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Laboranalysen bei Gesunden?

Gesunde Personen wünschen sich immer häufiger einen Check-Up mit Laboruntersuchung. Doch für welche Tests gibt es Evidenz? Was empfehlen die offiziellen Richtlinien und wann ist ein Test angemessen?

, 18. Januar 2024 um 14:19
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Prof. Dr. med. Lorenz Risch, Chief Medical Officer der Dr. Risch-Gruppe
Es bestehen grösstenteils übereinstimmende Meinungen, was als Screening- oder Vorsorge-untersuchung bei gesunden Personen empfohlen werden kann [1,2]. Neben internationalen Empfehlungen ist in der Schweiz das EviPrev-Programm breit abgestützt. Es wird periodisch erneuert und umfasst Empfehlungen zu Beratung, Screening und Labortests, welche insbesondere Risiken für Herz-Kreislauf-, Infektions- und Krebserkrankungen betreffen. Diese werden mit Fokus auf Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen im Folgenden vorgestellt.

Diabetes mellitus

Die Häufigkeit von Diabetes mellitus nimmt zu und führt bei unzureichender Behandlung zu Schädigungen und Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen oder Sehverlust. Insbesondere bei Diabetes mellitus Typ 2 sind die abnormalen Blutzuckerwerte nicht spürbar, sie müssen gemessen werden. Die Richtlinien empfehlen bei Gesunden erste Laboruntersuchungen ab dem Alter von 40 Jahren in 3-jährlichen Abständen. Bei Übergewicht mit einem BMI >25 sollte Diabetes bereits ab 35 Jahren in 3-jährlichen Abständen analysiert werden. Sollten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt sein (z.B. erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutfette, Polycystisches Ovarsyndrom (PCOS)), sind unter Umständen engmaschigere Untersuchungsabstände empfohlen.

Blutfettwerte Cholesterin und Lipoprotein (a)

Erhöhte Blutfettwerte stellen sehr wichtige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Mit einem sogenannten Lipidstatus werden Cholesterin, Triglyceride, HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin bestimmt. Dies sollte bei gesunden Männern erstmalig im Alter von 40 Jahren geschehen, bei Frauen ab 50 Jahren oder nach Eintritt der Menopause. Ab 75 Jahren besteht keine Evidenz mehr, dass die Erhebung des Blutfettstatus noch Vorteile mit sich bringt.
«Erfahrungsgemäss ist ein kritischer Lp(a)-Wert bei bis zu 30 Prozent der gesunden Personen mit erhöhtem Risiko vorhanden.»
Falls bekannte Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck) oder bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung (z.B. Herzinfarkt) aufgetreten sind, sollte die Erhebung der Blutfette bereits vor den oben genannten Altersgrenzen erfolgen. Wichtig ist, dass die Blutfette nicht für sich bewertet, sondern zusammen mit anderen Angaben (Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Blutdruck, Herzinfarkte in der Familie) interpretiert werden. Dazu kann der CE-gekennzeichnete Rechner der Arbeitsgruppe für Lipide und Atherosklerose (AGLA) der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie genutzt werden. Abhängig davon werden Entscheidungen über Therapien oder die Dosierung von Medikamenten getroffen.
Die Europäische Atherosklerose Gesellschaft empfiehlt, einmal im Leben die Bestimmung von Lipoprotein (a) (Lp(a)) vorzunehmen [3]. Beim Lp(a) handelt es sich um einen Herz-Kreislauf-Risikofaktor, welcher – im Gegensatz zum Cholesterin – lebenslang in derselben Konzentration vorhanden ist und medikamentös noch nicht beeinflusst werden kann. Erfahrungsgemäss ist ein kritischer Lp(a)-Wert bei bis zu 30 Prozent der gesunden Personen mit erhöhtem Risiko vorhanden. In solchen Fällen sind die anderen Risikofaktoren (Cholesterin, Blutdruck, Gewicht, Bewegung, Rauchen) optimal einzustellen.
Ein ebenfalls online erhältlicher Rechner stellt die kardiovaskuläre Risikoerhöhung durch einen zu hohen Lp(a)-Wert dar. Er zeigt zudem den Effekt einer variablen Senkung von Blutdruck und LDL-Cholesterin bei einer mitbestimmten Lp(a)-Konzentration. Dies hilft den betreuenden Ärztinnen und Ärzten, die Behandlungsziele für Risikofaktoren differenzierter zu definieren.

Früherkennung von Krebserkrankungen

Mit Analysen lassen sich bei gesunden Personen einige Krebserkrankungen frühzeitig erkennen. Bei familiär unbelasteten Personen ohne Vorerkrankungen des Darms können beispielsweise Dickdarmkrebserkrankungen im Labor gefunden werden. Hierzu empfiehlt sich die immunologische Untersuchung von Blut im Stuhl ab 50 Jahren im 2-Jahresrhythmus. Dies macht jedoch nur Sinn, wenn bei pathologischen Resultaten anschliessend eine Darmspiegelung zur weiteren Klärung durchgeführt wird. Viele Kantone in der Schweiz haben diesbezüglich Screening-Programme etabliert.
Zur Früherkennung von Gebärmutterhalskarzinomen ist bei sexuell aktiven Frauen die Durchführung des PAP-Abstrichs ab 21 Jahren empfohlen, ab 30 Jahren kann eine Testung auf Humane Papilloma Viren (HPV) aus dem Abstrich noch grössere Sicherheit geben. Zu beachten ist, dass die Testung auf HPV momentan noch nicht in den Leistungen der Grundversicherung enthalten ist. Die Untersuchungsintervalle bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskarzinomen richten sich nach der Einschätzung durch gynäkologische Fachpersonen.
Im Moment wird die Früherkennung von Prostatakrebs mittels PSA-Bluttest wohl am kontroversesten diskutiert. Die EviPrev-Guidelines [1] empfehlen, bei Männern ohne Risikofaktoren im Alter von 50-69 Jahren alle 1-2 Jahre einen PSA-Test durchzuführen. Dies unter der Voraussetzung, dass die ärztliche Fachperson in einem sogenannten «Shared decision making» Vorteile und Grenzen der Testung, Nebenbewirkungen, Untersuchungen und Behandlungen verständlich kommuniziert und Patientenpräferenzen einbezieht. Bei erhöhtem Risiko für Prostatakrebs (Männer mit Prostatakrebs bei einer erstgradig verwandten Person im Alter von weniger als 65 Jahren sowie Männer afroamerikanischer Herkunft) ist ein gezieltes PSA-Screening ebenfalls ab 50 Jahren oder 10 Jahre vor dem Alter, an dem der Verwandte erkrankt ist, empfohlen.

Konklusion – less is more

Diese Zeilen verdeutlichen, dass es mit einer kleinen Anzahl an Labortests möglich ist, bei Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen wirksam Prävention bei Gesunden zu betreiben. Somit gilt auch bei gesunden Personen in Bezug auf das Spektrum präventiver Labortests: Less is more. Wichtig ist aber, dass diese Tests konsequent angewendet werden, um ihre präventive Wirkung entfalten zu können. Dies gilt je nach Situation auch für Infektionserkrankungen (z.B. Hepatitis und sexuell übertragbare Infektionen), welche in diesem Artikel nicht berücksichtigt wurden. Das EviPrev-Programm hält hierzu ebenfalls Empfehlungen bereit. Abschliessend ist festzuhalten, dass Wissen auch im Bereich der Prävention dynamisch ist und sich die Praxis mit der Zeit ändern kann.
Bei Fragen steht die Kundenberatung von Dr. Risch gerne zur Verfügung.
Über die Dr. Risch-Gruppe
Die Dr. Risch-Gruppe gehört mit rund 650 Mitarbeitenden zu den führenden Dienstleistern der Labormedizin in der Schweiz und in Liechtenstein. Sie bietet ein exzellentes Analysen- und Dienstleistungsspektrum, das sämtliche Bereiche der modernen Labormedizin abdeckt. Mit ihren
24 Standorten und bewährten digitalen Services stellt die Gruppe rund um die Uhr eine zuverlässige, regionale Laborversorgung für Kliniken, Ärztinnen und Ärzte, Arztpraxen sowie weitere Akteure aus dem Gesundheitswesen sicher. Das 1970 von Dr. Gert Risch gegründete Unternehmen ist eines der wenigen führenden medizinischen Labore, das bis heute als Familienunternehmen von Ärzten geleitet wird. 2011 übernahmen Prof. Dr. med. Lorenz Risch und Dr. med. Martin Risch in zweiter Generation die Leitung der Dr. Risch-Gruppe.
Referenzen
  1. Unisanté. EVIPREV Empfehlungen 2023. Abgerufen am 25.11.2023
  2. Chmiel C, Huber F, Beise U. Check-up, revidierte Fassung vom Juni 2023. Abgerufen am 25.11.2023)
  3. Kronenberg F, Mora S, Stroes ESG, et al.: Lipoprotein(a) in atherosclerotic cardiovascular disease and aortic stenosis: a European Atherosclerosis Society consensus statement. Eur Heart J. 2022 Oct 14;43(39):3925-3946.
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