Falsche Zahlen über das Pflegepersonal?

Eine Neu-Berechnung deutet an: Es stimmt gar nicht, dass die Schweiz im internationalen Vergleich so gut versorgt ist mit Pflegeprofis.

, 25. Oktober 2017 um 07:30
image
  • pflege
  • personalmangel
Die Rechnung könnte zu reden geben in der Branche: Das Magazin «Saldo» wirft dem Bundesamt für Statistik vor, mit falschen Zahlen zu arbeiten, wenn es um das Pflegepersonal geht – beziehungsweise im die Versorgung der Schweiz mit Pflegeleistungen.
Laut den OECD-Zahlen gibt es in der Schweiz fast 18 Pflegepersonen auf 1'000 Einwohner; das Land stünde damit unter den Industriestaaten an der Spitze. 
image
Pflege in der Schweiz, Pflege im OECD-Schnitt | Quelle & Grafik: OECD, «Health at a Glance» 2015
Diese Zahlen werden oft zitiert und im politischen Gefecht angeführt (so auch hier). Doch der internationale Vergleich hinke, so nun die Rechnung der «Saldo»-Redaktion. Denn die Schweizer Angaben basieren einerseits auf den diplomierten Pflegefachpersonen, sie enthalten aber obendrein  rund 50'000 Menschen in der Pflege mit anderen, geringerwertigen Abschlüssen. 
Der springende Punkt: Die anderen Länder melden jeweils nur die diplomierten Pflegefachkräfte an die OECD-Zentrale in Paris. Rechnet man also zurück, so käme die Schweiz auf gut 11 Pflegeprofis pro 1'000 Einwohner. Sie läge damit zwar immer noch über dem OECD-Schnitt, aber sie fiele doch aus den Top Ten. Was für ein Land, das ein weltweit führendes Gesundheitswesen haben will, vielleicht ein kleiner Tolggen im Reinheft wäre.
Das Bundesamt für Statistik bleibt allerdings dabei: Die gemeldeten Zahlen seien in Ordnung, eine Änderung des Vorgehens sei nicht nötig.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Felix Platter: Da schaut die KI, was die Patienten essen

Ein «Foodscanner» liefert in Basel automatisiert Daten für die Ernährungsmedizin.

image

Pflege: Je jünger, desto ausstiegswilliger

In Deutschland liebäugelte fast ein Drittel der jungen Pflegefachleute im letzten Jahr mit einem Berufswechsel. Aber ist das so schlimm?

image

Angebote der Rehaklinik Seewis

Die Rehaklinik Seewis hat sich auf kardiologische, psychiatrisch-psychosomatische und internistisch-onkologische Rehabilitation sowie Prävention spezialisiert. Dieser Artikel stellt die Situation für Patientinnen und Patienten beim Eintritt sowie die Angebote der Rehaklinik vor.

image

Deutschland: Nach Corona gab es keine Kündigungswelle in der Pflege

Im Covid-Stress bekundeten viele Pflegefachleute, dass sie den Beruf wechseln wollen. Aber nichts da.

image

Agnèse Niederberger wird neue Leiterin der Direktion Pflege der Lindenhofgruppe

Neu besetzt die Lindenhofgruppe die Position der Leiterin Direktion Pflege mit Agnèse Niederberger. Sie wird in dieser Funktion Mitglied der Geschäftsleitung und tritt die Nachfolge von Christine Schmid an.

image

Höhere Löhne, weniger Papier: Was Chief Nurse Officers gegen Engpässe tun würden

Die Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Schweiz sorgen sich vor allem über Fachkräftemangel und Kostendruck.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.