Unispital: «Francesco Maisano hat nie Patienten gefährdet»

Das Universitätsspital Zürich bestätigt offiziell: Francesco Maisano hat weder aus Eigeninteressen Implantate eingesetzt noch daraus finanzielle Vorteile erlangt.

, 9. März 2021 um 13:10
image
Nach mehr als einem Jahr Untersuchungen zeigt sich erneut: Die Vorwürfe des «Whistleblowers» gegen Francesco Maisano waren praktisch alle unzutreffend. Der ehemalige Leiter der Herzchirurgie hat nie aus Eigeninteresse und gegen die Interessen seiner Patienten Implantate eingesetzt, und diese auch nie zu Unrecht als letzte Behandlungsmöglichkeit dargestellt. Dies teilt das Universitätsspital Zürich (USZ) am Dienstag mit, gestützt auf umfangreiche interne und externe Untersuchungen.
Das Zürcher Unispital be­stätigt damit im Wesentlichen die Erkenntnisse aus dem ersten Untersuchungsbericht, der Maisano von den gravierenden Vorwürfen bereits entlastet hat. «Die später zusätzlich vorgebrachten Vorwürfe erwiesen sich hingegen als falsch und unbegründet», ist in der Mitteilung zu lesen. Das Spital und Maisano haben sich im Verlauf der Untersuchung im September 2020 bereits einvernehmlich getrennt.

Mängel im administrativen nichtklinischen Bereich

Damit ist klar, dass Francesco Maisano durch den Einsatz dieser Implantate auch keine direkten finanziellen Vorteile erlangt hat. Dies wurde dem Klinikdirektor der Herzchirurgie über Monate vorgeworfen. Die Untersuchung ergab auch keine Hinweise auf eine Gefährdung von Patienten, wie das Unispital weiter bestätigt. Widerlegt wurde zudem der Verdacht, es sei in den untersuchten Fällen zu Manipulationen der Patientendokumentation gekommen.
Doch wer sucht, der findet: Einzig im administrativen nichtklinischen Teil seiner Tätigkeit habe sich gezeigt, dass die Patientendokumentation in der Herzklinik zum Teil Mängel aufwies, zum Beispiel in Bezug auf die durchgeführten Aufklärungsgespräche. Ebenso wurden Gesuchsstellungen an die Behörden nicht immer mit der erforderlichen Sorgfalt vorgenommen, wie aus dem Gutachten im Schlussbericht weiter hervorgeht. Bestätigt hat sich indes auch, dass Interessenkonflikte von Maisano zwar gemeldet wurde, aber vom Herausgeber der Publikation nicht gedruckt wurden. 

Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Jede Notfall-Konsultation kostet 460 Franken

Notfallstationen werden immer öfter besucht. Eine Obsan-Studie bietet nun Zahlen dazu. Zum Beispiel: 777'000 Personen begaben sich dreimal in einem Jahr auf den Spital-Notfall.

image

Pharmagelder 2024: Zuwendungen an Schweizer Ärzte steigen leicht

2024 erhielten Ärzte, Spitäler und Fachgesellschaften zusammen 262 Millionen Franken – 16 Millionen mehr als im Jahr davor.

image

Ob FaGe, Apotheker, Physio oder Chefärztin: Das verdient man im Gesundheitswesen

Wie steht es um Ihr Gehalt? Hier finden Sie die Standard-Monatslöhne der wichtigsten Berufe in der Gesundheitsbranche.

image

Die 10-Prozent-Illusion der Schweizer Spitäler

Eine Betriebsrendite von zehn Prozent galt lange als Überlebens-Formel für Akutspitäler. Womöglich ist dieser Richtwert zu tief. Die Beratungsfirma PwC fordert mehr Effizienz – die Spitäler höhere Tarife.

image

Universitätsmedizin bleibt Männersache – trotz Lippenbekenntnissen

In der Westschweiz liegt der Frauenanteil in Top-Arztpositionen höher als in der Deutschschweiz. Eine neue Auswertung der Universitätsspitäler zeigt regionale Unterschiede – und ein nach wie vor tiefes Gesamtniveau bei den Spitzenpositionen.

image

Auf dem richtigen Weg

Der Markt für Krankenhaus-Informationssysteme (KIS) befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Die aktuellen Trends und Herausforderungen der Branche sowie die Erwartungen der Kliniken beleuchtet Dirk Müller, Director Product Management CIS4U bei Dedalus HealthCare.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.