Weko bestätigt: Unispitäler klagen gegen Microsoft

Während das Unispital Zürich auf M365 migriert, wird Microsoft von den Unispitälern Basel, Lausanne, Genf und wohl auch der Berner Insel wegen Lizenzvergaben verklagt.

, 6. Oktober 2023 um 07:02
image
Von Skype auf M365: Das Unispital Zürich führt diverse Kommunikationsdienste aus der Cloud von Microsoft ein, berichtete «Inside IT» vor rund einer Woche. Es geht um Telefonie, Voicemail, Instant-Messaging, Desktop-Sharing und mehr.
Auch das Unispital Basel ist schon länger in der Cloud von Microsoft. Es hat während der Pandemie Microsoft Teams «in den Bereichen Online Meetings sowie Chat» eingeführt, wie eine Case Study des Dienstleisters Innobit zeigt. Man habe sich für Teams entschieden, weil es «eine schnelle und sichere Interaktion und Kommunikation zwischen allen relevanten Parteien zu gewährleistet», wird Sören Wulff, Leiter UC & Collaboration des Universitätsspitals Basel, zitiert.

«Ist der Preis unangemessen?»

Dennoch – oder vielleicht auch deswegen – gehört das Unispital Basel zu jenen Kliniken, die Microsoft bei der Wettbewerbskommission (Weko) angezeigt haben, wie die Plattform «Dnip» berichtet. Die Weko bestätigt die Klage dem Magazin gegenüber und schreibt, dass es «um die Vergabe von Lizenzen» gehe. Zu prüfen sei unter anderem, ob der Preis im Sinne des Kartellgesetzes unangemessen sei.
'Dnip' gegenüber bestätigen die Unispitäler Lausanne, Genf und eben Basel an der Klage mitzuwirken. Ebenfalls dabei sein soll laut 'Dnip' das Berner Inselspital, welches dies aber nicht bestätigt. Inhaltlich gehts dem Bericht zufolge um den "Microsoft/SIK Rahmenvertrag 2022 – 2025", welcher auch inside-it.ch vorliegt.

Ab 450'000 Franken gibts 5 Prozent «Azure-Rabatt»

Dieser dient hauptsächlich dazu, den SIK-Mitgliedern zu bevorzugten Konditionen bei Microsoft-Produkten zu verhelfen. «Im Falle von Microsoft wird ein öffentlich-rechtliches Spital oder (kantonales) öffentliches Organ (...) auf die Verträge der SIK abstellen», heisst es im Leitfaden zur Einführung von Cloud-Services in öffentlichen Organen und Schweizer Spitälern von David Rosenthal (PDF, S. 12).
Im erwähnten Rahmenvertrag sind Rabatte aufgeführt, die Microsoft den SIK-Mitgliedern gewährt. Zum Beispiel gibts bei einer minimalen «Konsumzusage» von 450'000 Franken für Azure-Produkte 5 Prozent Rabatt. Weitere Auszüge aus dem Dokument sind bei «Dnip» einzusehen.
Worum es in der Klage letztlich geht, ist unklar, weil die Weko diese nicht rausrücken will. Da aber 2 Beteiligte der Klage, konkret das Unispital Basel sowie auch das Berner Inselspital bereits auf M365 (PDF) migriert sind oder mit der Migration begonnen haben, dürfte es wohl um das Pricing beziehungsweise die angebotenen Rabatte – und weniger um Technologie-Entscheide – gehen.
  • Dieser Beitrag ist zuerst auf dem IT-Nachrichtenportal «Inside IT» erschienen.

  • spital
  • IT
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

USB: Rechtsstreit abgewendet, 300 Millionen bewilligt

Über ein Millionen-Darlehen ans Unispital war ein Streit zwischen dem Kanton und den Basler Privatspitälern entflammt.

image

Das Spital Uster kehrt in die Gewinnzone zurück

Eine Fusion mit dem angeschlagenen Nachbarspital Wetzikon stehe nun nicht mehr zur Diskussion.

image

Neue Direktorin für das Spital Nidwalden

Ursina Pajarola ist ab Oktober die Direktorin des Spitals Nidwalden. Sie leitet derzeit noch eine Altersresidenz.

image

Deshalb bauten die Stararchitekten das neue Kispi

Seid ihr noch bei Trost, fragte sich ein SVP-Politiker beim Anblick des neuen Kinderspitals Zürich. Es gibt aber Gründe für den exklusiven Bau.

image

Sogar das Spital Schwyz schreibt nun rote Zahlen

Es ist das erste Mal seit acht Jahren: Das bisher rentable Spital Schwyz hat 2023 Verlust gemacht.

image

Spital Wetzikon: Petition für «euses Spital»

Im Zürcher Oberland engagieren sich viele für ihr Spital Wetzikon. Innert 24 Stunden kamen über 15'000 Unterschriften zusammen.

Vom gleichen Autor

image

Auch IPW Winterthur sucht neues Klinik-Informationssystem

Die Integrierte Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland beschafft ein neues Klinikinformationssystem. Grund dafür ist ein Strategiewechsel des bisherigen Lieferanten.

image

Der lange, lange Weg in mein Patientendossier

Was passiert, wenn man seine Daten von meineimpfungen.ch zurück holt – um sie dann ins EPD einzupflegen? Ein Selbstversuch.

image

Universitätsspital Basel bricht KIS-Beschaffung teilweise ab

Im besten Fall verzögert sich die Einführung einer offenen Datenplattform im USB. Im schlechtesten Fall muss eine neue Lösung her.