Gesundheitswesen: Silbermedaille für die Schweiz

Aus Sicht der Nutzer ist das Schweizer Gesundheitssystem schlicht top und sehr effizient – so eine internationalen Grossstudie. Nur die Niederlande bieten mehr. Was machen sie besser?

, 31. Januar 2018, 07:09
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  • politik
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  • qualität
  • patientenzufriedenheit
Der Euro Health Consumer Index EHCI wird seit einem Dutzend Jahren von einer schwedisch-französischen Beratungsfirma erarbeitet – und ist mittlerweile ein weitherum beachteter Indikator dafür, was die Gesundheitssysteme der einzelnen Ländern aus Sicht von Patienten und Konsumenten taugen.
Die Schweiz schneidet dabei traditionell gut ab: In den letzten drei Jahren kam sie jeweils auf Rang zwei – und zwar jeweils hinter den Niederlanden. Im neusten Index, jetzt erschienen, ist es immer noch so: Rang 1 Niederlande, Rang 2 Schweiz. Es folgen Dänemark, Norwegen, Luxemburg und Finnland.
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Grafik: Health Consumer Powerhouse
Danach rangiert Deutschland als erster grosser EU-Staat an siebter Stelle. Denn erneut bestätigt der Vergleich von 35 Ländern: Kleinere Staaten haben effizientere Gesundheitssysteme – und, wenig überraschend: Länder mit hohem Pro-Kopf-Einkommen schneiden tendenziell besser ab.

Teuer gleich lange Wartezeitenr

Gut, aber teuer: Dies das Gesamturteil über die Schweiz – wobei die Studie jedoch auch zeigt, dass teurer nicht direkt besser sein muss. Denn im Gesamtüberblick zeigt sich zum Beispiel auch: Teure Systeme (gemessen an den Ausgaben im Verhältnis zum BIP) weisen lange Wartezeiten auf.

  • Health Consumer Powerhouse: Euro Health Consumer Index 2017, Januar 2018.

Die Schweiz aber erhielt starke Noten bei der Zugänglichkeit – insbesondere dank sehr kurzen Wartezeiten.
Insgesamt 49 Aspekte wurden benotet, von Mitsprache der Patientenorganisationen bis zum Einsatz von Arthritis-Medikamenten; bei acht Punkten gab es allerdings keine Top-Noten für die Schweiz, sondern nur mittlere Werte:

  • Online-Buchungs-Möglichkeiten;
  • Kindermortalität;
  • Infektionen mit multiresistenten Erregern;
  • Quote von Katarakt-Operationen pro 100'000 Menschen;
  • Häufigkeit von Nierentransplantationen;
  • Rauch- und Alkoholprävention;
  • Zugänglichkeit zu neuen Medikamenten;
  • Verwendung von Statinen.

Unterdurchschnittliche Werte holte die Schweiz bei drei Punkten:

  • Prozentsatz der Dialysen ausserhalb von Kliniken;
  • Anteil Kaiserschnitte – die Quote ist hier eher höher;
  • Anteil der Kinder, welche die 8 wichtigsten Impfungen erhalten haben.

Was machen die Niederlande besser?

Erwähnt sei, dass die Schweiz und die Niederlande recht eng zusammenliegen – und dann punktemässig einen deutlichen Vorsprung vor den anderen Ländern haben. Die Niederlande schneiden ein bisschen besser ab wegen einiger Einzelpunkte und etwas höherer Konsistenz.
Insgesamt, so die Forscher um Arne Björnberg, einem Chemiker und ehemaligen Spitaldirektor aus Schweden, gehört es zu den Stärken des holländischen Gesundheitssystems, dass

  • viele Versicherer in einem Konkurrenzverhältnis stehen;
  • diese aber völlig getrennt sind von den Kliniken und Leistungserbringern;
  • die Patientenorganisationen strukturell eine starke Rolle spielen;
  • so dass die medizinischen Entscheide insgesamt sehr stark im Zwiegespräch von Arzt und Patient gefällt werden können – während Politik, Versicherer, Spitalbetriebe oder andere Institutionen eine vergleichsweise schwächere Rolle spielen.
  • Ferner wurden in den Niederlande in letzten Jahren 160 Ambulatorien eröffnet, wo im Rundum-Betrieb chirurgische Eingriffe möglich sind. 

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