Der Yasmin-Effekt bei der Pille: Verkauf mehr als halbiert

Ganz allgemein verhüten die Frauen in der Schweiz deutlich weniger mit Kontrazeptiva als noch vor wenigen Jahren.

, 18. Februar 2016 um 15:24
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Die Zahlen dazu finden sich in einer Antwort des Bundesrat ans Parlament. Seit 2012 sank der Verkauf von hormonhaltigen Kontrazeptiva jedes Jahr um gut zwei Prozent. Wurden zwischen Dezember 2011 und November 2012 noch 2,42 Millionen Packungen solcher Pillen (beziehungsweise Mittel) verkauft, so lag die Zahl zwischen Dezember 2014 und November 2015 bei 2,26 Millionen. Das war Rückgang von 6,6 Prozent.
Besonders drastisch war der Rückgang bei den drospirenonhaltigen Pillen: Hier brach die Zahl verkaufter Packungen von 239'000 (2011/12) auf 104'700 (2014/15) ein – minus 56 Prozent.

Ein Rechtsstreit mit Wirkung

Die Landesregierung veröffentlichte diese Entwicklung jetzt in einer Antwort auf eine Interpellation von SP-Nationalrätin Priska Birrer-Heimo. Die Zahlen zeigen, dass die öffentlich ausgetragenen Rechtsstreitigkeiten um die Thrombose-Gefahr der Pille hier eine Wirkung haben dürften – insbesondere der so genannte «Fall Céline»: Die junge Frau hatte nach der Anwendung der Bayer-Antibaby-Pille «Yasmin» eine Lungenembolie erlitten und ist seither schwer behindert.
Der Bundesrat erwartet nun, dass der Absatz solcher Pillen weiter sinken dürfte. Denn obendrein beschloss die Heilmittel-Behörde Swissmedic im November 2015, dass bei 33 Kontrazeptiva mit Chlormadinonacetat oder Drospirenon alle Hinweise auf Vorteile bei Akne gestrichen werden müssen.

Knapp 50 Embolie-Verdachtsfälle pro Jahr

Greifbar wird, dass in den letzten zwei Jahren eine verstärkte Sensibilisierung stattgefunden hat. Anfang Monat hat Swissmedic die Spontanmeldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei hormonalen Kontrazeptiva aufbereitet. Insgesamt erfasste die Behörde zwischen 1990 und 2015 knapp 3'300 Meldungen über unerwünschte Nebenwirkungen von hormonalen Verhütungsmitteln (etwa Kombinationspräparate, orale Gestagenmonopräparate, systemisch wirkende Pflaster, Implantate, Vaginalring, intrauterine Pessare).
436 Verdachtsmeldungen betrafen in jenem Vierteljahrhundert venöse Thromboembolien, 268 zielten auf Lungenembolien und 168 drehten sich um tiefe Venenthrombosen ohne Lungenembolie.
Vor allem: Swissmedic stellt insbesondere eine erhöhte Meldehäufigkeit seit 2013 fest – also parallel zur erwähnten Debatte um die Thrombose-Risiken der Verhütungsmittel.

  • Im letzten Jahr, also 2015, liefen in Bern 368 Spontanmeldungen ein, die Nebenwirkungen anzeigten; wobei in 25 Fällen von Thrombose die Rede war.
  • In den drei Jahren davor war diese Zahl deutlich höher gewesen. Seit 2009 – dem Jahr der letzten Messung – meldete im Schnitt etwa 50mal pro Jahr ein Schweizer Arzt den Verdacht, dass sich eine Thrombose als Nebenwirkung eines Kontrazeptivums eingestellt haben könnte.

Swissmedic wies allerdings darauf hin, dass die Aussagekraft der Meldungen begrenzt sei: «Das Spontanmeldesystem erlaubt keine systematische Erfassung von UAW (unerwünschten Arzneimittelwirkungen) und gestattet keine Aussagen über die Häufigkeit unerwünschter Wirkungen und auch keinen Vergleich zwischen verschiedenen Präparaten.»
Festgestellt wird aber, dass sich das Meldebewusstsein in den letzten Jahren deutlich verbessert habe. Es zeigt sich in einem deutlichen Anstieg der Meldefrequenz: «Vor allem werden zu neueren Präparaten und zu Präparaten, über die wegen möglicher Nebenwirkungen in der Presse berichtet wird, Meldungen eingereicht.»


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