Klimawandel macht deutschen Ärzten am meisten Sorgen

Deutsche Ärzte sorgen sich ums Klima und sind eifrige Spender. Das zeigt eine Umfrage dazu, wie Mediziner mit sozialen Problemen umgehen.

, 30. November 2022, 09:07
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Viele gesellschaftliche Probleme wie Rassismus, Sexismus oder Drogenmissbrauch wirken sich offenbar wenig auf den Arbeitsalltag von deutschen Ärztinnen und Ärzten aus. Das zeigt eine Umfrage des deutschen Gesundheitsportals «Medscape».
Trotzdem gibt es zwei grosse Themen, welche die Ärzte in unserem Nachbarland besonders beschäftigen: Der Klimawandel und die Qualität der Gesundheitsversorgung.

Mehr Krankheiten befürchtet

Je drei Viertel der Befragten bezeichneten diese beiden als Hauptprobleme der Gesellschaft. Beim Klimawandel fürchten die Ärzte vor allem dessen Folgen, etwa die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und mehr Wetterextreme.
Das zweite grosse Problem für die Ärztinnen und Ärzte ist die Qualität der Gesundheitsversorgung: Sie sehen sich in der Zwickmühle. Es gebe immer mehr Sparmassnahmen und trotzdem möchten sie die Patienten bestmöglich behandeln.

Ärzte sind gerne wohltätig

Wenn sich Ärztinnen und Ärzte gegen soziale Ungerechtigkeit auflehnen, tun sie das am häufigsten, indem sie wohltätige Organisationen unterstützen. Fast 40 Prozent haben zudem schon selber ehrenamtlich in einer Organisation mitgearbeitet, welche Benachteiligten hilft.
Ein Viertel ist auch schon an Kundgebungen auf die Strasse gegangen. Was hingegen die wenigsten – nur 18 Prozent – machen ist, ihren Frust auf Facebook und Twitter zu äussern.

Was läuft schief?

80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Covid-19 das Gesundheitswesen zusätzlich verschlechtert habe. Eine Gefässchirurgin kritisierte konkret die «völlig übertriebene und verfehlte Politik».
Im ersten Lockdown hätten Patienten Angst gehabt, zum Arzt zu gehen, Krebsoperationen seien verschoben worden und «das Krankenhauspersonal hat sich totgeputzt», so die Ärztin im Originalton.

Das Drogenproblem - bei den Kollegen

Erstaunlich ist, dass viele Befragten Drogenmissbrauch als gesellschaftliches Problem erwähnen, dieses aber keineswegs nur als Problem ihrer Patienten sehen. Ein Drittel der Befragten geht davon aus, dass Kollegen und Kolleginnen Drogen nehmen und dies Probleme bei der Arbeit verursache. In der Pandemie sei der Konsum gestiegen, vermuten vor allem die Jüngeren.
An der Umfrage haben 900 Personen teilgenommen.
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