Wirtschaftlichkeits-Verfahren: Der Sheriff schiesst schärfer

Die Krankenversicherer gehen immer entschlossener gegen Praxen vor, die zuwenig wirtschaftlich erscheinen und womöglich «abzocken». Drei Anwälte zeigen auf, was geändert hat – und worauf nun zu achten ist.

, 22. März 2017, 10:21
image
  • versicherer
  • praxis
  • santésuisse
  • überversorgung
  • wzw-verfahren
«Bei Wirtschaftlichkeitsverfahren weht ein schärferer Wind vonseiten der Krankenversicherer»: Mit dieser Feststellung beginnt ein Beitrag, den drei Rechtsanwälte in der «Schweizerischen Ärztezeitung» veröffentlicht haben. 
Diesen Trend spürt man bekanntlich vielerorts in der Branche, aber interessant wird der Artikel, weil er diesen Trend nun konkretisiert.
Die Verwaltungsrechtler Samuel Schweizer, Ralph Trümpler und Gregori Weder von der Kanzlei Poledna machen vor allem zwei Entwicklungen fest:

  • Höhere Summen. Erstens würden die von den Krankenversicherern von einzelnen Praxen geforderten Rückzahlungs-Summen immer höher.
  • Schneller vor Gericht. Zweitens schlagen die Krankenversicherer schneller und konsequenter den Rechtsweg ein. Dies im Gegensatz zu früheren Jahren, wo die «verdächtigen» Praxen ihre Wirtschaftlichkeit oft in einem Diskurs erläutern konnten, so dass man am Ende per Vergleich zu einer Lösung kam.

Das heisst: Wer heute aufs Radar eines Wirtschaftlichkeitsverfahrens gerät, sei sehr schnell mit einem Vergleichsvorschlag oder einer schiedsgerichtlichen Klage um relativ hohe Summen konfrontiert.


Und zwar, so die Erfahrung der Anwälte, seien davon nicht nur Ärzte betroffen, die seit Jahren in etwa gleich praktizieren – sondern auch neueröffnete Praxen. «Besonders Letzteres erstaunt», so der «Tribüne»-Beitrag.
Als Tendenz wird also festgemacht, dass die rechtlichen Grundlagen der Wirtschaftsverfahren zwar dieselben sind, «hingegen sich die Methoden des Sheriffs zu ändern begonnen haben».

«…mit der gebotenen Vorsicht»

Dabei biete die Methode der Kassen durchaus oft Angriffsflächen – nur seien diese für Laien oft anspruchsvoll und nicht einfach erkennbar.
Und so endet der Beitrag in der SAEZ mit dem Satz: «Es ist den betroffenen Leistungserbringern aber auf jeden Fall zu raten, den geltend gemachten Rückforderungen von Beginn weg mit der gebotenen Vorsicht zu begegnen und die Berechnungen sowie die daraus resultierenden Vergleichsvorschläge der Krankenversicherer im Detail zu überprüfen.»
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Diese Leistungserbringer scheinen «angebotsgetrieben» zu sein

Eine Studie der Uni St.Gallen (HSG) zeigt: Kostenreduktionen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind bei gewissen Leistungserbringern fast ausschliesslich durch angebotsseitige Beschränkungen erklärbar.

image

Das Aquisekartell der Krankenkassen

Die Branchenvereinbarung der Krankenversicherer ist ein Kartell und sollte verboten und nicht noch vom Bundesrat rechtsverbindlich erklärt werden.

image

Diese Versicherer verzichten auf Telefonterror und dubiose Makler

15 von 45 Krankenkassen lassen diesen Prämienherbst bei der Werbung die Hände weg vom Telefon. Comparis verrät welche.

image

Auch Assura sichert sich Postfilialen

Assura will die Kundenwerbung in den Postfilialen nicht der Konkurrenz überlassen. Die Krankenkasse mietet sich ebenfalls in acht Filialen ein.

image

Fast jeder vierte will Krankenkasse wechseln

Bald dürfte der grosse Wechsel anstehen: 23 Prozent der Bevölkerung wollen nächstes Jahr eine andere Krankenversicherung.

image

Finma will ohne Rechtsgrundlage Comparis, Google und die SRG beaufsichtigen

Die Finma kontrolliert als Aufsichtsbehörde Finanzdienstleister wie Banken und Versicherungen, aber auch Versicherungsvermittler. Anstatt die Konsumentinnen und Konsumenten besser vor dubiosen Versicherungsvermittlern zu schützen, will sie nun auch Versicherungsvergleiche kontrollieren.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.