Kein Zweifel: Gut tönen tut es. Ein Team von rund 25 Forschern gab in den USA bekannt, einen sehr spezifischen Test entwickelt zu haben, bei dem sich acht verschiedene Krebsarten auf einmal entdecken lassen. Konkret handelt es sich dabei um ebenso häufige wie gefürchtete Krebs-Ausprägungen an Leber, Magen, Pankreas, Speiseröhre, Darm, Lunge, Eierstöcken und Brust.
Hinter der dazu veröffentlichten Studie – greifbar in «Science» – stehen Vertreter von so renommierten Einrichtungen wie dem Johns-Hopkins-System, der Mayo-Klinik, dem Ludwig-Center, dem Sloane-Kettering-Krebszentrum sowie diverser Universitäten.
Dadurch, dass der Test durchs Erkennen von DNA-Mutationen, -Bruchstücken und Proteinelementen einen Verdacht wecken kann, ist er viel weniger invasiv als bisherige Verfahren zur Krebsdiagnose. Und wenn der «CancerSEEK» genannte Test tatsächlich für rund 500 Franken machbar wäre, wie die
Johns-Hopkins-Kliniken hoffen, dann zeichnet sich hier durchaus ein grosser Hoffnungsstrahl am Horizont ab.
Grundsätzlich kombiniert das Verfahren den Test von acht Proteinen mit der Suche nach zirkulierender DNA von 16 Krebsgenen. Laut der Studie wurde der Biomarker-Pilot-Test bei etwas mehr als 1’000 Patienten überprüft. Knapp die Hälfte der Betroffenen waren im Stadium II (49 Prozent), ein Drittel in Stadium III (31 Prozent) und ein Fünftel in Stadium I (20 Prozent).
Im Schnitt (Median) gab der Test in 70 Prozent der Fälle korrekt an, dass ein Patient erkrankt war (Sensitivität). Dabei wurde der tiefste Wert beim Brustkrebs erreicht (33 Prozent), der höchste bei Eierstockkrebs (98 Prozent).
Bei fünf Krebsarten gibt es noch keinen Frühtest (Eierstock, Leber, Magen, Pankreas, Oesophagus), und hier reichte die «Erfolgsquote» des Tests von 69 bis 98 Prozent.
Anteil der erkannten Krebserkrankungen in Prozent bei acht häufigen Krebsarten | Quelle/Grafik: Johns Hopkins | «Science» | Nickolas Papadopoulos et al.
Allerdings: Im Stadium I erreichte die Sensitivität nur 43 Prozent – wobei sie dann beim Leberkrebs freilich auf satten 100 Prozent lag. Im Stadium II wurden 73 Prozent der Erkrankungen erkannt, im Stadium III lag die Quote bei 78 Prozent.
Auf der anderen Seite melden die US-Forscher eine hohe Genauigkeit (Spezifizität): Sie lag über 99 Prozent. Oder konkreter: Bei 7 gesunden Testpersonen meldete CancerSEEK ein falsch-positives Resultat; insgesamt wurden 812 krebsfreie Menschen zum Vergleich genommen.
Mehr falsch-positive Ergebnisse?
Weiter war der Bluttest bei durchschnittlich 83 Prozent (Median) der erkrankten Personen in der Lage, den Tumor in einem recht engen Bereich korrekt zu verorten.
Vor allzu grosser Euphorie warnt allerdings Udo Siebholt von der Deutschen Gesellschaft für Pathologie. Im
«Ärzteblatt» bezweifelte Siebholt, dass «Cancerseek» alle Anforderungen eines Screeningtests erfüllen könne. Sensitivität, Spezifität und Robustheit des Verfahrens müssten sehr hoch sein, um unnötige Untersuchungen und verunsicherteTestpersonen zu vermeiden. Es sei zu erwarten, dass gutartige Läsionen, die erste genetische Veränderungen aufweisen, wegen ihrer Häufigkeit zu weitaus mehr falsch-positiven Ergebnissen führen werden als in der Kontrollgruppe der amerikanischen Studie.
Und womöglich, so der in Halle lehrende Siebholt, wären am Ende auch die Kosten von 500 Dollar pro Test zu niedrig gegriffen, da bei einer zu erwartenden niedrigeren Spezifität auch Zusatzkosten durch unnötige Nachuntersuchungen einkalkuliert werden müssten.
Eine Kernfrage wird also sein, ob die guten Empfindlichkeits- und Genauigkeits-Werte in grösseren Studien mit mehr Probanden bestätigt werden. Ergebnisse einer solchen grösseren «CancerSeek»-Untersuchung dürften etwa Mitte 2019 zu erwarten sein.
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