Berner Forschende entwickeln Verjüngszellkur

Immunzellen im Magenfett sorgen bei alternden Menschen für chronische Entzündungen. Im Tierversuch konnten Forschende der Uni Bern diesen Alterungsprozess stoppen - mit verblüffenden Folgen.

, 6. Juli 2020 um 15:00
image
  • forschung
  • universität bern
Der Traum wurde schon in der Antike geträumt. Im Mittelalter machten sich Abenteurer auf die Suche nach dem Jungbrunnen, dem Quell ewigen Lebens. Gefunden wurde dieser bis heute nicht - auch nicht in medizinischen Forschungslabor. Zwar ist im Jahr 2020 die Lebenserwartung vielerorts so hoch wie nie zuvor. Doch mit zunehmendem Lebensalter nimmt sehr oft auch die Zahl der Gebrechen zu, an der die Menschen leiden.
Biologen und Medizinerinnen der Universität Bern ist es nun gelungen, die Hauptmerkmale des Alters, wie erhöhte Gebrechlichkeit und Immunschwächen zu verlangsamen und teilweise gar rückgängig zu machen. Dies bisher im Rahmen von Versuchen an Mäusen.

Das Bauchfett macht alt

Der Forschung liegt die Erkenntnis der Berner Forschenden um Alexander Eggel und Mario Noti zugrunde, dass das Bauchfett ein chronischer Entzündungsherde darstellt. Eine wichtige Rolle spielen dabei  die dort vorhandenen sogenannten Eosinophile.
image
Lucas Cranachs Bild aus dem Jahr 1546 zeigt einen Jungbrunnen, wie man sich diesen im Mittelalter vorstellte.
Die Forschenden erklären deren Wirken in ihrer Mitteilung wie folgt: «Eosinophile sind Zellen des angeborenen Immunsystems und wehren unter anderem Parasiten ab, können aber durch eine überschiessende Reaktion auch zu Atemwegserkrankungen führen. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil von eosinophilen Zellen im Fettgewebe, während die Anzahl an entzündungsfördernden Makrophagen zunimmt. Die Verschiebung dieser Immunzell-Balance hat zur Folge, dass Bauchfett im Alter zum chronischen Entzündungsherd wird.»

Fitter und besseres Immunsystem

Um diese Entzündungen zu hemmen, haben die Forschenden alten Mäusen Eosinophile von jungen Mäusen transferiert und somit das Immunzell-Gleichgewicht im viszeralen Fettgewebe wieder hergestellt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten von «eindrücklichen» Wirkungen.
Die transferierten Eosinophilen hätten den «selektiv den Weg ins Fettgewebe» gefunden, schreiben die Studienautorinnen und -autoren. Die Folge: eine verjüngende Wirkung auf den alternden Organismus. Nach der Zelltherapie nahm die Ausdauer und die Greifkraft der Tiere deutlich zu, so eine Erkenntnis der Forschenden. Zudem wurde durch die Therapie auch das Immunssystem verjüngt. Bei den zuvor der Zelltherapie unterzogenen Tieren fiel die Impfantwort höher aus. Die Berner Studie wurde im Fachjournal «Nature Metabolism» publiziert.

Tests am Menschen geplant

Dereinst sollen klinische Tests beim Menschen folgen. Im Idealfall steht am Ende aber nicht der ewige Jungbrunnen - aber eine Therapie, die eine bessere Gesundheit bis ins hohe Alter ermöglichen könnte. 
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

ETH Zürich: Mikroroboter bringt Medikamente direkt ins Gehirn

ETH-Forschende haben einen magnetisch steuerbaren Mikroroboter entwickelt, der auch in komplexe Gefässstrukturen vordringt. Das System bringt Medikamente präzise an den Zielort – und löst sich danach auf.

image

Swiss Bridge Award 2025 geht an Krebsforschende aus Zürich und Berlin

Andreas Moor (ETH Zürich) und Inmaculada Martínez Reyes (DKFZ/Charité Berlin) erhalten je 250’000 Franken für ihre Arbeiten an zielgerichteten Krebstherapien – von «smarten» Proteinmolekülen bis zu personalisierten Immunzellen.

image

USZ, CHUV und USB gehören zu Europas forschungsstärksten Spitälern

Seit der Jahrtausendwende haben sich die Patentanmeldungen europäischer Kliniken verdreifacht. Schweizer Häuser spielen vorne mit.

image

Empa-Forschende entwickeln selbsthaftende künstliche Hornhaut

Forschende der Empa und der Universität Zürich haben eine künstliche Hornhaut entwickelt, die künftig Spendergewebe ersetzen könnte.

image

«Eine frühzeitige Blutverdünnung nach einem Schlaganfall ist sicher und wirksam»

Im Interview erklärt Neurologe Urs Fischer, Chefarzt am Inselspital Bern, was die Ergebnisse der CATALYST-Studie für die klinische Praxis bedeuten – und warum alte Leitlinien überdacht werden sollten.

image

Das Ludwig-Institut bleibt in Lausanne

Zehn Jahre nach der Gründung der Partnerschaft mit dem CHUV und der Uni Lausanne wird das Ludwig-Institut in die Universität integriert. Es soll mehr über Immuntherapie und Tumor-Mikroumgebung geforscht werden.

Vom gleichen Autor

image

Covid-19 ist auch für das DRG-System eine Herausforderung

Die Fallpauschalen wurden für die Vergütung von Covid-19-Behandlungen adaptiert. Dieses Fazit zieht der Direktor eines Unispitals.

image

Ein Vogel verzögert Unispital-Neubau

Ein vom Aussterben bedrohter Wanderfalke nistet im künftigen Zürcher Kispi. Auch sonst sieht sich das Spital als Bauherrin mit speziellen Herausforderungen konfrontiert.

image

Preisdeckel für lukrative Spitalbehandlungen?

Das DRG-Modell setzt Fehlanreize, die zu Mengenausweitungen führen. Der Bund will deshalb eine gedeckelte Grundpauschale - für den Direktor des Unispitals Basel ist das der völlig falsche Weg.