Der Fall USZ-Herzklinik geht weiter

Wer hat die unrechtmässigen Verrechnungen von Arztkonsultationen tatsächlich angeordnet?

, 16. Dezember 2020 um 07:59
image
  • universitätsspital zürich
  • herzchirurgie
  • polizei
  • spital
Am Dienstag hat das Universitätsspital Zürich (USZ) die Ergebnisse von zwei Untersuchungsberichten vorgestellt. Sowohl in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie wie auch in der Klinik für Herzchirurgie wurden dabei Verfehlungen festgestellt («Medinside» hat hier berichtet). In der  USZ-Medienmitteilung zu den unzulässigen Verrechnungen von Arztgesprächen in der Herzklinik findet sich aber eine grosse Leerstelle. Wer ist oder sind der oder die Schuldigen?
Die USZ schrieb am Dienstag nämlich nur, dass «die Ärzte, die diese Visiten durchgeführt haben und entsprechend auf der Abrechnung aufgeführt wurden, keine Kenntnis von der Verrechnung in ihrem Namen» gehabt hätten. Als Grund für die Verrechnungen steht zudem einzig, dass diese «systematisch von der Klinikadministration erfasst» worden seien. 
Doch wer hat dies veranlasst?

Fall für die Strafbehörden

«Medinside» hat am Dienstagabend beim USZ nachgefragt. Die Antwort kommt von Franz Hoffet, USZ-Spitalrat und Mitglied des Finanzausschusses. Seine Antwort: «Dies konnte von der untersuchenden Anwaltskanzlei nicht festgestellt werden und wird nun von den Strafbehörden zu ermitteln sein.» Die Herzklinik kommt also einstweilen nicht zur Ruhe.
Klar ist: Das Geld floss in den Honorarpool, der dann nach einem Schlüssel auf die poolberechtigten Ärzte aufgeteilt wurde, wie Hoffet auf Anfrage weiter mitteilt. 
Gemäss der Mitteilung vom Dienstag wird das Geld nun von den beteiligten Ärztinnen und Ärzten zurückgefordert - egal ob diese informiert waren oder nicht. Die Suche nach den Verantwortlichen, die geht derweil weiter.
In einer frühen Version dieses Textes stand irrtümlicherweise, dass die Homburger AG, deren Partner Franz Hoffet ist, die Untersuchung durchgeführt hat.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Zuger Kantonsspital mit Jahresgewinn

Die Zahl der stationären Patienten blieb im letzten Jahr praktisch unverändert.

image

Vorwürfe an die Insel-Leitung: Mangelhafte Qualitätskontrolle

Neue Vorwürfe an Schnegg, Pulver und Jocham: Sie hätten nichts dagegen unternommen, dass Insel-Patienten ein hohes Infektionsrisiko haben.

image

Neue Tarife für Psychiatrie-Kliniken

Psychiatrische Kliniken können künftig neben den Fallpauschalen weitere Leistungen separat verrechnen.

image

Nun müssen Spitäler besser werden

Erstmals haben die Spitäler und Krankenkassen einen Vertrag über die Qualität ihrer Arbeit abgeschlossen.

image

Die Insel ist das schnellste Spital der Schweiz

Zum 9. Mal verteidigte die Insel ihren Titel, die fittesten Angestellten zu haben: Sie gewann die Firmentrophy am Berner Stadtlauf.

image

Studie: Hohe Burnoutgefahr bei Notärzten

Knapp 60 Prozent weisen mindestens ein Burnout-Kriterium auf, über 10 Prozent hatten bereits Suizidgedanken.

Vom gleichen Autor

image

Covid-19 ist auch für das DRG-System eine Herausforderung

Die Fallpauschalen wurden für die Vergütung von Covid-19-Behandlungen adaptiert. Dieses Fazit zieht der Direktor eines Unispitals.

image

Ein Vogel verzögert Unispital-Neubau

Ein vom Aussterben bedrohter Wanderfalke nistet im künftigen Zürcher Kispi. Auch sonst sieht sich das Spital als Bauherrin mit speziellen Herausforderungen konfrontiert.

image

Preisdeckel für lukrative Spitalbehandlungen?

Das DRG-Modell setzt Fehlanreize, die zu Mengenausweitungen führen. Der Bund will deshalb eine gedeckelte Grundpauschale - für den Direktor des Unispitals Basel ist das der völlig falsche Weg.