Guido A. Zäch: «Ich bin niemandem etwas schuldig geblieben»

Lange war es still um den Gründer der Paraplegiker-Stiftung und der Klinik in Nottwil. Jetzt, zum 80. Geburtstag, gab er ein grosses Interview. Guido A. Zäch erklärt darin nochmals seine Erfolgsprinzipien.

, 23. Oktober 2015 um 10:22
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Im Interview mit dem «Blick» (Print) erinnert der bekannte Arzt nochmals daran, auf welche Widerstände er einst stiess mit seiner Idee eines Paraplegikerzentrums – erst 1974 als Chefarzt in Basel, dann in Risch am Zugersee. Dort hiess es, man wolle den Gemeinde «anständig und in Ordnung halten, solche Leute gehören nicht dazu.»
Das Zentrum in Nottwil wurde dann doch zu einem unbestrittenen Erfolg. Zäch erklärt dies im «Blick» damit, dass der Grundgedanke stimmt: Ganzheitliche Lösungen für ein komplexes Problem. «Alles ist unter einem Dach: Chirurgen, Mediziner, Pflegefachleute, Berater, Therapeuten, Mechaniker, Architekten – 80 Berufe. Wir waren die Ersten, die es so sahen.»

«Bevor ich abgeben konnte, musste ich aufbauen»

Er habe das ganze Konzept der ganzheitlichen Rehabilitation stets im Kopf gehabt – und dann sukzessive umgesetzt. Erfolg hatte er dabei auch, weil er sich nicht an Regeln hielt: «Vierhundertmal im Jahr muss einer in seine Wohnung zurück, die vor dem Unfall nicht rollstuhlgängig war. Da kann ich nicht auf die Baubewilligung warten, sondern schicke Architekt, Ingenieur und Ergotherapeut vorbei. Keine Versicherung zahlt einen Spitaltag mehr, nur weil daheim noch nicht alles rollstuhlgerecht ist.»
«Sie häuften Ämter an», so dann eine Gegenfrage des «Blick»: «Waren Chefarzt, Präsident der Stiftung, Präsident des Gönnervereins. Waren Sie grössenwahnsinnig?»
Es sei ihm nie um die Macht gegangen, sondern um kurze Entscheidungswege. «Dieses Haus wäre nie entstanden ohne dieses Prinzip. Bevor ich abgeben konnte, musste ich alles aufbauen.»

Eine Klage, die Geld brachte

Zäch wurde bekanntlich 2007 letztinstanzlich verurteilt, weil er als Präsident der Paraplegiker-Stiftung Geld veruntreut habe. Der Arzt wittert hier immer noch primär den Verrat («Einer, dem ich vertraute und der Nachfolger werden wollte, hat mich verraten»). Er schwöre, so Zäch nun im Interview, er habe nie einen Franken Stiftungsgelder veruntreut: «Ich habe Hunderttausende von Franken privat in die Stiftung gesteckt.»
Interessant dabei die Feststellung, dass der Prozess der Stiftung elf Millionen Franken an Spenden brachte: «Wann immer ich in den Medien an die Kasse kam, füllte sich unsere Kasse.»
Es hätte nie zur Anklage kommen dürfen, findet Zäch: Dies sagten mittlerweile etliche namhafte Rechtsexperten. «Trotz Fehlentscheid habe ich die Forderungen bis auf den letzten Rappen zurückbezahlt. Ich bin niemandem etwas schuldig geblieben.»

Gericht, nicht Recht

Wobei er auch den Spruch zitiert, dass die Schweiz überragende Personen nicht mag: «Wer sich über die Norm erhebt, dem schlägt man den Kopf ab.» Die Schweiz folge lieber dem Prinzip: «Der muss nicht meinen ...» Oder: «Wenn da jeder käme ...»
Der Makel liegt letztlich anderswo: «Das Gericht hat recht erhalten, nicht das Recht. Mein Lebenswerk steht und dient vielen. Gelähmten sagte ich, es brauche zehn Jahre, um es zu verkraften. Meine Verurteilung liegt zehn Jahre zurück. Ich habe gelernt, damit zu leben, und habe ein Anrecht auf Vergessen.»
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