Ein pinkfarbenes Auto für die Krebs-Vorsorge

Das mobile Untersuchungszimmer fährt in Pink vor: Mit der «Charrozza rösa» will das Spital Oberengadin gynäkologische Vorsorge betreiben.

, 25. November 2020 um 06:51
image
  • spital oberengadin
  • spital
  • gynäkologie
Am 4. Dezember ist es so weit: Dann rollt erstmals ein rosarotes Auto ins Bergell - die so genannte Charrozza rösa, also die rosafarbene Kutsche. Das ehemalige umgebaute Ambulanzfahrzeug soll künftig die gynäkologische Vorsorge in den Südbündner Tälern verbessern.

Graubünden hat viele Fälle von Gebärmutterhals-Krebs

Der Kanton Graubünden weist nämlich eine der höchsten Gebärmutterhalskrebs-Raten der Schweiz auf. Viele Frauen in Bünder Randregionen haben nur umständlich Zugang zu gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung. Deshalb verzichten sie häufig auf solche Untersuchungen. Das lässt das Krebs-Risiko steigen.
Nun handelt das Spital Oberengadin: Es schickt ein mobiles Untersuchungszimmer in die Region. Die Charrozza rösa bringt einmal im Monat das Team der Gynäkologie des Spitals Oberengadin zu den Frauen. In erster Linie bedient das Gynökologie-Team mit der Charrozza rösa das Bergell und das Münstertal, wo derzeit überhaupt keine gynäkologischen Untersuchungen angeboten werden.

Nichts für emanzipierte Frauen?

Das Vorhaben kam nicht auf Anhieb bei allen Frauen gut an. Eine Leserbriefschreiberin aus Stampa empörte sich: «Tatsächlich ein rosaroter VW-Bus im Wald für die gynäkologische Versorgung der Frauen in den entlegensten Tälern? Es fehlen nur noch blinkende Lichter, damit die Aktion noch mehr auffällt», schrieb sie der Zeitung «Südostschweiz».
Sie betonte: «Im Bergell und in den anderen Südbündner Tälern sind die Frauen emanzipiert, modern, gebildet, aufgeklärt und mobil. Wir sind kein Entwicklungsland, wir wollen keine gynäkologische Beratung und Untersuchung im Wald oder auf einem Parkplatz.»

Untersuchung im Centro Sanitario Bregaglia

Doch das Spital Oberengadin will die Frauen keineswegs klandestin auf einem verborgenen Wald-Parkplatz abfertigen. Die Fachärztinnen und –ärzte und medizinischen Praxisassistenntinnen führen die Untersuchungen in geeigneten Räumen vor Ort durch. Im Bergell wird es das Centro Sanitario Bregaglia sein.
Nur bei Bedarf werden die Untersuchungen auch im professionell ausgestatteten Ambulanzfahrzeug durchgeführt. Zur Vorsorgeuntersuchung gehören Brustuntersuchungen, Krebsabstrich und Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs aber auch beratende Gespräche.

Effiziente Vorsorge ohne teure Räume

Mit der Charrozza rösa, welche das Gynäkologie-Team zu den Frauen bringt, lässt sich die teure Miete und Einrichtung von Untersuchungszimmern sparen, die nur wenige Stunden im Monat benutzt werden.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Regionalspital Surselva: Schneearmer Winter

Das Spital in Ilanz betreute im letzten Jahr weniger stationäre und ambulante Patienten. Dies trug zum Verlust bei.

image

USB: Rechtsstreit abgewendet, 300 Millionen bewilligt

Über ein Millionen-Darlehen ans Unispital war ein Streit zwischen dem Kanton und den Basler Privatspitälern entflammt.

image

Das Spital Uster kehrt in die Gewinnzone zurück

Eine Fusion mit dem angeschlagenen Nachbarspital Wetzikon stehe nun nicht mehr zur Diskussion.

image

Neue Direktorin für das Spital Nidwalden

Ursina Pajarola ist ab Oktober die Direktorin des Spitals Nidwalden. Sie leitet derzeit noch eine Altersresidenz.

image

Deshalb bauten die Stararchitekten das neue Kispi

Seid ihr noch bei Trost, fragte sich ein SVP-Politiker beim Anblick des neuen Kinderspitals Zürich. Es gibt aber Gründe für den exklusiven Bau.

image

Sogar das Spital Schwyz schreibt nun rote Zahlen

Es ist das erste Mal seit acht Jahren: Das bisher rentable Spital Schwyz hat 2023 Verlust gemacht.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.