Der Traum wurde schon in der Antike geträumt. Im Mittelalter machten sich Abenteurer auf die Suche nach dem Jungbrunnen, dem Quell ewigen Lebens. Gefunden wurde dieser bis heute nicht - auch nicht in medizinischen Forschungslabor. Zwar ist im Jahr 2020 die Lebenserwartung vielerorts so hoch wie nie zuvor. Doch mit zunehmendem Lebensalter nimmt sehr oft auch die Zahl der Gebrechen zu, an der die Menschen leiden.
Biologen und Medizinerinnen der Universität Bern ist es nun gelungen, die Hauptmerkmale des Alters, wie erhöhte Gebrechlichkeit und Immunschwächen zu verlangsamen und teilweise gar rückgängig zu machen. Dies bisher im Rahmen von Versuchen an Mäusen.
Das Bauchfett macht alt
Der Forschung liegt die Erkenntnis der Berner Forschenden um Alexander Eggel und Mario Noti zugrunde, dass das Bauchfett ein chronischer Entzündungsherde darstellt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die dort vorhandenen sogenannten Eosinophile.
Lucas Cranachs Bild aus dem Jahr 1546 zeigt einen Jungbrunnen, wie man sich diesen im Mittelalter vorstellte.
Die Forschenden erklären deren Wirken in ihrer Mitteilung wie folgt: «Eosinophile sind Zellen des angeborenen Immunsystems und wehren unter anderem Parasiten ab, können aber durch eine überschiessende Reaktion auch zu Atemwegserkrankungen führen. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil von eosinophilen Zellen im Fettgewebe, während die Anzahl an entzündungsfördernden Makrophagen zunimmt. Die Verschiebung dieser Immunzell-Balance hat zur Folge, dass Bauchfett im Alter zum chronischen Entzündungsherd wird.»
Fitter und besseres Immunsystem
Um diese Entzündungen zu hemmen, haben die Forschenden alten Mäusen Eosinophile von jungen Mäusen transferiert und somit das Immunzell-Gleichgewicht im viszeralen Fettgewebe wieder hergestellt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten von «eindrücklichen» Wirkungen.
Die transferierten Eosinophilen hätten den «selektiv den Weg ins Fettgewebe» gefunden, schreiben die Studienautorinnen und -autoren. Die Folge: eine verjüngende Wirkung auf den alternden Organismus. Nach der Zelltherapie nahm die Ausdauer und die Greifkraft der Tiere deutlich zu, so eine Erkenntnis der Forschenden. Zudem wurde durch die Therapie auch das Immunssystem verjüngt. Bei den zuvor der Zelltherapie unterzogenen Tieren fiel die Impfantwort höher aus. Die Berner Studie wurde im Fachjournal «Nature Metabolism» publiziert.
Tests am Menschen geplant
Dereinst sollen klinische Tests beim Menschen folgen. Im Idealfall steht am Ende aber nicht der ewige Jungbrunnen - aber eine Therapie, die eine bessere Gesundheit bis ins hohe Alter ermöglichen könnte.