Ein neuer Verein setzt sich für klare Patientenverfügungen ein

Spitäler und Heime wissen oft zu wenig Bescheid über die Behandlungswünsche von Schwerkranken. Ein neuer Verein will mit gesundheitlicher Vorausplanung Klarheit schaffen.

, 14. Juli 2020 um 04:00
image
  • pflege
  • ärzte
  • trends
Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie schnell auch gesunde Menschen in eine lebensbedrohende Situation geraten können. In diesen Fällen ist es wichtig dass Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen eine aussagekräftige Patientenverfügung vor sich haben und sich an den Vorstellungen und Behandlungszielen orientieren können, welche die Betroffenen klar und widerspruchsfrei formuliert haben.

ACP gibt auch medizinischen Fachpersonen Sicherheit

Doch zu oft ist gar keine oder eine unbrauchbare Patientenverfügungen vorhanden. Mit gesundheitlicher Vorausplanung liesse sich das verhindern, sind die Gründer des neuen Vereins «Advance Care Planning – ACP Swiss» überzeugt. Der Verein will die vorausschauende Behandlungsplanung in der Schweiz etablieren.
Das ACP-Prinzip wird schon in vielen Ländern angewendet und ist wissenschaftlich fundiert. Und es kann medizinische Fachpersonen entlasten. Denn sie können mit ACP sicherstellen, dass sie ihre Patienten auch dann, wenn sie nicht mehr urteilsfähig sind, so behandeln können, wie diese sich das vorgestellt haben.

USZ bildet ACP-Beraterinnen und -Berater aus

In der Schweiz gibt es bereits seit einigen Jahren die Möglichkeit, eine gesundheitliche Vorausplanung zu machen und Patientenverfügungen nach dem ACP-Konzept zu erstellen. Die Ausbildung von entsprechend geprüften Beraterinnen und Beratern gibt es zum Beispiel am Universitätsspital Zürich.
Ein Beispiel für ACP: Während der Corona-Pandemie war es schwierig, auf die Schnelle eine Notfallanordnung zu erstellen, die dem Willen der Patienten entsprach. Deshalb arbeitete ein Team um Tanja Krones, der leitenden Ärztin für klinische Ethik am Universitätsspital Zürich, eine Kurzentscheid-Hilfe aus – speziell für die Corona-Pandemie.

Klare Fragen zum Lebenswillen

«Wie gerne leben Sie?» lautet die erste Frage. Und die zweite: «Wie gross ist Ihr Lebenswille auf einer Skala von 0 bis 10?» Die Patienten sollen an die letzten Wochen denken und ihren Lebenswillen zum aktuellen Zeitpunkt angeben.
Tanja Krones ist eine der Initiantinnen des Vereins. Sie ist überzeugt: «Dieses klientenzentrierte Konzept ist eine Gemeinschaftsarbeit, und zwar nicht nur des Gesundheitswesens, sondern der ganzen Gesellschaft.»

Krebsliga und Patientenorganisation sind Mitgründer

Ein Ziel des Vereins ist es, Patientenverfügungen zu schaffen, die den rechtlichen Bestimmungen entsprechen und den Patientenwillen möglichst gut darstellen. Dazu soll es wissenschaftlich fundierte Qualitätsstandards geben.
Zu den Gründungsorganisationen gehören unter anderem die Krebsliga, das Universitätsspital Zürich (USZ), die Schweizerische Patientenorganisation (SPO) sowie die Zürcher und Schaffhauser Sektion des Vereins Palliative.

Seit gut 20 Jahren gibt es die vorausschauende Behandlungsplanung

Das Konzept der vorausschauenden Behandlungsplanung begann in den 1990er-Jahren in den USA und Kanada. Dort wurde es als «Advance Care Planning» oder kurz ACP bekannt. Es breitete sich in den 2000-er Jahren im englischsprachigen Raum und in Deutschland aus und wurde mit dem nationalen Forschungsprogramm NFP 67 «Lebensende» (2012-2017) auch in der Schweiz zunehmend bekannter.
Zu ACP gibt es bereits viele Studien. Sie besagen: Die gesundheitliche Vorausplanung nach ACP ist für alle Menschen ­wichtig, ob krank oder gesund, ob alt oder jung, ob alleinlebend oder in einer Familie oder einer Gemeinschaft eingebunden. ACP ist wissenschaftlich fundiert und wird auch vom Bundesamt für Gesundheit empfohlen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Pflege: So gross wird die Ausbildungs-Lücke im Kanton Zürich

In den nächsten fünf Jahren dürfte mehr als ein Fünftel des Bedarfs an gut ausgebildeten Pflegefachleuten nicht abgedeckt sein – sagt eine Obsan-Studie.

image

Die Chefärztinnen organisieren sich

Eine neue Vereinigung soll eine wichtige Stimme innerhalb und ausserhalb der Ärzteschaft werden.

image

Nur noch Festangestellte? Super-Sache!

In Deutschland verzichtete eine Klinikgruppe vollständig auf Personalleasing. Jetzt zog man Bilanz.

image

Höchstens noch 45-Stunden-Woche für Pflege

Der Bundesrat will fixe Zeitvorgaben im Pflegebereich gesetzlich verankern. Die Spitäler protestieren.

image

Auch mit Leseschwäche zum Medizinstudium

Ein wegweisendes Urteil: Wer unter Dyslexie leidet, soll im Eignungstest mehr Zeit für Prüfungsaufgaben erhalten.

image

Wie wäre es, keinen Arztbericht mehr schreiben zu müssen?

In Zukunft dürfte ChatGPT solche Aufgaben übernehmen. Laut einer Studie schreibt das KI-Programm den Arztbericht zehnmal schneller – und nicht schlechter.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.