Boni im Spital: Wenn Mediziner bezahlt werden wie Banker

Die variablen Lohnanteile der Kaderärzte steigen offenbar stetig an – und dabei spielen auch Mengenziele eine wichtigere Rolle. Die FMH warnt.

, 16. August 2015, 19:45
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In der Ärzteschaft ist es ein seit längerem schwelendes Thema. Dass Spitäler ihren Ärzten quasi Boni bezahlen, kritisierte öffentlich zum Beispiel Fritz Hefti, ehemaliger Chefarzt Kieferorthopädie am UKBB. In einem Interview nannte er jüngst «geradezu unanständig», dass gewisse Spitaldirektionen ihren Ärzten Boni bezahlen, wenn sie mehr Patienten für standardisierte risikoarme Eingriffe bringen.
Jetzt ist die «Sonntagszeitung» (Paywall) dem Phänomen nachgegangen: «Etliche Spitaldirektoren» würden ihr Personal mit Bonusmodellen ködern, so ein Resultat. Chefärzte seien «massiv unter Druck», um mit ihren Kliniken gewisse Mengenziele zu erreichen.
In krassen Fällen mache der variable Anteil fast die Hälfte des gesamten Lohnes aus (womit die Mediziner also langsam in die Sphären der Banker vorstossen würden).

Mehrere Kliniken prüfen neue Lohnmodelle

Wieviele Chefärzte einen Bonus-Vertrag haben, ist nicht bekannt. Die «Sonntagszeitung» schliesst aus deutschen Daten, dass es mittlerweile die Hälfte sein könnten. Dies, nachdem eine GfS-Erhebung 2013 ergeben hatte, dass nur jeder fünfte Chefarzt und leitende Arzt einen Bonusvertrag mit Mengenkomponenten hatte.
Die «Sonntagszeitung» machte nun eine Umfrage bei 20 Spitälern und Klinikketten. Resultat:

  • Die Kantonsspitäler in St. Gallen, Nidwalden, Zug und Luzern sowie die Spitäler in Thun und Wetzikon kennen Bonus-Lohnmodelle.
  • Die Hirslanden-Gruppe zahle ihren Ärzten «in Ausnahmefällen» einen variablen Lohnanteil.
  • Das Kantonsspital Aarau will Anfang 2016 ein Lohnmodell mit «leistungsbezogenen Komponenten» einführen.
  • Zur Debatte stehen die neuen Vergütungen am Kantonsspital Uri und bei den Solothurner Spitälern.

Der Anteil des variablen Lohns variiert aber kräftig. Im Kantonsspial Nidwalden liegt er bei 23 Prozent. Andere der befragten Spitäler schütten bloss 5 Prozent der Lohnsumme als variablen Anteil aus.

«Ärzte sind keine Söldner»

Das Bemerkenswerte an der Sache: Die Standesordnung der FMH verbietet eigentlich solche Bonusverträge. «Ein Bonus ist gefährlich», sagt FMH-Vizepräsident Pierre-François Cuénod in der Zeitung: «Er verleitet die Ärzte dazu, nur schneller zu operieren, damit sie besser verdienen. Ein Bonus widerspricht darüber hinaus der philosophischen Grundhaltung von uns Ärzten. Wir haben unsere Ethik. Wir sind keine Söldner, die bloss Umsatz generieren wollen.»
Das Bonusmodell wird in der «Sonntagszeitung» konkret geschildert anhand eines Beispiels am Kantonsspital Zug: Die dortigen Chefärzte erhalten einen garantierten Grundlohn von 90 Prozent. Erreichen sie vereinbarte Ziele, gibt es den maximalen Bonus von 20 Prozent. Dieses Modell wird ab Jahr 2017 auf alle leitenden Ärzte ausgeweitet.
Allerdings ist das Zuger Modell nicht einfach ein plumpes Mengenziel-Verfahren: Insgesamt 40 Punkte können bonusrelevant sein, zum Beispiel Fortbildungs-Aspekte. Andererseits erhalten die Ärzte einen höheren Bonus, je mehr stationäre Austritte sie in einem Jahr erreichen. 
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