Analyse: Wechselwirkung zwischen Herzerkrankung und Psyche

Herzinsuffizienz kann zu Gefühlen der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit führen. Das erhöhte Stresslevel kann wiederum dazu beitragen, dass sich die Krankheit verschlechtert. Das zeigt die Analyse von mehreren klinischen Studien.

, 3. Februar 2022, 11:15
image
Ob Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz: Herzerkrankungen belasten die Betroffenen stark. Wie aber hängen Herzerkrankungen und Psyche zusammen?
Um den wissenschaftlichen Stand zu dieser Frage am Beispiel der Herzinsuffizienz in einem Positionspapier zusammenzutragen, hat die «European Association of Preventive Cardiology» eine Arbeitsgruppe mit zwölf europäischen Experten eingesetzt – darunter Roland von Känel, Direktor der Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik am Universitätsspital Zürich (USZ).

Psychosoziale Stressfaktoren verschlechtern den Zustand 

Die Analyse von mehreren klinischen Studien habe gezeigt, dass vor allem eine Depression und soziale Isolation den klinischen Zustand der Patienten verschlechtern, schreibt das USZ in einer Medienmitteilung. Dabei habe sich eine Wechselwirkung gezeigt: Die Krankheit selbst führe zu Gefühlen der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Zugleich fördere dieses erhöhte Stresslevel entzündliche und neuro-endokrine Prozesse, die den Körper zusätzlich belasten würden und zu einer weiteren Verschlechterung der Herzinsuffizienz führen könnten.
Der medizinische Verlauf einer Herzschwäche ist in vielen Fällen unvorhersehbar – der Zustand kann sich rasch verschlechtern. Diese Situation und die Ohnmacht ihr gegenüber können für die Betroffenen wie ein Trauma sein. Manche Patienten begegnen dem mit einer kompletten Verleugnung der Realität. 

«Das konnten wir mit unserer Analyse klar aufzeigen»

«Diese Menschen verdrängen die Krankheit, was die Behandlung erheblich erschweren kann», sagt Roland von Känel vom USZ. Umso wichtiger seien in diesem Fall eine psychologische Betreuung mit den entsprechenden Gesprächstechniken. Angesichts der grossen psychischen Belastung der Betroffenen sei eine psychologische Begleitung von Patienten mit einer Herzinsuffizienz aber letztlich in jedem Fall angezeigt: «Das konnten wir mit unserer Analyse klar aufzeigen.» 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Eklat am Unispital Zürich: Das sagt der Spitalrat zu den Vorwürfen im Fall Clavien

Der Star-Chirurg Pierre-Alain Clavien fühlt sich vom USZ rausgeschmissen. Nun reagiert André Zemp, Spitalratspräsident, auf dessen Vorwürfe.

image

Eklat am Unispital Zürich: Star-Chirurg spricht von Rausschmiss

Pierre-Alain Clavien brachte das USZ vom Boden an die Spitze. Nun muss er seinen Platz früher räumen als einst geplant. Der Star-Chirurg spricht von einem Rausschmiss.

image

USZ führt neue Vierer-Leitung für eine Klinik ein

Das Zürcher Unispital probt neue Führungsmodelle: Erstmals überlässt es die Leitung einer Klinik vier Personen.

image

Neue Leitende Ärztin für das Spital Bülach

Irina Giewer wechselt vom Universitätsspital Zürich nach Bülach – als Leiterin Pneumologie.

image

Das sind die neuen Spitalräte der Zürcher Spitäler

In den Spitalräten des Zürcher Unispitals, des Kantonsspitals Winterthur und der Psychiatrie IPW wurde je ein neues Mitglied gewählt.

image

Nun macht auch Team der Uroclinic in Wetzikon mit

Die Urologieabteilungen des Zürcher Unispitals und des GZO Spitals Wetzikon nehmen einen dritten Partner auf: Die Uroclinic Wetzikon.

Vom gleichen Autor

image

«Ich brauchte nach der Pause mindestens drei Jahre»

Daniela Fürer arbeitete rund eineinhalb Jahre als Intensivpflegefachfrau, dann wurde sie Mutter und machte eine lange Pause – bis zum Wiedereinstieg.

image

Quereinstieg Pflege: Hunger auf beruflichen Neubeginn

Der Rucksack von Annette Gallmann und Peter Kienzle ist gefüllt mit allerhand Arbeits- und Lebenserfahrung. Die 47-jährige Gastronomin und der 52-jährige Art Director machen die Ausbildung HF Pflege.

image

Hat das Stethoskop auf Arztfotos seine Berechtigung?

Ärztinnen und Ärzte werden fast immer mit einem Stethoskop um den Hals abgelichtet. Braucht’s das? Und: Ist das medizinische Diagnoseinstrument überhaupt noch zeitgemäss?