.

image

Kantonsspital Schaffhausen: Der Neubau muss abspecken

Die Spitäler Schaffhausen müssen die geplante Geschossfläche um einen Viertel verkleinern. Nur so bleiben sie noch im Kostenrahmen von 240 Millionen.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.