Corona-Opfer: Paracelsus-Spital in Schieflage

Das zürcherische Listenspital hat Nachlassstundung beantragt. Ohne neuen Partner droht die Schliessung.

, 23. Oktober 2020, 06:30
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Das Paracelsus-Spital im zürcherischen Richterswil hat die Nachlassstundung beantragt. In der derzeitigen Situation könne das Haus – es steht auf der Zürcher Spitalliste – nicht weitergeführt werden. Der Verwaltungsrat erklärt den Schritt vor dem Richter als Folge der Corona-Krise: Nach der geringeren Auslastung im Rahmen des Frühjahrs-Lockdowns seien «die Fallzahlen auch nach dem Lockdown nicht ausreichend angestiegen».
Der zuständige Richter bewilligte die beantragte Nachlassstundung am 19. Oktober. Nun sucht der Verwaltungsrat Lösungen mit den Gläubigern und nach Wegen, «um die Zukunft des Spitals in geordnetem Rahmen» zu regeln.

Kleines Haus, breites Angebot

Eine Sanierung wurde auch nötig, weil «die zunehmenden regulatorischen Ansprüche und das schwierige Marktumfeld» es kleineren Spitälern mit breitem Angebot das Leben schwer machen: Dies eine weitere Erklärung für den drastischen Schritt.
Zur Angebotspalette des Paracelsus-Spitals gehören unter anderem Basischirurgie, Urologie, Gastroenterologie, Orthopädie, Gynäkologie und Onkologie.

Liegenschaften bereits verkauft

«In der aktuellen Situation kann das Paracelsus-Spital nicht wie bis anhin weitergeführt werden. Dies wäre nur in Kooperation mit anderen Anbietern möglich», teilt die Klinikleitung mit.
Das Paracelsus-Spital beschäftigt rund 200 Personen und gehört seit 2017 zur NSN Medical AG, welche wiederum auch die Limmatklinik, die Eulachklinik und verschiedene ambulante Zentren führt. Die übrigen Unternehmen von NSN Medical seien von der Entwicklung des Paracelsus-Spitals nicht oder nur geringfügig betroffen.
Bereits im Dezember waren die vier Liegenschaften rund um das Paracelsus-Spital in Richterswil verkauft worden, zu einen Kaufpreis von gut 39 Millionen Franken. NSN Medical wolle sich «auf ihren Kernbereich weiter fokussieren», so die Erklärung damals, nämlich auf den operativen Betrieb von Kliniken und ambulanten Zentren in der Schweiz.

Wie weiter?

Man gehe davon aus, dass gewisse Betriebsteile weiter betrieben werden können, so der Verwaltungsrat weiter. Namentlich genannt werden die Onkologie, die Paracelsus-Apotheke in Richterswil sowie das Paracelsus-Zentrum Sonnenberg in Zürich. «Diese Leistungen sollen auf jeden Fall erhalten werden: entweder innerhalb des Spitals, sofern ein Kooperationspartner gefunden wird, oder aber ausserhalb des Spitals in anderen organisatorischen Einheiten.»
Gelinge es nicht, Kooperationspartner zu finden und mit ihnen die Auslastung des Spitals zu erhöhen, so solle «das Spital schrittweise geschlossen werden».
Zugleich bemühe man sich, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Die Löhne der Mitarbeitenden seien bis Ende Jahr gemäss Liquidationsplan gedeckt.
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