Braucht Ihr Spital auch eine CNIO?

Chief Nursing Information Officer: Die Uniklinik Frankfurt schafft als erstes Spital in Deutschland eine eigene Position, um die Pflege bei der Digitalisierung aufzuwerten. In der Schweiz hat die Funktion auch schon Fuss gefasst.

, 17. Dezember 2025 um 04:58
image
«Pflegerische Verantwortung stärken»: Uniklinik Frankfurt, CNIO Katharina Steinhauer  |  Bilder: PD
Die Universitätsmedizin Frankfurt hat als erstes Spital in Deutschland eine Chief Nursing Information Officer eingesetzt. Die CNIO sorgt dafür, dass digitale Lösungen die Pflegefachpersonen entlasten, dass die Abläufe effizienter werden und die Versorgung sicherer und moderner wird. Sie soll die Pflege im Digitalisierungs-Prozess stärken, die interprofessionelle Zusammenarbeit fördern und bei der Entwicklung von praxisnahen neuen Versorgungsideen helfen.
Das Universitätsklinikum Frankfurt bietet etwa 1’300 Betten und beschäftigt rund 8’500 Personen. Die CNIO-Position übernimmt Katharina Steinhauer, die sowohl Erfahrung aus Pflegepraxis und Pflegewissenschaft wie auch aus IT-Projekten einbringt.
«Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss die pflegerische Verantwortung stärken und den Alltag wirklich erleichtern», sagt sie: «Dafür ist es wichtig, dass die Pflege selbst ihre Perspektive einbringt und Anforderungen benennt. Genau das ermöglicht die CNIO-Rolle.»
Konkret umfasst ihre Aufgabe unter anderem:
  • die Bewertung digitaler Technologien,
  • die praxisgerechte Einführung von Systemen,
  • die Stärkung digitaler Kompetenzen in der Pflege,
  • die Entwicklung neuer Rollenprofile,
  • den Einsatz von Automatisierung für effizienteres Arbeiten.
Indem die Sicht der Pflege früh in die digitale Entwicklung einfliesst, soll am Ende auch der Dokumentationsaufwand sinken oder die Kommunikation besser werden.
«Mit der Einführung dieser Position übernimmt die Universitätsmedizin Frankfurt eine Vorreiterrolle in Deutschland und schafft ein Modell, das anderen Kliniken als Orientierung dienen kann», kommentiert die Leitung den Schritt.
In der Schweiz haben das Hôpital Riviera-Chablais wie auch die Insel Gruppe vor gut einem Jahr die Position eines oder einer Chief Nursing Information Officer besetzt.
Insbesondere im englischen Sprachraum und in Skandinavien ist die CNIO-Rolle bereits seit einigen Jahren gängig. Insbesondere nach der Corona-Krise entstanden in Spitälern in den USA und Kanada sowie im britischen NHS neue Stellen für Chief Nursing Informatics (oder Information) Officers – jeweils stark getragen vom Wunsch, die Pflege zu entlasten.

    Artikel teilen

    Loading

    Kommentar

    Mehr zum Thema

    image

    Pflegepersonal dringend gesucht. Aber bloss nicht mit kleinem Pensum.

    Trotz Fachkräftemangel fand die Pflegefachfrau Olga Keller nach der Geburt ihres Sohnes keine Stelle in einem Spital: Pensen unter 60 Prozent passten nicht ins Schema.

    image

    Bundesrat will Gesundheitsfachleute mehr zu Prävention lernen lassen

    Gesundheitsfachpersonen sollen mehr für die Gesundheitsprävention aus- und weitergebildet werden. Das hält der Bundesrat in einem Bericht fest.

    image

    Häusliche Gewalt: Bern übernimmt Westschweizer Idee

    Der Kanton Bern startet eine digitale Schulung für Apotheken. Es soll helfen, ältere Menschen zu erkennen und unterstützen, die Opfer von Gewalt geworden sind.

    image

    LUKS lanciert digitalen Symptomchecker

    Die Luzerner Kantonsspitalgruppe setzt ein Digitalangebot ein, das den Patienten eine Ersteinschätzung der Dringlichkeit von Beschwerden liefert – und eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen.

    image

    Kispi-Professor für seine Therapie bei offenen Rücken ausgezeichnet

    Ueli Möhrlen erhält einen Forschungspreis. Er hat einen neuen Ansatz zur individualisierten Behandlung der Spina bifida vor der Geburt.

    image

    Suizid: Auswertung von Botschaften könnte Prävention verbessern

    Manchmal geht einer Tat eine SMS oder ein Anruf voraus. Eine Studie aus der Westschweiz untersucht diese Signale – zur Verfeinerung der Präventionsstrategien.

    Vom gleichen Autor

    image

    Lindenhofgruppe konzentriert Notfallversorgung in der Nacht

    Die Notfallstation am Sonnenhofspital wird künftig nur noch tagsüber betrieben. Ein Grund dafür ist der Fachkräftemangel.

    image

    Engpässe: Entwarnung bei Impfstoffen und Antibiotika

    Die schwere Mangellage bei Antibiotika und Impfstoffen in der Schweiz scheint behoben: Die Pflichtlager werden wieder regulär geführt. Engpässe bei vielen Medikamenten bleiben jedoch bestehen.

    image

    Pflegelotsen: Stadt Zug testet neues Modell

    Manchmal braucht es rasch pflegerische Hilfe. Hier setzt ein Pilotprojekt in Zug an: Spezielle «Pflegelotsen» koordinieren Unterstützung und entlasten Betroffene wie Institutionen.