Darum hatte die Klinik die Anhängerinnen des «Sekten-Gurus» angestellt

Das Psychiatriezentrum Münsingen verteidigt sich: In der Klinik arbeiteten zwar drei Mitglieder der umstrittenen Kirschblütengemeinschaft – doch unter strenger Kontrolle.

, 16. Februar 2022, 09:02
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«Diese umstrittenen, pseudowissenschaftlichen Praktiken sind am Psychiatriezentrum Münsingen tabu»: Mit diesen klaren Worten distanziert sich das PZM von den höchst dubiosen Therapiemethoden der Kirschblütengemeinschaft.

Chefarzt hat private Beziehung zu Kirschblütlerin

Nötig geworden ist diese Stellungnahme, weil der «Beobachter» dem PZM vorgeworfen hatte, dass es mehrere Mitglieder der sektenähnlichen Gruppierung angestellt habe. Dazu kommt: Der ärztliche Direktor und Chefarzt Thomas Reisch ist selber privat mit der Kirschblütengemeinschaft verbandelt. Er hat eine private Beziehung zu einem Mitglied der Gemeinschaft.
Das PZM verteidigt sich: Von all dem hätten die Klinikverantwortlichen gewusst. Thomas Reisch habe «zeitnah, transparent und differenziert» über seine Beziehung informiert. Weil ihm bewusst gewesen sei, dass diese von Aussenstehenden kritisch betrachtet werden könnte.

Sie überzeugten im Bewerbungsgespräch

Auch von den drei Angestellten – die übrigens nicht mehr am PZM arbeiten – habe man gewusst, dass sie der Gemeinschaft angehören. «Diese Personen wurden eingestellt, weil sie über alle fachlichen Qualifikationen und staatlich anerkannten Zulassungen für die offenen Stellen verfügten, im Bewerbungsgespräch überzeugen und gute Referenzen vorlegen konnten», erklären die Klinik-Verantwortlichen.
Mit den drei ehemaligen Mitarbeiterinnen habe die Klinik klare Verhaltensregeln vereinbart. Das PZM versichert in einer Mitteilung: «Während der Anstellung der drei Mitarbeiterinnen kam es weder zu Fehlverhalten noch zu rechtlichen Verstössen oder Beanstandungen.» Sie hätten nie an der Integrität und Professionalität dieser ehemaligen Mitarbeiterinnen gezweifelt, sagen die Verantwortlichen.

Reischs Beziehung: «Eine private Angelegenheit»

Die Beziehung von Reisch toleriert die Klinik: «Das ist eine persönliche und private Angelegenheit, die wir respektieren. Sie geht uns als Arbeitgeberin dann etwas an, wenn die Beziehung einen Einfluss auf die Arbeit des ärztlichen Direktors bei uns im PZM hätte. Doch dies ist nicht der Fall.»
Der ärztliche Direktor Thomas Reisch selber betont, dass er weder Mitglied noch Anhänger der Kirschblütengemeinschaft sei. Er distanziere sich ausdrücklich von den Therapiemethoden der Gemeinschaft.

Das ist die Kirschblütengemeinschaft

Für Reisch wäre nur schon der Verdacht, dass er solche Methoden im PZM dulden oder anwenden würde, ein Problem. Die Kirschblütler propagieren  die Psychotherapie mit Drogen, die Bigamie und verteidigen den Inzest.
Der Solothurner Psychiater Samuel Widmer hat die Gemeinschaft vor 26 Jahren in Lüsslingen (SO) gegründet. Er hatte bis 1993 eine Spezialbewilligung für Psychotherapien mit LSD und Ecstasy. Obwohl ihm diese entzogen wurde, arbeitete er weiter damit.

Schwere Vergiftungen bei Patienten

Im März 2015 berichtete der Tages-Anzeiger über ein Ermittlungsverfahren gegen Widmer wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Bei einer Therapiesitzung sei es zu schweren Vergiftungserscheinungen bei Teilnehmern gekommen. Ausserdem habe es weitere Vergiftungsfälle ausserhalb seiner Praxis gegeben. Gruppensitzungen mit Patienten würden in Drogentrips ausarten.
In der sektenähnlich geführten Kirschblütengemeinschaft hatte er den Rang eines Gurus. Er ist vor fünf Jahren gestorben. Die Gemeinschaft besteht heute aus etwa 120 Erwachsenen und 90 Kindern und Jugendlichen.
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Samuel Widmer mit seinen drei Frauen. | Website
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