In der Romandie entsteht ein neues Onkologie-Netzwerk

Tumor Boards quer durch alle Kliniken: Durch neue Zusammenarbeits-Formen soll die Hochspezialisierte Medizin quasi in der Anwendung verbreitert werden.

, 28. September 2016 um 11:57
image
  • forschung
  • onkologie
  • waadt
Die Behandlung von Krebskranken bedingt heute die Zusammenarbeit von zahlreichen Spezialisten und Kompetenzen, wobei regelmässig auch Institutionen der Hochspezialisierten Medizin angegangen werden müssen. In diesem Spannungsbogen zwischen Grundversorgung und universitärer Spitzenmedizin erarbeiten nun diverse Kräfte im Waadtland eine neue Ordnung und neue Abläufe. 
Auf Initiative von Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard haben die kantonalen Fachgesellschaften der Hämatologen, Onkologen, Radio-Onkologen, Infektiologen und Pathologen zusammen mit dem Lausanner Unispital CHUV ein Kooperationsmodell entwickelt. 
Die Zusammenarbeit wurde jetzt zwischen CHUV und der kantonalen Ärztegesellschaft SVM vertraglich besiegelt.

Sequenzierungen für alle

Was heisst das konkret? Unter Aufsicht einer gemeinsamen Kommission wird es den Ärzten ermöglicht, die Therapiepläne in interdisziplinären Tumor Boards zu diskutieren, die teils auch in regionalen Spitälern angesiedelt sind. 
Stets sollen dabei Gewebeproben der Patienten für die beteiligten Experten greifbar sein, um besser individuelle Therapien entwickeln zu können. Ein wichtiges Ziel ist es dabei beispielsweise, wo immer nötig mittels Hochdurchsatz-Sequenzierungen die individuelle Krebserkrankung sehr präzise bestimmen zu können.
Das Netzwerk verbindet die Onkologie-Abteilungen des CHUV mit allen niedergelassenen Onkologen des Waadtlandes, ferner mit den Fach-Belegärzten in den Privat- und Regionalspitälern und der Fachgesellschaft der Onkologen.

50 Patienten, erste Ergebnisse

In einer Pilotphase wurden die Genome der Tumore von 50 Patienten sequenziert. Wie die Ärztegesellschaft SVM mitteilt, hätten es dabei gewisse vorläufige Ergebnisse therapeutische Methoden und Wirkungen erlaubt, und dies bei Patienten, die nicht mehr auf klassische Behandlungsmethoden angesprochen hatten.
Ab Oktober sollen nun die Molekular-Tumor-Boards systematisch installiert werden. Ziel ist es, das ganze Projekt rasch über die ganze Romandie auszubreiten und insbesondere die Universitäten von Lausanne und Genf zu integrieren.
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Millionen ERC-Grant für Basler Augenforscher

Bence György vom IOB in Basel erhält einen ERC-Grant über rund zwei Millionen Euro, um Gen-Editierungstherapien gegen Sehverlust weiterzuentwickeln.

image

Jetzt definitiv: Sparhammer im Waadtländer Gesundheitswesen

Nach einer mehrstündigen Debatte beschloss das Kantonsparlament in Lausanne, dass Regionalspitäler, Gesundheitszentren, Pflegeheimen und Angehörigenpflege zu sparen.

image

Stimme erkennt Unterzuckerung – Handys könnten bald beim Diabetes-Management helfen

Die menschliche Stimme verrät frühe Anzeichen einer Hypoglykämie. Das zeigen Forschende aus Bern – und erklären, wie Smartphones das Diabetesmanagement sicherer und einfacher machen könnten.

image

Waadt: Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz tritt zurück

Die Vorsteherin des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Waadt hört nächstes Frühjahr auf – aus gesundheitlichen Gründen und mangels Rückhalt in der Partei.

image

Neue Generaldirektorin für die Clinique de La Source

Die Intensivmedizinerin Carlotta Bagna übernimmt im Januar 2026 die Leitung der Privatklinik in Lausanne

image

ETH Zürich: Mikroroboter bringt Medikamente direkt ins Gehirn

ETH-Forschende haben einen magnetisch steuerbaren Mikroroboter entwickelt, der auch in komplexe Gefässstrukturen vordringt. Das System bringt Medikamente präzise an den Zielort – und löst sich danach auf.

Vom gleichen Autor

image

Ein Urteil, das die Temporärarbeit im Gesundheitswesen verändern könnte

Ein Entscheid des Zuger Obergerichts beschäftigt Temporärfirmen: Wer Personal über Pools vermittelt, muss Bereitschaftszeiten vergüten und strengere Formvorschriften einhalten.

image

Spital heilt, Oper glänzt – und beide kosten

Wir vergleichen das Kispi Zürich mit dem Opernhaus Zürich. Geht das? Durchaus. Denn beide haben dieselbe Aufgabe: zu funktionieren, wo Wirtschaftlichkeit an Grenzen stösst.

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.