Medikament Depakine: Klage gegen das CHUV

In der Schweiz tritt erstmals eine Klägerin im Zusammenhang mit dem Antiepileptikum Depakine auf. Sie fordert vom Unispital Lausanne (CHUV) und vom Hersteller Sanofi Aventis eine Millionensumme.

, 24. Januar 2017, 10:33
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In der Schweiz ist es zur ersten Zivilklage gekommen, bei der das umstrittene Medikament Depakine im Vordergrund steht. Dies berichtet der französischsprachige Sender RTS in einem Beitrag. 
Eine betroffene Frau fordert insgesamt 3,5 Millionen Franken Schadenersatz und Genugtuung. Und zwar vom Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV), das ihr das Medikament verabreichte, und vom Hersteller Sanofi Aventis.

Unispital will Verantwortung übernehmen

Der Vorwurf der Frau: Das Unispital Lausanne und der Pharmahersteller sollen Natascha Allenbach – so der Name der Klägerin – zu wenig über die Nebenwirkungen informiert haben. Allenbach gebar vor mehr als fünf Jahren ein Kind mit dem Valproat-Syndrom. Das ist eine Krankheit, die in einem direktem Zusammenhang mit Depakine steht.
Das CHUV will mit dem damaligen Wissensstand keine Fehler begangen haben, wie Direktor Pierre-François Leyvraz gegenüber dem Sender erklärt. «Sollte uns das Gericht einen Fehler nachweisen können, werden wir unsere Verantwortung übernehmen», fügt er hinzu. Das Unispital will alle notwendigen Unterlagen zur Verfügung stellen. Der Hersteller Sanofi Aventis wollte sich gegenüber RTS nicht weiter dazu äussern.

Depakine: für Schwangere gefährlich

Das Medikament Depakine (Valproinsäure) birgt ein hohes Risiko für Schwangere. Es kann bei jedem zehnten Neugeborenen zu Fehlbildungen führen. Über ein Drittel der Kinder sind zudem von Entwicklungsstörungen betroffen. Heute sind diese Nebenwirkungen bekannt.
Seit knapp 40 Jahren verkauft der Pharmahersteller Sanofi Aventis in der Schweiz dieses Medikament. Es gilt hier als eines der am häufigsten verschriebenen Mittel für Menschen mit Epilepsie, woran fast 70’000 Menschen in der Schweiz leiden. Depakine wird auch bei bipolaren Störungen verschrieben.
Das Arzneimittel sorgte vor allem in Frankreich für Schlagzeilen. Dort ist es zu mehreren Klagen gekommen. Nach dem Bericht der Gesundheitsbehörden nahmen zwischen 2007 und 2014 knapp 15’000 Frauen das Medikament während der Schwangerschaft ein. Unklar blieb, für wie viele Kinder das Medikament tatsächlich gesundheitliche Folgen hatte.
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