Kantonsspital gedenkt dem Pionier der Narkose

Vor 175 Jahren wurde die Narkose erstmals öffentlich vorgeführt. Das Kantonsspital Graubünden nimmt den Jahrestag zum Anlass, die Möglichkeiten der Narkose der Bevölkerung näher zu bringen.

, 15. Oktober 2021, 07:15
image
  • narkose
  • kantonsspital graubünden
Am 16. Oktober 1846,  exakt vor 175 Jahren, hat ein amerikanischer Zahnarzt als erster ein revolutionäres Experiment durchgeführt: Er hat den Äther als Inhalationsnarkotikum öffentlich vorgeführt. Der Mann heisst William Thomas Green Morton, 1819 in Charlton, Massachusetts geboren; 1868 in New York City verstorben. Der Sohn eines Farmers gilt als Pionier der Anästhesie und Begründer der modernen Narkose.
Es ist das Kantonsspital Graubünden, das in einer Medienmitteilung auf dieses historische Ereignis aufmerksam macht. Auf dem Postplatz in Chur stellt das Team der Anästhesie am Samstag anlässlich des Jahrestags der angeblich ersten Operation mit Narkose die heutigen Möglichkeiten der Anästhesie vor.

Morton ist der Pionier; Long war der erste

Morton gilt als Pionier, ist aber nicht der Erste, der die betäubende Wirkung des Äthers zur Ausschaltung von Schmerzen nutzbar machte. Wie mehrere Quellen berichten, war es ein gewisser Crawford Williamson Long, der vier Jahre zuvor einem Patienten einen Tumor am Nacken schmerzfrei zu entfernen wusste. Er unterliess es, seine Entdeckung beziehungsweise Erfahrung sofort zu publizieren. Erst 1849 wurde die Pionierleistung von Crawford Williamson Long öffentlich gemacht.
William Thomas Green Morton machte es besser: Nachdem ein vereiterter Backenzahn einem Patienten derart zusetzte, zeigte sich dieser damit einverstanden, die Methode mit dem Äther bei ihm testen zu lassen. Nach dem Erwachen soll er Morton erklärt haben, keinerlei Schmerzen bei der Extraktion des Backenzahns empfunden zu haben.

Studenten waren Zeugen

Das Boston Daily Journal berichtete Tags darauf: «Gestern Abend wurde einem Gentleman nach Inhalation eines Präparats, dessen einschläfernde, betäubende Wirkung etwa eine Minute anhielt, ein Zahn ohne jedwede Schmerzempfindung gezogen.» Nachzulesen ist dies auf Wikipedia.
Nun wollte William Thomas Green Morton die Methode auch öffentlich präsentieren. Das tat er dann eben am 16. Oktober 1846, um zehn Uhr vormittags, vor staunenden Ärzten und Medizinstudenten der heute noch weltberühmten Harvard Universität. 

«Nach anfänglicher Unruhe schlief der Patient ein»

Auf Wikipedia liest sich das so: «Morton liess den Patienten, den zwanzigjährigen schwindsüchtigen Buchdrucker Edward Gilbert Abbott, aus einer eigens dafür hergestellten Glaskugel, die einen mit Schwefeläther getränkten Schwamm enthielt, die Dämpfe einatmen. Nach anfänglicher Unruhe schlief der Patient ein.»
Es war dann John Collins Warren, leitender Chirurg am Massachusetts Hospital in Boston, der den «angeborenen, oberflächlich liegenden und gefässreichen Tumor unterhalb des Unterkiefers auf der linken Halsseite des Patienten innerhalb von fünf Minuten entfernte.»
image
Das Narkoseteam präsentiert auf dem Postplatz in Chur Instrumente für die Betäubung. | David Eichler
Der eingangs genannten Medienmitteilung des Kantonsspital Graubünden ist zu entnehmen, dass allein im Kantonsspital jedes Jahr rund 14'000 Patientinnen und Patienten anästhesiologisch betreut werden.
Thomas Sieber ist Chefarzt Anästhesie am Kantonsspital Graubünden. Im Communiqué erklärt er: «Im Laufe der Jahrzehnte haben sich innerhalb der Anästhesie weitere Fachbereiche entwickelt».  So etwa die Intensivmedizin, die Notfallmedizin und die Schmerztherapie. Der Grund liege darin, dass bei all diesen Gebieten die Kernkompetenzen der Anästhesie, nämlich Beatmung, Schmerzlinderung, Narkose und die Stabilisierung lebenswichtiger Funktionen des Körpers, im Vordergrund stünden.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Spital Walenstadt: Kantonsspital Graubünden ist in den Startlöchern

Am 1. Januar übernimmt das Kantonsspital Graubünden das Spital Walenstadt. Während der Übergangsphase werden die Operationssäle geschlossen.

image

Das Problem mit den Krebsmedikamenten

Ein Drittel der Medikamente, die aktuell gegen Krebs verordnet werden müssen, fehlt auf der Spezialitätenliste. Chefarzt spricht von Zweiklassenmedizin.

image

«Ich brauchte nach der Pause mindestens drei Jahre»

Daniela Fürer arbeitete rund eineinhalb Jahre als Intensivpflegefachfrau, dann wurde sie Mutter und machte eine lange Pause – bis zum Wiedereinstieg.

image

Kantonsspital Graubünden holt Susanne Burtscher in die Geschäftsleitung

Susanne Burtscher wird Leiterin des Departements «Management Services» im Kantonsspital Graubünden. Sie kommt aus der Industrie und wird gleichzeitig Finanzchefin.

image

Masken-Comeback: Ab morgen im Stadtspital und im Kantonsspital Graubünden

Nach Genf, Brig und Winterthur: Ab morgen Freitag gilt auch im Kantonsspital Graubünden und im Zürcher Stadtspital wieder die Maskenpflicht.

image

Widerstand gegen Verkauf des Spitals Walenstadt

Die Grünliberalen lehnen den Spital-Walenstadt-Verkauf ab: Die Veräusserung an das Kantonsspital Graubünden sei «nicht mit den Interessen des Kantons zu vereinbaren».

Vom gleichen Autor

image

Ganzheitlich gesund

Gesundheit ist das höchste Gut, wird oft gesagt. Gesundheit! wünschen wir uns beim Niesen, zum Geburtstag, zum Neuen Jahr, beim Anstossen in geselliger Runde. Doch welche Investitionen sind wir für dieses hohe Gut bereit zu tätigen?

image

Personalmangel – eine provokative Antwort

Unpopuläre Massnahmen sind unumgänglich. Der Öffentlichkeit muss klar gemacht werden, dass nicht mehr alles möglich ist.

image

«Um eine Erhöhung der Spitaltarife kommen wir nicht herum»

Will man den Fachkräftemangel entschärfen, müssen laut Fridolin Marty die Spitaltarife angepasst werden. Anders geht es nicht.