Aargau: Ein «guter Arzt» – aber wegen unsauberer Corona-Geschäfte verurteilt

Dubioser Handel mit Masken und Impfstoffen wurden einem Aargauer Arzt zum Verhängnis. Er erhält eine bedingte Freiheitsstrafe von 17 Monaten.

, 11. Februar 2026 um 13:55
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Am Bezirksgericht Muri wurde der Aargauer Arzt verurteilt. | Kanton Aargau
Schon 2021 kam der Aargauer Arzt ins Visier der Justiz. Doch der Verdacht – angeblich hat er versucht, illegal überteuerte Impfstoffe zu verkaufen – liess sich nicht erhärten. Deshalb gab es kein Gerichtsverfahren.
Doch im aktuellen Verfahren hatten die Behörden mehr Beweise. Vor dem Bezirksgericht Muri musste sich der Arzt nun deshalb unter anderem wegen Misswirtschaft und ungetreuer Geschäftsbesorgung verantworten.
Während der Pandemie versuchte der Arzt, mit Masken zu handeln. Das ging schief. Die Masken für den englischen Käufer wurde nie geliefert. Er hatte Schulden von rund 21 Millionen Euro. Doch statt für sein Unternehmen Konkurs anzumelden verwendete er das Geld, das ihm geblieben war, für private Ausgaben.

«Fachlich einwandfreier Arzt»

Vergeblich zitierte die Anwältin laut der «Aargauer Zeitung» Aussagen von Patienten, wonach der Angeklagte ein einfühlsamer und fachlich einwandfreier Arzt sei. Der Gerichtspräsident kam zum Schluss, dass es nicht darum gehe, ob der Angeklagte ein guter Arzt sei, sondern darum, dass er als Geschäftsführer in vielen Punkten nicht richtig gehandelt habe.
Der Arzt wurde zu einer Freiheitsstrafe von 17 Monaten und einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 260 Franken verurteilt, beides bedingt während einer Probezeit von zwei Jahren.
Dazu kommt eine Busse von 10’000 Franken. Der englischen Firma muss er rund eine Million Euro bezahlen. Er solle doch besser ein guter Arzt bleiben, gab ihm der Gerichtspräsident laut einem Bericht von «Tele M1» mit auf den Weg. Die kommenden zwei Jahre darf der Arzt kein eigenes Unternehmen mehr führen.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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