Hausarzt: Wird die Dauer des Gesprächs überschätzt?

Wie lange ein Arzt-Patienten-Gespräch dauert, hat kaum einen Einfluss auf die Zufriedenheit und das Vertrauen des Patienten. Dies besagt jetzt eine kleinere britische Studie.

, 20. Dezember 2016, 09:58
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Ein Team vom Centre for Health Services Research (CHSR) der Universität Cambridge wollte herausfinden, welchen Einfluss die Konsultationsdauer beim Hausarzt hat. Und zwar auf Aspekte der Betreuung – und aus Patientensicht. Dazu wurden in 13 britischen Hausarztpraxen 440 Konsultationen per Video dokumentiert. Im Anschluss erfolgte eine Befragung der Patienten.
Das Resultat: Nach Einschätzung der Patienten hatte die Dauer keinen Einfluss auf die Qualität der Kommunikation, das Vertrauen in den Arzt sowie auf die Zuversicht oder die Gesamtzufriedenheit. Das widerspricht Kritikern, die fordern, dass mindestens 15 Minuten nötig seien, um eine zufriedenstellende Primärversorgung zu gewährleisten.

Zwei Minuten länger als in der Schweiz

Auch die Berücksichtigung anderer Faktoren wie Alter, Geschlecht, Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes, Ethnie oder Geschlecht des Arztes änderten an diesem Ergebnis nichts. In künftigen Studien wollen die Forscher nun die Vorteile ausgedehnter Konsultationen, insbesondere bei chronischen Krankheiten oder multimorbiden Patienten unter die Lupe nehmen.
Durchschnittlich wurde eine Dauer von zehn Minuten und 22 Sekunden ermittelt. Der kürzeste Aufenthalt im Sprechzimmer lag bei zwei Minuten; der längste bei über 30 Minuten. Zum Vergleich: In der Schweiz dauert eine durchschnittliche Konsultation 20 Minuten, wie eine Commonwealth-Umfrage gezeigt hatte.
Natasha Elmore, Jenni Burt, Gary Abel, Frances A Maratos, Jane Montague, John Campbell, Martin Roland. «Investigating the relationship between consultation length and patient experience: a cross-sectional study in primary care, in: «British Journal of General Practice», Dezember 2016. 
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