Elektrische Chemotherapie sorgt im Kantonsspital Winterthur für Hoffnung

Als erstes Spital in der Schweiz behandelt das Kantonsspital Winterthur Wirbelmetastasen mit der neuartigen Elektrochemotherapie.

, 8. Dezember 2022 um 10:51
image
Das Kantonsspital Winterthur zählt weltweit zu den wenigen Spitälern, die eine elektrische Chemotherapie anbieten. | KSW
Krebspatientinnen und -patienten laufen im fortgeschrittenen Stadium ihrer Krankheit manchmal Gefahr, dass ihr Rücken von Metastasen befallen wird. Solche Tumore werden primär mit neurochirurgischen Operationen und/oder Bestrahlungen behandelt. Kommt es zu Rückfällen, drohte den Erkrankten bislang eine Querschnittslähmung.
«Mit der Elektrochemotherapie haben wir nun eine Methode, mit der wir solche schwer zu behandelnden Tumore therapieren und den Patientinnen und Patienten ein gutes Stück Lebensqualität bewahren können», wird Arash Najafi in der Medienmitteilung zitiert.

Erste positive Resultate

Der stellvertretende Leitende Arzt für Interventionelle Onkologie an der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin ergänzt: «Das KSW ist eine der wenigen Kliniken weltweit, und die erste in der Schweiz, die diese Therapie bei spinalen Metastasen durchführt.» Man befinde sich zwar noch im experimentellen Stadium, bislang seien jedoch sehr hoffnungsvolle Resultate erzielt worden.
«Nach unserem bisherigen Wissensstand kann ein Grossteil der Querschnittslähmungen damit verhindert werden. Interessant ist dabei, dass die Therapie bei einem erneuten Rückfall wiederholt werden kann.»

So geht's

Bei der elektrischen Chemotherapie werden die Poren der Zellmembran eines Tumors mit intensiven elektrischen Impulsen geöffnet und vorübergehend für Medikamente, die sonst eine Zellmembran nicht durchdringen könnten, durchlässig gemacht. Die Chemotherapeutika werden dabei in einer sehr hohen Konzentration initiiert und die Krebszellen so von innen her zerstört.

Lebensqualität wird verbessert

«Die Elektrochemotherapie wirkt wie eine lokale, hochdosierte Chemotherapie», führt Arash Najafi aus. «Wir setzen sie nur ein, wenn eine Operation oder eine Bestrahlungstherapie nicht mehr in Frage kommen.»
Konkret betrifft es Patienten, die sich in einem palliativen Stadium befinden und nicht mehr auf eine vollständige Heilung ihrer Grunderkrankung hoffen können. «Gerade in einer solch schwierigen Phase ist es für die Patienten besonders wichtig, dass sie so lange als möglich selbstbestimmt bleiben und eine bestmögliche Lebensqualität bewahren können.»
In der Schweiz rechnet man mit 50 bis 100 Patienten pro Jahr, die mit der elektronischen Chemotherapie behandelt werden können.

Erstes Schweizer Spital mit IASIOS-Zertifikat

2021 hat die Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin laut Angaben das Kantonsspitals Winterthur als erste Institution der Schweiz das IASIOS-Zertifikat für interventionelle Onkologie erhalten.
Das spezialisierte Expertinnen- und Experten-Team wendet unter Leitung von Christoph Binkert moderne minimalinvasive Therapiemethoden an und bietet eine Expertise, die man sonst nur in den renommiertesten Spitälern findet.
«Mit unserem breiten Behandlungsspektrum sind wir am Puls der Zeit und können hinsichtlich Qualität international problemlos mithalten», so Arash Najafi.


  • spital
  • krebs
  • chemotherapie
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Klinik Hirslanden: Philippe Diserens neu im Management

Der Gesundheitsökonom übernimmt die Leitung des Performance Management.

image

Behandlungsrekord am Kantonsspital Baden

Mehr stationäre Patienten, eine Zunahme der ambulanten Konsultationen, weniger Notfälle – und mehr Benefits für die Angestellten.

image

KSGL: «Wir wollen üsärs Spital retten!»

Die Personalkommission des KSGL stellt sich hinter ihr Spital und kritisiert das Vorgehen des SBK.

image

Gewalt im Spital: Es betrifft nicht nur den Notfall

Und die Lage ist am Wochenende keineswegs besonders kritisch. Eine grosse Datenauswertung in den USA setzt neue Akzente.

image
In eigener Sache

«Wir schliessen eine Lücke im Zuweisermarketing»

Seit Januar arbeiten Medinside Jobs und just-medical! zusammen. Fürs Zuweisermarketing entsteht eine starke Kommunikations-Drehscheibe. Was sie bietet, sagt Stephan Meier-Koll, Head of Sales Medinside.

image

Auch NZZ bemängelt die heutigen Spital-Zusatzversicherungen

«Spitäler und Kassen schröpfen ihre Luxuspatienten», so eine Einschätzung dort. Das Geschäftsmodell mit den Zusatzversicherungen gerät ins Wanken.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.