Der ANQ misst die Qualität nur im stationären Bereich

Seit 20 Jahren verlangt das KVG qualitätssichernde Massnahmen auch im ambulanten Bereich. Davon ist nichts zu sehen. Doch im nächsten Jahr sollte es soweit sein, heisst es bei ANQ.

, 10. April 2017, 21:31
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Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) schreibt Spitälern vor, qualitätssichernde Massnahmen zu ergreifen. Viel wurde schon darüber geschrieben, wie das geschehen soll. Erst 2009,  13 Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes, ist der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) gegründet worden. Der Verein koordiniert und realisiert Qualitätsmessungen in Spitälern. Mitglieder sind der Spitalverband Hplus, die Kranken- und Unfallversicherer  sowie die Kantone. Gemessen werden:
  • Patientenzufriedenheit
  • Dekubitus (Wundliegen) und Sturz
  • Rehospitalisation und Reoperation
  • Postoperative Wundinfektionen
  • Register für Knie- und Hüftgelenksersatzoperationen.

Stationär Ja - Ambulant Nein

Das Problem: Nur der stationäre Bereich wird erfasst, nicht aber die Spitalambulatorien. Das ist insofern ein Schwachpunkt, weil der ambulante Bereich immer wichtiger wird. Zwar leisten Ärzte und Spitäler gegen diesen Trend vehement Widerstand. Nicht aus medizinischen, vielmehr aus monetären Gründen. Doch der Trend lässt sich nicht aufhalten.
«Obschon das Gesetz seit 20 Jahren Qualitätsindikatoren auch im ambulanten Bereich fordert, wurde bisher noch nichts gemacht», ärgert sich Felix Schneuwly, der Gesundheitsexperte von Comparis. Der Gesetzgeber habe es leider unterlassen, Sanktionen zu definieren. 

«In den neunziger Jahren war Qualität kein Thema»

Markus Moser gibt Schneuwly Recht. Er fügt aber an, dass die Kantonsregierungen bei der Genehmigung von Tarifverträgen es durchaus bemängeln könnten, wenn ein Tarifvertrag keine Aussagen zur Qualitätssicherung enthält. Moser war beim Erlass des KVG Leiter der 
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    Markus Moser

    «Anfang der neunziger Jahre sprach kaum jemand von Qualitätsmassnahmen».

Hauptabteilung Kranken- und Unfallversicherung. Er erinnert sich, wie Anfang der neunziger Jahre kaum jemand von Qualitätsmassnahmen sprach. Es gab kaum konkrete Vorstellungen darüber, wie solche zu gestalten seien.

«Restaurantküchen sind besser kontrolliert»

Felix Schneuwly macht die FMH dafür verantwortlich, dass die Vorgaben laut KVG ungenügend umgesetzt würden. Bei den Ärzten beschränkten sich Qualitätsmassnahmen auf die Ausbildung. Das genüge in keiner Weise. «Restaurantküchen werden in der Schweiz genauer kontrolliert als Arztpraxen und Operationssäle», kritisiert Schneuwly.

FMH wehrt sich

Die FMH lässt diesen Vorwurf nicht gelten und zählt eine lange Liste von Massnahmen auf. «Der nachweisbare Leistungsausweis der Ärzteschaft weist schon mehrere Jahrzehnte zurück – weit vor Beginn des KVG», erklärt Christoph Bosshard, Vizepräsident der FMH und Departementsverantwortlicher Daten, Demographie und Qualität. Betreffend der Qualitätsmessung im ambulanten Sektor verweist Bosshard auf das Pilotprojekt Patient Centred Outcome Registry.
Mit diesem Projekt wird derzeit die Praxistauglichkeit der vorgesehenen Befragungen getestet. Womit aber die Frage unbeantwortet bleibt, weshalb dieses Projekt erst 20 Jahre nach Inkrafttreten des KVG lanciert wird.

2018 will man soweit sein

Ein Silberstreif am Horizont ist dennoch in Sicht. ANQ-Präsident Thomas Straubhaar: «Im kommenden Jahr sollten wir beim ANQ soweit sein, auch bei Spitalambulatorien Qualitätsmessungen vorzunehmen oder mindestens die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen».
Resultate der bisherigen Messungen auf der Website von ANQ.  

Spezialsendung zu Spitalhygiene

Die Gesundheitssendung «Puls» des Schweizer Fernsehens widmete am Montag der Spitalhygiene eine Spezialsendung
Ein Mann erlitt im Januar 2015 nach einem Routine-Eingriff eine schwere Wundinfektion. Mehrere Wochen lag er darauf auf der Intensivstation, 7 weitere Operationen am Rücken und über 20 operative Wundreinigungen musste er über sich ergehen lassen. «Die Narben zeugen von einer Spitalodyssee», sagte die Moderatorin. 
70'000 Infektionen gibt es jährlich in Schweizer Spitälern. Jedes Jahr sind rund 2000 Todesfälle zu beklagen, davon dürften 600 vermeidbar sein, fast dreimal die Zahl der Verkehrstoten. 
Zu Wort kommt auch Erika Ziltener von der Patientenstelle Zürich. Zu ihr kommt im Schnitt jede Woche ein Patient, der von einer schweren Infektion betroffen ist. Sie fordert eine bessere Überwachung der Spitäler.  «Wir haben nichts Verbindliches, keine Kontrollen, keine Santionen», bemängelt sie. Spitäler, die bei der Hygiene sparen, hätten keine Konsequenzen zu befürchten. 
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