Windpocken: Der Bund empfiehlt die Impfung neu auch für Babys

Bisher wurde die Impfung gegen Varizellen Jugendlichen empfohlen. Nun sollen Säuglinge ab neun Monaten vor der Infektionskrankheit geschützt werden.

, 1. November 2022, 06:51
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Das BAG und die EKIF empfehlen die Varizellenimpfung auch bei Säuglingen. | Symbolbild Freepik
Windpocken – auch «Spitze oder Wilde Blattern» – werden durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht. Bis zur Pubertät infizieren sich 90 Prozent aller Kinder in der Schweiz mit dem hochansteckenden Erreger. Im Kindesalter verläuft die Viruserkrankung meist harmlos und hinterlässt einen lebenslangen Schutz. Aber:
Verschwinden tut der Erreger nie ganz, sonder verbleibt «schlafend» in den Nervenzellen des Rückenmarks. In 20 Prozent der Fälle führt eine Immunschwäche im Erwachsenenalter zur erneuten Aktivierung des Virus. Diese Zweiterkrankung heisst Gürtelrose (Herpes Zoster).
Risikoreicher wird eine Ansteckung im Jugend- oder Erwachsenenalter: Hierzulande erkranken jährlich rund 3000 Personen im Alter über 16 Jahren, von denen 60 bis 70 wegen Komplikationen wie Hautentzündungen, Lungenentzündung, Hirnhaut- und Hirnentzündung hospitalisiert werden müssen.

Letzte Prüfung im 2004

In der Schweiz wurde die Einführung einer möglichen Routineimpfung für Kleinkinder 2004 geprüft. Weil die Krankheit bei gesunden Kindern in der Regel mild verläuft – aber auch wegen diverser offener Fragen betreffend die Impfwirksamkeit, die Schutzdauer oder Auswirkungen auf die Herpes-zoster-Epidemiologie –, wurde die Basisimpfung lediglich Jugendlichen von 11 bis 15 Jahren empfohlen, die noch keine Windpocken-Infektion durchgemacht haben.
2021 hatten allerdings bereits 45 Länder weltweit die Impfung gegen Varizellen oder einen kombinierten Impfstoff gegen die vier Krankheiten Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) ausgesprochen. Diesen Empfehlungen schliesst sich die Schweiz nun an:

Die neue Impfempfehlung

  • Ab Januar 2023 empfehlen das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgnössische Impfkommissoin (EKIF) die Impfung gegen Varizellen (Windpocken) mit zwei Dosen als Basisimpfung für alle Säuglinge im Alter von 9 bis 12 Monaten.
  • Die Impfung soll vorzugsweise mit einem kombinierten, quadrivalenten MMRV-Impfstoff erfolgen, der gegen vier Krankheiten schützt: Masern, Mumps, Röteln und Varizellen.
  • Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (13 bis 39 Jahre), die weder an Varizellen erkrankt sind, noch zwei Impfdosen erhalten haben, eine Nachholimpfung gegen Varizellen empfohlen.
Zu den Gründen für die neue Empfehlung zählen etwa, dass eine routinemässige Impfempfehlung gegen VZV und eine verringerte Zirkulation von Wildviren zu keinem verstärkten Anstieg der Herpes-zoster-Inzidenz führt. Hinzu kommt laut BAG, dass die zugelassenen kombinierten MMRV-Impfstoffe, wie erwähnt, gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen wirksam sind.
Weitere Informationen gibt es im BAG-Bulletin Nr. 44.
  • bundesamt für gesundheit
  • medikamente
  • ekif
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