Freiburger Spital schubladisiert Herzchirurgie-Pläne

Inzwischen äussert sich auch René Prêtre vom CHUV kritisch zur Idee, die Herzchirugie am HFR auszubauen.

, 4. Juli 2016, 07:57
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Das Freiburger Kantonsspital HFR nimmt den Fuss vom Gas: Wie der «Tages-Anzeiger» (Print) unter Berufung auf mehrere Quellen meldet, verfolgt es den Aufbau einer eigenen Herzchirurgie zurzeit nicht mehr weiter. 
Bekanntlich wollte das Freiburger Spital in Zusammenarbeit mit dem CHUV Lausanne hier sein Angebot ausweiten. Dies gab die Kantonsregierung im Februar 2015 bekannt. 

Überlastet oder Überversorgung?

Das CHUV sei an die Freiburger herangetreten, um einige Leistungen aus dem Bereich Herzchirurgie abzutreten, erklärte damals der Chef des Freiburger Gesundheitsamtes, Patrice Zurich. Denn die Herzchirurgie in Lausanne sei latent überlastet – auch wegen den Freiburger Patienten, die nach Lausanne geschickt werden.
Kritik kam danach umgehend aus den Herzzentren in Bern und Zürich. «Mittel- und langfristig gefährdet die Eröffnung neuer herzchirurgischer Abteilungen in der Schweiz die medizinische Versorgung im Allgemeinen und führt zu beträchtlichen Einbussen in der Qualität der Medizin», befanden Michele Genoni (Triemli) und Mario Stalder (Hirslanden) als Vertreter der Herzchirurgen-Gesellschaft SGHC in der «Schweizerischen Ärztezeitung». Die Überlegung: Überkapazitäten gefährden die Behandlungsqualität, da die einzelnen Kliniken mehr genügend Fälle behandeln können. 

«No comment» der Regierung

Und Thierry Carrel, Chef der Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie am Berner Inselspital, sagte in der «Schweiz am Sonntag»: «Das Inselspital ist nach wie vor der Auffassung, dass ein schweizweites Überangebot an herzchirurgischen Kliniken besteht. Eine Neugründung einer weiteren Mini-Herzchirurgie in Freiburg ist nicht sinnvoll» (mehr dazu hier).
Das Spital und die Freiburger Gesundheitsdirektion wollten zur plötzlichen Schubladisierung gegenüber dem Tagi nicht Stellung nehmen. Die Zeitung verwies auch darauf, dass der Freiburger Staatsrat eine parlamentarische Anfrage vom Oktober bis heute unbeantwortet gelassen hat, obwohl laut Reglement die Antwort bereits Ende Dezember fällig gewesen wäre.
Er habe den Eindruck, dass die Gesundheitsdirektion das Herzchirurgieprojekt stillschweigend begraben möchte, sagt CVP-Grossrat Markus Bapst gegenüber dem «Tages-Anzeiger». 

Auch René Prêtre äussert sich kritisch

Bemerkenswert: Auch René Prêtre äussert sich nun offen kritisch zum Freiburger Projekt. Der Chefarzt der Herzchirurgie am Universitätsspital Lausanne – also eigentlich Kooperationspartner der Freiburger – sagt im «Tages-Anzeiger», er sei Schluss gekommen, dass sich eine eigene herzchirurgische Abteilung in Freiburg kaum lohne. Die Freiburger Patienten könnten problemlos in Lausanne und Bern versorgt werden. 
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