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«Wir wollen an unseren Werten festhalten.»

Der Fachkräftemangel ist eine Realität und wird sich in Zukunft noch verschärfen. Führungspersonen sind gefordert, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen und ihre Teams zu entlasten. So auch in der Lindenhofgruppe.

, 10. Januar 2023, 16:45
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Nicole Krestan, Bereichsleiterin Operationsbetriebe Engeried- und Lindenhofspital, und Christine Althaus, Bereichsleiterin Pflege Lindenhofspital
Christine Althaus, Bereichsleiterin Pflege Lindenhofspital, und Nicole Krestan, Bereichsleiterin Operationsbetriebe im Engeried- und Lindenhofspital, über neue Herausforderungen in Zeiten des Fachkräftemangels und kreative Lösungen.
Wo liegen die Besonderheiten der Pflege der Lindenhofgruppe in den stationären Abteilungen und im Operationsbereich?
Christine Althaus: Eines der grossen Merkmale ist, dass wir komplexe Eingriffe meist auf die stationären Schwerpunktabteilungen legen. Die Pflegefachpersonen dort sind in den jeweiligen Fachbereichen spezialisiert. Gleichzeitig behandeln wir am Lindenhofspital fast alle chirurgisch/medizinischen Fachdisziplinen. Das heisst, dass nicht schwerpunktbezogene oder kleinere Eingriffe auf allen Pflegeabteilungen zu betreuen sind. Die Abteilungskonferenz ist das Führungsgefäss zwischen der ärztlichen Koordinatorin/ dem ärztlichen Koordinator aus der Fachgruppe und der Abteilungsleitung Pflege. Sie führen die Schwerpunktabteilung gemeinsam. Das gibt es nur bei der Lindenhofgruppe. Ziel dieser Organisationsform ist es, eine möglichst hohe Unité de doctrine innerhalb der Fachdisziplin zu erreichen. Dies gewährleistet gleiche Abläufe und Prozesse in der Behandlung von Patientinnen und Patienten – von ihren Ein- bis zu ihren Austritten. Diese Behandlungsschematasegnet die Abteilungskonferenz ab. Sie haben für die jeweilige Fachdisziplin verbindlichen Charakter.
In der Lindenhofgruppe arbeiten wir im Hybridsystem mit Belegärztinnen/ -ärzten und den angestellten Spitalfachärztinnen und -ärzten. Die Belegärztin/ der Belegarzt ist in der Regel entweder in ihrer / seiner Praxis oder im Operationssaal tätig. Pflegefachpersonen sind daher im Behandlungsprozess mit hoher Eigenständigkeit unterwegs. Diese Selbstständigkeit und die hohe Eigenverantwortung der Pflegefachpersonen sind Besonderheiten der Lindenhofgruppe.
Nicole Krestan: Im Operationsbereich arbeiten verschiedene Berufskategorien eng mit den Chirurginnen und Chirurgen zusammen. Hier trägt eine gute interprofessionelle Zusammenarbeit massgeblich zu einem hochwertigen qualitativen Ergebnis für die Patientinnen und Patienten bei. Für die Operationstechnik HF/OP Pflege brauchen wir einerseits hoch spezialisierte Fachpersonen, andererseits aber auch breit aufgestellte Generalisten. Nur so können wir die unterschiedlichen Anforderungen für die Abdeckung der Fachdisziplinen und Dienste eines 24/7-Spitalbetriebs im Belegarztsystem planen und sicherstellen. Das ist sehr anspruchsvoll. Einerseits besteht ein täglich wechselnder Operationskapazitätenplan mit anderen Fachdisziplinen, andererseits müssen die Nacht- und Wochenenddienste mit einem Notfallprogramm, das alle Fachdisziplinen betreffen kann, abgedeckt werden. Dabei versuchen wir so zu planen, dass Personal mit unterschiedlichen Schwerpunkten zusammenarbeitet. Sie ergänzen sich gegenseitig. Wir erreichen damit eine möglichst breite fachliche Abdeckung. Die Fachpersonen in der Anästhesiepflege, Pflege Aufwachraum, OP-Lagerung müssen in allen 12 Fachdisziplinen einsetzbar sein. Die Fachpersonen in der Zentralsterilisation müssen über entsprechend breite Kenntnisse verfügen, inklusive der Aufbereitung für Robotik-Instrumente oder flexible Endoskope. Eine weitere Besonderheit ist die Erstellung eines OP-Kapazitätenplans in einem grossen Belegarztsystem mit vielen Fachdisziplinen. Dafür braucht es eine sehr agile Disposition mit entsprechendem Know-how. Im Vergleich zu den meisten anderen Spitälern ist das eine herausfordernde und zugleich attraktive Besonderheit der Lindenhofgruppe.

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Im Verlauf ihres Berufslebens müssen sich die Mitarbeitenden aus allen Berufsgruppen immer wieder mit neuen Techniken, Verfahren und Technologien auseinandersetzen. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, aber mit der genannten fachlichen Breite und den technischen Entwicklungen wird es anspruchsvoll. Ich bin stolz darauf, dass sich die betroffenen Mitarbeitenden das Wissen für Da Vinci-Operationen oder für die O-Arm navigierten neurochirurgischen Eingriffe schnell und professionell angeeignet haben. Um mit der Entwicklung Schritt zu halten, besuchen unsere Fachpersonen im Operationsbereich regelmässig interne sowie externe Weiterbildungen und verfügen mit ihrer Praxiserfahrung über ein breites Wissen. Deshalb sind sie auch für unsere Mitbewerber besonders interessant. Wir müssen folglich als Arbeitgeberin konkurrenzfähig bleiben.

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Ihre Pflegeteams müssen eine verantwortungsvolle pflegerische Versorgung rund um die Uhr gewährleisten. Können Sie alle Dienste trotz Fachkräftemangel aufrechterhalten?
Christine Althaus: Der Fachkräftemangel ist eine grosse Herausforderung. Um die Dienste abdecken zu können, benötigen wir einerseits spezialisierte Pflegefachpersonen auf den entsprechenden Schwerpunktabteilungen, andererseits eine hohe Flexibilität der Mitarbeitenden in den jeweiligen Schichtdiensten. An der täglichen Koordinationsbesprechung werden die möglichen personellen Ressourcen besprochen und organisiert. Durch die Corona bedingten Ausfälle von Mitarbeitenden wird die Situation zusätzlich erschwert. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Freizeit dennoch als solche geplant und genossen werden kann – ohne, dass man mehrfach angerufen und um einen Spontaneinsatz gebeten wird. Noch ist die Bereitschaft der Pflegefachpersonen gross, Sondereinsätze auf sich zu nehmen. Bei der Lindenhofgruppe können wir ausserdem auf unseren «Pflegepool» zurückgreifen. Wir haben ihn vor über 25 Jahren aufgebaut und pflegen ihn seither. In diesem Pool finden sich diplomierte Pflegefachpersonen und Fachpersonen Gesundheit EFZ mit Berufserfahrung. Sie können wir flexibel auf den einzelnen Abteilungen einsetzen. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, greifen wir auch auf temporäre Pflegepersonen zurück. Aus Qualitätsgründen können wir aber nicht unbegrenzt mit temporären Fachpersonen arbeiten. Es steht ausser Frage, dass der Markt der Pflegefachpersonen hart umkämpft ist. Wir in der Lindenhofgruppe können uns noch glücklich schätzen, dass wir bis anhin nicht mehr Bettenstationen schliessen mussten.
Nicole Krestan: Im Operationsbereich ist es im Grunde das Gleiche. Momentan können wir den Betrieb aufrecht erhalten. Dies gelingt uns jedoch nur aufgrund der reduzierten Operationskapazitäten seit Beginn der Corona-Pandemie. Aktuell ist es nicht mehr die Pandemie, uns zu Reduktionen zwingt, sondern der Fachkräftemangel. Wir wollen den eigenen Personalbedarf durch Investition in die gezielte Aus- und Weiterbildung von unseren Mitarbeitenden sichern. Trotz Pflegenotstand können wir noch immer alle Weiterbildungsstellen in der Anästhesiepflege und Ausbildungsplätze für Operationstechnik HF besetzen – keine Selbstverständlichkeit. Das Wachstum einzelner Fachgruppen, die Zunahme der Komplexität und die medizinisch-technischen Entwicklungen sind grosse Herausforderungen. Personalausfälle und die Zunahme an dringlichen und notfallmässigen Eingriffen verschärfen die Situation. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, müssen wir auch auf flexible und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen. Allerdings können wir im OP-Bereich nicht auf einen Pflegepool zugreifen. Es ist auch herausfordernd, Mitarbeitende der einzelnen Standorte «kurz» auszutauschen. Denn je nach Fachgebiet und Standort ist spezielles Wissen erforderlich. Wir sind es zwar gewohnt, auch mit temporären Kräften zu arbeiten. Wenn man sie punktuell einsetzt, funktioniert das. Dies auch, um die gewachsene Team-Kultur nicht zu destabilisieren. Hier sind wir Führungskräfte gefordert. Wir müssen uns immer wieder neu einstellen und im Einklang mit dem gesamten Team kreative Lösungen entwickeln und zulassen, damit die Mitarbeitenden entlastet werden und neue Energie schöpfen können. Deshalb legen wir grossen Wert darauf, bei Dienstplan- und Einsatzwünschen individuelle Lösungen zu finden.

«Die Lindenhofgruppe investiert viel in die Entwicklung der Pflegenden.»


Christine Althaus, Master of Advanced Studies FHO in Health Service Management, Bereichsleiterin Pflege Lindenhofspital
Eines der grossen Merkmale der Pflege in der Lindenhofgruppe ist, dass wir komplexe Eingriffe meist auf die stationären Schwerpunktabteilungen legen. Die Pflegefachpersonen dort sind in den jeweiligen Fachbereichen spezialisiert. Eine weitere Besonderheit ist, dass wir in der Lindenhofgruppe im Hybridsystem mit Belegärztinnen /-ärzten und den angestellten Spitalfachärztinnen und -ärzten arbeiten. Dieses System fordert vom Pflegepersonal eine hohe Eigenständigkeit, vertieftes Fachwissen und grosse Verantwortung.

Wie kann die Pflege der Lindenhofgruppe bei potenziellen Bewerbern und Bewerberinnen punkten?
Christine Althaus: Die Lindenhofgruppe investiert seit jeher viel in die Entwicklung der Pflegenden und hat sich dadurch einen guten Ruf erarbeitet. Davon zehren wir in sofern, als dass wir am Personalmarkt besser dastehen als andere Spitäler im Kanton Bern. Die Verbreitung der soliden Werte läuft branchenintern meist über Mund-zu Mund-Propaganda. Für die Zukunft ist es deshalb zentral, dass wir an diesem Ruf und den damit verbundenen Werten festhalten. Weiterhin gilt es Themen auszubauen, die Pflegende anziehen. Damit bleiben wir konkurrenzfähig und können das gesamte Spektrum der Fachgebiete mit den vorhandenen Betten aufrechterhalten. Auch die Möglichkeit der beruflichen Weiterentwicklung durch die Abteilung Aus- und Weiterbildung motiviert dazu, bei der Lindenhofgruppe einzusteigen. Mitarbeitende können sich weiterentwickeln und erhalten Unterstützung bei ihrer Karriereplanung. Sie können Wissenslücken schliessen und das nötige Wissen für den Betriebsalltag erlangen. Ein weiterer, immer wieder genannter Punkt ist, dass die Pflegenden die Lindenhofgruppe wählen, weil eine Stiftung die Trägerschaft wahrnimmt und nicht etwa eine börsenkotierte Gesellschaft. So stehen beispielsweise durch die Stiftung Lindenhof Bern Fonds zur Verfügung, die Pflegeprojekte und Ausbildungsthemen finanziell fördern.
Nicole Krestan: Das kann ich nur bestätigen. Der gute Ruf der Lindenhofgruppe, fachliche Herausforderungen, flexible Lösungen bei der Arbeitsplanung und eine ausgeprägte Teamkultur sind starke Argumente, die uns Vorteile am umkämpften Arbeitsmarkt verschaffen. Die fachliche Breite im Lindenhofspital, aber auch die Möglichkeit, sich innerhalb des Unternehmens beruflich verändern zu können, ohne die Arbeitgeberin zu wechseln, werden als Vorteil betrachtet. Wichtig dabei ist immer, dass alle ein gemeinsames Verständnis von guten Lösungen haben. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. So entsteht auch eine gute Vertrauensbasis mit den Vorgesetzten.
Welche Perspektiven bietet die Lindenhofgruppe ihren Pflegefachpersonen, um zu einer höheren Arbeitsmotivation und zur Entwicklung der Fachkompetenz beizutragen?
Christine Althaus: In der Pflege arbeiten immer noch mehrheitlich Frauen, deshalb gibt es auch die Möglichkeit der Co-Leitung. Das ist für junge Menschen sehr wertvoll. Es ist für uns schön zu sehen, wie die Mitarbeitenden sich in der Führung entwickeln. Das wirkt sich dann auch sehr positiv auf die Arbeitsmotivation aus. Entsprechend unserem Leitbild bieten wir unseren Mitarbeitenden die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung und unterstützen sie in ihrer Laufbahnplanung. Die Lindenhofgruppe ermöglicht ihren Mitarbeitenden, ein breites Angebot an Aus- und Weiterbildungen zu besuchen. Sie ist sehr offen und auch grosszügig in der Mitarbeiterförderung. Andere Arbeitgeber sind hier restriktiver. Die persönliche Weiterentwicklung von Mitarbeitenden ist auch eine Aufgabe der Führungspersonen. Wir decken vorhandenes Potenzial bei Einzelnen auf und stärken sie in ihrer weiteren Entwicklung, indem wir ihnen Mut machen, sie aktiv fördern und unterstützen. Angetrieben durch den Fachkräftemangel können heute viele Berufstätige ihren Arbeitgeber aussuchen.
Wie gehen Sie damit in der Pflege auf den Abteilungen und im OP-Bereich um?
Christine Althaus: Vertrauen, persönliche Wertschätzung und die Vermittlung des «Wir-Gefühls» sind wichtige Faktoren im Pflegealltag, die bindend auf Mitarbeitende wirken. Davon bin ich überzeugt. Wenn sie sich bei der Lindenhofgruppe wohl fühlen, Respekt spüren und Gehör für ihre Anliegen finden, treten andere Punkte in den Hintergrund. Auch stehen die Türen der direkten Vorgesetzten weit offen, so dass jederzeit jemand anklopfen, um Rat fragen oder seine Anliegen deponieren kann.

Nicole Krestan, Master of Advanced Studies FHO in Health Service Management, Bereichsleiterin Operationsbetriebe Engeried- und Lindenhofspital
Die gute interprofessionelle Zusammenarbeit in der Lindenhofgruppe zeichnet uns aus und hilft massgeblich zur Erreichung von qualitativ hochwertigen Ergebnissen für die Patientinnen und Patienten. Eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft ist die Erstellung eines OP-Kapazitätenplans in einem grossen Belegarztsystem mit vielen Fachdisziplinen. Dafür braucht es eine sehr agile Disposition mit entsprechenden Kenntnissen. Im Vergleich zu den meisten anderen Spitälern ist das eine herausfordernde und zugleich attraktive Besonderheit der Lindenhofgruppe.
Nicole Krestan: Wir müssen auf Augenhöhe miteinander sprechen und einen persönlichen Umgang pflegen. Vertrauen basiert auch auf Transparenz und Klarheit. All diese Faktoren sind in sich verzahnt und ergeben das grosse Ganze: ein starkes Miteinander im Team, in dem man sich gegenseitig unterstützt und hilft. Wenn das stattfindet, arbeiten alle motiviert zusammen. Der regelmässige Austausch, echtes Interesse, Wertschätzung und Respekt über alle Berufsgruppen hinweg sind entscheidend. So können die Mitarbeitenden Lösungen mittragen. Auch der Mut, Entscheidungen zu treffen, spielt eine Rolle. Er hält den Betrieb am Laufen. Verbessern können wir als lernende Organisation immer.

«Führung heisst, füreinander da zu sein und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.»

Wie leben und fördern Sie den Teamgeist Ihrer Mitarbeitenden in der Pflege und im OP-Bereich?
Christine Althaus: Der aktive Austausch an den Kadersitzungen zwischen Abteilungs- und Bereichsleitungen hilft uns, Informationen aus der Unternehmensleitung zu vermitteln. Aber auch die Themen der Abteilungen gemeinsam zu lösen schafft Momente, die unser Handeln im Alltag zielorientiert gestalten. Es entsteht ein Wir Gefühl, das in schwierigen Situationen hilfreich ist. Auch der engagierten, engen Zusammenarbeit mit den Ärzten und Ärztinnen kommt ein hoher Stellenwert zu. Es ist eindrücklich zu sehen, dass wir diplomierte Pflegefachpersonen auf Abteilungen, die eine starke und wertschätzende Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Pflege haben, viel länger halten können.
Nicole Krestan: Das Setting von Ärztinnen und Ärzten und die Zusammenarbeit mit ihnen sind bei der Lindenhofgruppe matchentscheidende Faktoren. Das Delegieren von Aufgaben und Verantwortung, regelmässiger Austausch und das Erklären von Zusammenhängen fördern ein gemeinsames Verständnis. Gegenseitige Wertschätzung fängt bei jedem persönlich an. Dazu gehört auch, Grenzen aufzuzeigen, wenn es mal nicht so rund läuft. Führung heisst, füreinander da zu sein und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Besonders dann, wenn alle meinen, dass es nicht mehr geht.
Was hat sich durch die Pandemie im Pflege- und Operationsbereich verändert?
Christine Althaus: Die Team-Events der Lindenhofgruppe und auch Pausen zum gemeinsamen Austausch sind sehr wichtig. Dieser Ausgleich zum Arbeitsalltag findet seit der Pandemie nur noch als Online-Meeting statt. Je nach Schicht lernt man neue Arbeitskolleginnen und -kollegen kaum noch richtig kennen. Dieses soziale Gefüge ist aber entscheidend, um in hektischen Situationen gemeinsam Lösungen finden zu können.
Nicole Krestan: Mitarbeitende sind insgesamt sensibler geworden. Das gilt auch, wenn es zum Beispiel um Anerkennung und wertschätzende Massnahmen geht, sei es von Unternehmens-, ärztlicher oder Vorgesetztenseite. Diese gewisse Grundmüdigkeit kombiniert sich auch mit einem erhöhten Risiko für einen Ausstieg aus dem Beruf. Das ist für mich persönlich keine gute Entwicklung. Einer der Erfolgsfaktoren, warum wir die Corona Pandemie bis jetzt so gut bewältigen konnten, ist unter anderem die Teamkultur und die Zusammenarbeit mit den Führungspersonen. Sie haben immer eine offene Tür geboten. Das war sehr aufwändig, hat sich aber bewährt. Wir konnten viele Fragen lösen oder zumindest Hilfestellungen geben und für unsere Teammitglieder da sein.

«Digitale Tools werden nicht alle Arbeiten am Patientenbett übernehmen können.»

Welche Entwicklungen haben Sie in letzter Zeit als entscheidend in Ihrem Fachbereich erlebt?
Nicole Krestan: Im OP-Bereich sind das vor allen Dingen die technischen Entwicklungen, wie der Operationsroboter Da Vinci oder der integrierte Operationssaal. Selbstverständlich werden auch wir im Operationsbereich zunehmend mit digitalen Hilfsmitteln unterstützt. Auch die normativen Vorgaben und Logistikprozesse haben sich verändert. Das wirkt auch auf unseren Arbeitsalltag direkt ein. Wir alle müssen uns diesen neuen Gegebenheiten, Prozessen und Normen anpassen. Trotz allem bleibt aber der Mensch im Mittelpunkt.
Christine Althaus: Bei uns sind es deutlich schlankere Prozesse, die wir aus dem Lean-Management in den Pflegealltag integriert haben. Dadurch entstand eine klare Wertschöpfungskette, in der wir alle Teammitglieder ihren Fähigkeiten entsprechend einsetzen. Auch die Ansprüche der Zusatzversicherten nehmen laufend zu. Hier suchen wir aktiv nach Verbesserungen, um einerseits dieser Patientengruppe noch gezielter zu begegnen, aber auch die Forderungen der Krankenkassen erfüllen zu können. Das grösste Thema sind jedoch die Folgen der Ambulantisierung. Vor ein paar Jahren wurden Patienten und Patientinnen mit unkomplizierten Fallsituationen noch stationär hospitalisiert. Heute wird diese Patientenpopulation ambulant behandelt. Dadurch konzentriert sich die Pflege oft nur noch auf polymorbide, komplexe Patientinnen und Patienten. Diese zeitaufwändige Betreuung braucht zusätzliche Personalressourcen. Ein weiterer Punkt sind die fehlenden Anschlussmöglichkeiten für unsere Patientinnen und Patienten im Rahmen der integrierten Versorgung.
Wo sehen Sie die grössten Chancen/Herausforderungen in der Pflege und dem Operationsbereich für die unmittelbare Zukunft?
Christine Althaus: Menschen werden immer krank sein und operiert werden müssen. Im Spital aber werden schon bald nur Patientinnen und Patienten in komplexen Situationen verbleiben. Hinzu kommt, dass die geburtenstarken Jahrgänge bald pensioniert werden und weniger junge Menschen sich zu diplomierten Pflegefachpersonen ausbilden lassen. Dieser Generationenwechsel fordert die Vorgesetzten zu einem Um- und Neudenken auf, wie wir den unterschiedlichen Generationen begegnen können. Die Digitalisierung wird auch der Pflege einen hohen Nutzen bringen, beispielsweise im Rahmen von Bestell- oder anderen schematischen Prozessen. Diese Tools werden aber nicht alle Arbeiten am Patientenbett übernehmen können. Wir arbeiten schon heute mit digitalisierten Hilfsmitteln, wie der PARO Robbe oder Klangkissen. Sie unterstützen uns in der Pflegearbeit. Auch das Belegarztsystem 3.0 sehe ich als echte Herausforderung: dass Ärztinnen und Ärzte sowie die Pflege ihre Ziele als Team erreichen, und das erst noch DRG-optimiert.
Nicole Krestan: Die Attraktivität als Arbeitgeberin zu festigen, weiterzuentwickeln und auszubauen, sehe ich sowohl als Chance als auch als Herausforderung. Die interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein weiterer Punkt – vor allem in dem Setting, in dem wir bei der Lindenhofgruppe unterwegs sind. Wenn wir es schaffen, das Miteinander authentisch zu leben, haben wir nicht nur einen grossen Schritt gemacht, sondern auch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal erwirkt.
Wo können Sie sich Zeitinseln sichern, um Ihre persönliche Work-Life-Balance zu gewährleisten?
Christine Althaus: Für mich sind der interne Austausch und die Mittagessen mit Kolleginnen und Kollegen sehr wichtig. Hier kann man sich mit bewussten Pausen wieder aufladen. Zudem tauche ich gerne über den Sport und meine Familie in andere Welten ein. Dabei kann ich auftanken, damit ich in der Folgewoche wieder zum Geben bereit bin. Man muss sich selber pflegen und hegen, damit man auch für sein Team da sein kann.
Nicole Krestan: Die Pausen oder Inseln, die man sich schafft, müssen unantastbar sein – auch wenn sie nur ganz klein sind. Wenn man dem permanenten Druck nachgibt, verschwinden diese Pausen und damit auch die Möglichkeit für den Austausch – sei es mit dem Kader des Operationsbereichs oder den einzelnen Mitarbeitenden. Das gilt auch im Privaten. Ich brauche in meiner Freizeit ganz bewusst Zeit für mich und meine Nächsten und halte mich gerne in der Natur auf. Die Corona-Pandemie hat das Ganze nun sicherlich auf die Spitze getrieben. Sie hat aber auch bestätigt, dass Auszeiten sehr wichtig sind – und zwar ohne schlechtes Gewissen. Da ist jeder für sich selbst verantwortlich.

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