Pflege: Die Gefahren der Nachtschicht

Neue Daten von tausenden Pflegefachfrauen besagen: Wer Kunstlicht ausgesetzt ist, trägt ein deutlich höheres Brustkrebs-Risiko.

, 1. September 2017 um 06:46
image
  • pflege
  • forschung
  • onkologie
Wenn Frauen in der Nacht arbeiten, riskieren sie, eher an Brustkrebs zu erkranken – und diese gilt insbesondere für jüngere Frauen: Dies besagt eine Gross-Studie unter Nurses, die nun unter Leitung der Harvard University veröffentlicht wurde.
Konkret nahmen Epidemiologen um Peter James die Gesundheitsdaten von 109'700 amerikanischen Pflegerinnen, die im Zeitraum zwischen 1989 und 2013 erhoben worden waren. Dann eruierten sie einerseits, wer mit einer Brustkrebsdiagnose konfrontiert wurde – und andererseits, wie sehr all diese Frauen in der Nacht künstlichem Licht ausgesetzt waren. Konkret brachten sie dabei die Wohnlage der Frauen jeweils in Bezug zur nächtlichen Licht-Exposure dieser Wohngegend – erhoben per Satellit.
image
Verteilung der nächtlichen Licht-Intensität in den USA | Bild: aus der Studie


Das Ergebnis war klar: Jene Pflegefachfrauen, die an Orten mit viel nächtlichem Kunstlicht wohnten, wurden relativ häufiger von Brustkrebs betroffen. Konkreter: Bei jenem Fünftel, welches die stärkste Licht-Exposure hatte, war das Risiko einer Brustkrebserkrankung laut den nun erhobenen Daten um einen Fünftel höher als im Schnitt.

Korrelation auch bei Nachtschichten

Die Kernaussage hielt auch der Überprüfung beziehungsweise Heraus-Rechnung diverser anderer Risikofaktoren stand. Besonders eng war die Beziehung bei jungen Frauen, das heisst: Hier könnte das nächtliche Kunstlicht besonders stark zum Risko werden.
Die Kernthese lautet also: Wer beispielsweise in den Neonlichtern der Grossstadt wohnt, könnte eher von Brustkrebs betroffen sein als Menschen, die auf dem (dunkleren) Land leben. Und: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Kunstlicht und Krebsgefahr.
Genau darum ging es dem Team um Peter James ganz allgemein; die Satelliten-Verortung des Wohnortes war einfach eine Methode, um die Kunstlicht-Exposure der Frauen zu erfassen. Aber auch jene Nurses, die in der Grunderhebung angaben, Nachtschichten zu leisten – ihr Anteil lag bei 42 Prozent – hatten ein signifikant grösseres Brustkrebs-Risiko.

Die Melatonin-These

Damit werden hierhier andere Studien erhärtet, die bereits in den letzten Jahren für Frauen, die in der Nacht arbeiten, eine höhere Gefahr für Brustkrebs angedeutet hatten (siehe dazu hier und hier). Vor allem ist die neue US-Studie sehr gross und – was besonders wichtig ist – sie dreht sich voll und ganz um Pflegekräfte.
Offen bleibt nun der eigentliche Grund der erhöhten Gefahr durch Kunstlicht. Eine These, die sich zuvor bereits aus Tierversuchen andeutete, verweist auf das Melatonin: Das Hormon könnte einerseits tumorbremsende Wirkungen haben; andererseits aber wird seine Bildung gehemmt, wenn man im Kunstlicht lebt. 


Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Pflegeinitiative: SBK gegen Medienberichte

Zwei Milliarden jährlich für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege? Nach Meldungen über Milliardenkosten wegen der Pflege-Initiative warnt der Personalverband SBK vor einer verzerrten Debatte.

image

Neue Geschäftsleitung im Pflegezentrum Lindenfeld Suhr

Mit dem Umbau reagiert das Aargauer Zentrum auf digitale Neuerungen, komplexere Krankheitsbilder und Fachkräftemangel.

image

Krankenkassen müssen pflegende Angehörige weiterhin bezahlen

Obwohl Krankenkassen und Gemeinden mehr Kosten befürchten, findet der Bundesrat: Pflegende Angehörige sollen eine bezahlte Anstellung erhalten.

image

Empa-Forschende entwickeln selbsthaftende künstliche Hornhaut

Forschende der Empa und der Universität Zürich haben eine künstliche Hornhaut entwickelt, die künftig Spendergewebe ersetzen könnte.

image

Pflegeinitiative: Kommission drückt aufs Tempo

Mit nur einer Stimme Mehrheit spricht sich die nationalrätliche Gesundheitskommission für eine attraktivere Passerelle von HF zu FH aus.

image

Clever statt teuer: Neue Wege für die Pflege

Die zweite Etappe der Pflegeinitiative lässt sich stemmen – auch ohne höhere Prämien oder mehr Steuergeld. Wenn man bereit ist, über den Tellerrand zu schauen. Denn der Staatshaushalt hätte Spielraum.

Vom gleichen Autor

image

Spital heilt, Oper glänzt – und beide kosten

Wir vergleichen das Kispi Zürich mit dem Opernhaus Zürich. Geht das? Durchaus. Denn beide haben dieselbe Aufgabe: zu funktionieren, wo Wirtschaftlichkeit an Grenzen stösst.

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.