Krebstherapie: Unispital Zürich setzt neu auf einen Bluttest

Als erstes Spital der Schweiz, verwendet das USZ in der individuellen Krebstherapie einen Bluttest. Davon profitieren Personen mit einer Tumorerkrankung, bei denen eine Biopsie nicht möglich ist.

, 3. April 2023 um 07:22
image
Für Patienten mit einer Tumorerkrankung, bei denen die Entnahme der dafür nötigen Gewebeprobe nicht möglich ist, steht jetzt am Universitätsspital Zürich (USZ) erstmals ein Bluttest zur Verfügung. | zvg
Die Forschung und die Behandlungsmöglichkeiten haben in den letzten Jahren bei vielen Arten von Krebserkrankungen enorme Fortschritte gemacht. Als hochwirksam erweisen sich Therapieformen der personalisierten Medizin.
Ausgangspunkt der personalisierten Therapien ist eine molekularbiologische Analyse der Krebszellen (molekulares Tumorprofiling). Sie gibt den behandelnden Ärztinnen und Ärzten Informationen darüber, welche Therapie im individuellen Fall die höchste Wirksamkeit erzielen kann.

Biopsie nicht immer möglich

Für dieses molekulare Tumorprofiling im Labor ist eine Gewebeprobe des Tumors, eine Biopsie, nötig. Die Biopsie aus einem Tumor erfolgt in der Regel über eine feine Hohlnadel unter lokaler Betäubung.
Dieser Eingriff ist für den Patienten eine Belastung; in seltenen Fällen kann er sogar zu Komplikationen führen. Oft ist ein solcher Eingriff aber auch nicht möglich, weil der Tumor nicht erreicht werden kann oder es der gesundheitliche Zustand des Patienten nicht zulässt.
Bei diesen Patientinnen und Patienten konnte bisher kein Tumorprofiling durchgeführt werden – sie hatten deshalb keinen Zugang zu einer gezielten, personalisierten Therapie.

Premiere am USZ

In den letzten Jahren wurde an innovativen Methoden geforscht, um die genomischen Veränderungen des Tumors aus der im Blut vorhandenen DNA nachzuweisen (Liquid Biopsy).
Als erste Schweizer Institution bietet das Institut für Pathologie und Molekularpathologie am USZ nun einen auf der Liquid Biopsy basierenden Test an.
«Damit kann eine Patientengruppe von einer im Idealfall hoch wirksamen und lebensrettenden Therapie profitieren, zu der sie bisher keinen Zugang hatte», lässt sich Martin Zoche, wissenschaftlicher Abteilungsleiter am Institut für Pathologie und Molekularpathologie, in einer Medienmitteilung zitieren.
Das sei ein grosser Fortschritt, «gerade weil wir schon häufig Erfolge mit personalisierten Therapien erlebt haben.»

Bluttest löst Biopsie nicht ab

Die Aussagekraft des Tests im Blut ist ähnlich gut wie ein Tumorprofiling der Gewebeprobe. Allerdings wird der Bluttest laut USZ die herkömmliche molekulare Untersuchung der Gewebebiopsie in absehbarer Zeit aber nicht ablösen.
Für die Klassifizierung des Krebses und die weiterführende Diagnostik sei eine Gewebeprobe weiterhin nötig. Dank des Bluttests sollen künftig weniger Gewebeentnahmen erforderlich sein.
  • spital
  • forschung
  • krebs
  • universitätsspital zürich
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Hirslanden: Umbau an der Spitze – näher zu den Regionen

Hirslanden-Zürich-Direktor Marco Gugolz zieht als Regional Operations Executive in die Konzernleitung ein.

image

Was geschieht mit dem Spital Thusis?

Die Stiftung Gesundheit Mittelbünden sucht Wege aus der finanziellen Krise – beraten von PwC. Ein Entscheid soll im Herbst fallen.

image

CSEB: «Herausfordernd, aber zufriedenstellend»

Trotz roten Zahlen und leicht rückläufigen Patientenzahlen gibt sich das Center da sandà Engiadina Bassa optimistisch.

image

Spital STS: Hohe Patientenzahlen bewahren nicht vor Verlust

Sowohl stationär als auch ambulant gab es bei der Spitalgruppe Simmental-Thun-Saanenland 2023 einen Zuwachs.

image

Spital Lachen bricht Neubau-Projekt ab

Nun soll saniert statt neu gebaut werden – aus finanziellen Gründen, aber auch wegen der Flexibilität.

image

Spitalzentrum Biel: Sehr rote Zahlen wegen Sonderabschreiber

Andererseits war 2023 ein Wachstumsjahr für die SZB-Gruppe, es gab einen Rekordwert bei den Patientenzahlen. Und die dynamische Entwicklung setze sich 2024 fort.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.