Hunde-Helfer auf der Palliativstation

Der Nutzen von tiergestützten Therapien im Palliativ-Bereich ist wissenschaftlich belegt. Ein Interview mit Danielle Buchmann vom Spital Uster über das «Projekt Wendy».

, 15. September 2023 um 11:38
letzte Aktualisierung: 27. März 2024 um 07:04
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Therapiehündin Wendy ist einmal wöchentlich auf der Palliativstation des Spitals Uster im Einsatz. | zvg
Tiere im Spital? Was auf den ersten Blick nicht so recht zusammenpassen mag, erweist sich in der Praxis oft als Lichtblick für schwerkranke Patientenen. Dabei sind die positiven Auswirkungen von tiergestützten Therapien wissenschaftlich belegt.
Danielle Buchmann ist Leiterin Pflegeentwicklung und Dienste am Spital Uster und hat das «Projekt Wendy» mitlanciert.
Frau Buchmann, weshalb braucht es einen Hund auf der Palliativstation? Hunde haben durch ihre Zuneigung und Wärme einen positiven Einfluss auf viele Menschen. Gerade im Einsatz auf Palliativstationen können Therapiebegleithunde in schwierigen Situationen Trost spenden. Die Patienten können die Hunde streicheln, ihre Zuwendung geniessen, mit ihnen sprechen oder sie einfach nur beobachten.
Sind solche Tiertherapien im Gesundheitswesen bereits etabliert? Solche speziell ausgebildeten Therapiebegleithunde, die über gewisse charakterliche Voraussetzungen verfügen müssen, sind im Gesundheitswesen schon länger im Einsatz. Die Therapieform bewährt sich schon seit vielen Jahren und es gibt wissenschaftliche Evidenz, dass Therapietiere in der Palliativsituation einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität haben können.
Welche Rückmeldung bekommen Sie von den Patienten und vom medizinischen Personal? Die Reaktionen unserer Patienten auf der Palliativstation sind sehr positiv. Es ist von grossem Wert, Menschen in dieser schwierigen Lebenssituation eine Freude zu bereiten und für einen kleine Moment Ablenkung zu verschaffen. Auch bei den Pflegefachpersonen, Ärzte sowie weiteren Diensten löst Wendy regelmässig Freude aus.
«Therapietiere können in der Palliativsituation einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität haben.»
Welche Anforderungen werden an das Tier und dessen Halter gestellt? Die Halterin musste mit Wendy eine offizielle Therapiehundeprüfung machen. Hier wurde unter anderem geprüft, wie sich der Hund in stressigen oder unvorhersehbaren Situationen verhält und wie gut er mit Menschen umgehen kann. Durchschnittlich einmal pro Woche besucht Wendy nun die Patienten auf der Palliativstation.
Ein Hund im Spital – wie steht es da um Hygienemassnahmen? Therapiehunde stehen unter strenger tierärztlicher Kontrolle und werden vor einem Besuch im Spital durch Fellpflege und Reinigen der Pfoten sorgfältig vorbereitet. Sämtliche hygienerelevanten Themen sind mit der Spitalhygiene im Vorfeld geprüft und definiert worden. Im Weiteren wird im Voraus geklärt, welche Patienten auf der Palliativstation besucht werden können. Personen, die allergisch auf Tierhaare reagieren oder sich vor Hunden fürchten, werden nicht berücksichtigt.
Tiere im Spital sind bislang verboten. Könnte es hier in Zukunft Lockerungen geben? Grundsätzlich ist der Aufenthalt von Tieren ist im Spital nicht erlaubt. Allerdings kann unter strengen Voraussetzungen eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden, etwa bei Begleithunden im ambulanten und stationären Bereich, Therapiehunden auf der Palliativstation oder für ein Abschiednehmen vom Haustier in palliativen Situationen.
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