Gesundheitskosten: Der neuste Ruf nach griffigen Gesetzen

Pro Kopf 250 Franken mehr für ambulante Spitalbehandlungen. Oder pro Kopf 250 Franken mehr in Arztpraxen: Der Krankenkassen-Verband Santésuisse zeigt, was in den letzten Jahren die Gesundheitskosten am stärksten trieb. Und er fordert konkrete Gegenmassnahmen.

, 23. September 2015, 14:51
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Wer ist schuld, was ist schuld? Bevor Gesundheitsminister Alain Berset am Donnerstag die neusten Prämienschübe vermeldet, liefert Santésuisse bereits einige Hintergrund-Erklärungen. 
In einer neuen Mitteilung zeigt der Krankenkassenverband auf, wo auf längere Sicht die grössten Kostensprünge stattfanden.
Als wichtigsten Bereich nennen die Santésuisse-Statistiker dabei die ambulanten Spitalabteilungen – hier stiegen die Kosten in den letzten zehn Jahren um 66 Prozent. Pro versicherte Person bedeutete dies ein Plus von 253 Franken. 
Bei den niedergelassenen Ärzten ergab sich zwischen 2005 und 2014 ein Kostenschub von 34 Prozent. Das heisst: Hier liegen die Kosten heute um 256 Franken höher als noch vor zehn Jahren.
Der stationäre Spitalbereich verbuchte im gleichen Zeitraum eine Kostensteigerung von 20 Prozent. Konkret stiegen hier die Kosten pro Person um 135 Franken auf 820 Franken pro Jahr. 
Natürlich lässt sich dies nicht so direkt auf die Krankenkassenprämien umlegen: Die Kosten im ambulanten Bereich werden beispielweise ganz von den Prämienzahlern getragen; bei spitalstationären Behandlungen finanzieren indessen die Kantone mit.
Dennoch: Wie die «Neue Zürcher Zeitung» aus diesem Anlass vorrechnet, gab letztes Jahr jede versicherte Person in der obligatorischen Krankenversicherung 3516 Franken aus – 775 Franken mehr als vor zehn Jahren. 

«Das ist kein Pappenstiel»

Vor der morgigen Prämien-Bekanntgabe warnt Santésuisse: Das permanent überhöhte Kostenwachstum sei «kein Pappenstiel». Es gefährde längerfristig die Errungenschaften der sozialen Krankenversicherung. «Eine Krankenversicherung, welche die Bevölkerung nicht mehr bezahlen kann, erfüllt ihre wichtige soziale Funktion nicht mehr», sagt Santésuisse-Direktorin Verena Nold.
Was tun? Santésuisse zeigt auf die Mengenausweitung. Hier seien griffige Gesetze nötig, «damit unnötige oder qualitativ ungenügende Leistungen nicht mehr finanziert werden müssen», so Verena Nold, Direktorin. «Die adäquate Lösung ist die systematische Überprüfung der Leistungen, ein Überdenken der Mehrfachrolle der Kantone sowie die Lockerung des Vertragszwangs.»

  • Bild: B. Rosen, «Inferno», Flickr CC

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