Sie könne leider keine Patientinnen mehr untersuchen, die über 110 Kilo wiegen: Das teilte die Freiburger Frauenärztin Ludmila Moncilli einer langjährigen Patientin mit. Der Grund: Nach der letzten Untersuchung sei der Gynäkologie-Stuhl blockiert gewesen.
Reparatur selber bezahlt
Sie habe ihn für 2500 Franken reparieren lassen müssen, erklärte die Frauenärztin jüngst gegenüber dem Westschweizer Konsumentenmagazin «Bon à Savoir». Die Kosten habe sie selber übernehmen müssen, da keine Versicherung gezahlt habe.
Sie räumte ein, dass der Stuhl eigentlich mit 180 Kilo belastbar sei. Doch habe sie zwei weitere Geräte daran befestigt: Ein Kolposkop mit Kamera zur Scheidenspiegelung und ein Lasergerät zur Gewebestraffung der Scheidenwände. Die beiden Geräte wiegen offenbar zusammen 70 Kilo und führten dann zu Überlastung.
Ans Kantonsspital verwiesen
Der Frauenärztin tut es leid, die Patientin nicht mehr behandeln zu können. Sie könne aber deren Sicherheit nicht garantieren und habe sie deshalb ans Kantonsspital verwiesen, wo belastbarere Stühle vorhanden seien.
Müssen Gynäkologen künftig darauf achten, dass sie einen Untersuchungsstuhl kaufen, der auch Lasten von 250 Kilo aushält, damit sie schwere Patientinnen behandeln können?
Nur wenige übergewichtige Patientinnen
«Stark übergewichtige Frauen sind selten», sagt der Gynäkologe Thomas Eggimann, der gleichzeitig auch Generalsekretär des Verbands Gynécologie Suisse (SGGG) ist. «Ich habe ein paar wenige Patientinnen, die zwischen 130 bis 150 Kilo wiegen», sagt er.
Eggimann empfiehlt eine Mindesttragkraft von 150 Kilo. Denn in der Bevölkerung sei Übergewicht immer noch am Zunehmen. Ausserdem könnten dann auch weitere Geräte am Stuhl befestigt werden, ohne dass dieser gleich überlastet sei. Thomas Eggimanns Stuhl trägt mindestens 180 Kilo.
Ein Einzelfall
Dass Gynäkologie-Stühle generell häufig kaputt gehen und Schwächen haben, glaubt der SGGG-Generalsekretär nicht. «In der Regel funktionieren sie über Jahre einwandfrei und sind wartungsfrei», versichert er gegenüber Medinside.