Neuer Anlauf für ein digitales Impfbüechli

Für die Weiterentwicklung ihrer jeweiligen Impflösungen arbeiten eHealth Suisse und HCI Solutions zusammen. Dadurch gewinne der Impfausweis im EPD an Mehrwert.

, 12. September 2022, 11:36
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null von: Ed Us on Unsplash
Nur ungern erinnern wir uns ans Debakel von Meineimfpungen.ch zurück, das in der Löschung von 300'000 Nutzerdaten ein unrühmliches Ende nahm.
Nun treibt eHealth Suisse, die Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen, die Nachfolgelösung voran. Vorgesehen ist ein Impfausweis, der ins elektronische Patientendossier (EPD) integriert ist. Für die Umsetzung der Idee arbeitet die Organisation mit der Firma HCI Solutions zusammen, wie eHealth Suisse nun bekannt gab.

Standardisiertes Datenaustauschformat

Beide Parteien würden viele Synergien sehen, da sich die angedachte Integration ins EPD und die Impflösung von HCI Solutions bestens ergänzen würden, heisst es weiter. Das Unternehmen baut aktuell einen Impfcheck, der automatisch Empfehlungen zu zusätzlichen Impfungen abgibt. Die beiden Lösungen würden sich ideal ergänzen, weil beide auf das standardisierte Austauschformat CH-VACD der Standardisierungsorganisation HL7 Schweiz setzen, wie es weiter heisst.
Auf Nachfrage von inside-it.ch schreibt Annatina Foppa, stellvertretende Leiterin von eHealth Suisse, dass CH-VACD der einzige offizielle, offene Standard zur Strukturierung der Impfdaten in der Schweiz ist. «Wir basieren unsere Zusammenarbeit mit Firmen auf der Nutzung dieses Standards. Das Projekt 'Impfausweis im EPD' ist das einzige von der Gesundheitsdirektorenkonfernez (GDK) und Bundesamt für Gesundheit (BAG) getragene Projekt.»

300'000 Franken pro Jahr von der öffentlichen Hand

Das Impfmodul werde den EPD-Stammgemeinschaften als Open Source Java-Applikation zur Verfügung gestellt und nach Inbetriebnahme zunächst für die folgenden vier Jahre gewartet und weiterentwickelt, erklärt Foppa. "Finanziert wird die Entwicklung mit den jährlichen Beiträgen der Kantone an eHealth Suisse, das heisst bis zu 300'000 Franken pro Jahr". Der Betrieb sei dann Sache der Stammgemeinschaften, sagt Foppa. Für den Datenschutz und die Datensicherheit würden dieselben Auflagen wie für das gesamte EPD gelten.
HCI Solutions hatte zuletzt mit einem Konsortium aus Berner Fachhochschule (BFH), der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), PharmaSuisse oder Interpharma eine Mach­bar­keits­studie für einen digitalen Impfausweis veröffentlicht. Es brauche private und öffentliche Investitionen, da der E-Impfausweis den Patientinnen und Patienten gratis zur Verfügung stehen soll, war eine der Forderungen der Autorinnen und Autoren.

EPD ist Voraussetzung, praktisch niemand hat ein EPD

Weil für die Nutzung des vorgesehenen Impfmoduls ein elektronisches Patientendossier Voraussetzung ist, können aktuell nur jeder tausendste Schweizer und jede tausendste Schweizerin profitieren. Je nach Zählweise wurden bis dato erst rund 8'000 EPDs eröffnet.

  • Dieser Beitrag ist zuerst auf dem IT-Nachrichtenportal «Inside IT» erschienen.

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