Bähnlifahrt ins Innere: So nehmen Radiologen den Kindern die Angst vor dem MRT

Immer mehr Kinderspitäler setzen spezielle MRT-Maschinen für Kinder ein. Die Kleinen fühlen sich dann zum Beispiel wie in einem Raumschiff.

, 25. Januar 2016 um 09:06
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Laute Geräusche, eng, unbequem, eingeschränktes Sichtfeld: Nicht zuletzt für Kinder ist ein CT, MRT oder PET eine mehr als unangenehme Erfahrung.
Um den Kindern die Angst vor solchen bildgebenden Verfahren zu nehmen, greifen Healthcare-Hersteller seit einigen Jahren in die Trickkiste. Sie entwickeln kindergerechte MRT-Geräte – vor allem in den USA.

Glücklich statt weinend und verärgert

So verwandeln sich die grossen lärmenden Maschinen dann in Raumschiffe, Seilbahnen oder Piratenschiffe. Radiologie-Mitarbeiter sind dann plötzlich Schauspieler, die Kinder schlüpfen in die Hauptrolle.
Den Kindern gefällt es, so die Erfahrung. Nur ein kleiner Teil benötigt jetzt noch Beruhigungsmedikamente. Die Zeit vergeht schnell. Es gibt sogar Kinder, die fragen, ob sie noch einmal dürfen.

Mehrkosten werden kompensiert

Healthcare-Anbieter wie GE oder Philips entwickeln seit einigen Jahren solche Themenpark-MRTs. In den USA sind solche Geräte bereits an fast 30 Kinderspitälern im Einsatz. 
Doug Dietz von GE Healthcare habe es das Herz gebrochen, als er das erste Mal ein 6-jähriges Mädchen im MRT gesehen habe. «Es war einfach eine schreckliche Erfahrung», sagte Dietz der Milwaukee-Tageszeitung «Journal Sentinel». Von diesem Zeitpunkt an habe er an der Entwicklung von solchen Abenteuer-MRTs gearbeitet.
GE Healthcare schätzt, dass so eine Adventure-Serie umgerechnet zwischen 50’000 bis 100’000 Franken Mehrkosten verursacht. Alleine die «Spezialbrille» koste bis zu 40’000 Franken. Der Mehraufwand könne laut Dietz von GE Healthcare aber mehr als ausgeglichen werden. 

Ähnliche Projekte in Deutschland 

Ähnliche Geräte entwickelt auch der Healthcare-Anbieter Philips. Und nicht nur in den USA, sondern auch in Europa gibt es Bestrebungen, solche MRTs einzusetzen. Am Kinderspital Dortmund in Deutschland läuft zum Beispiel seit Mitte 2013 das Projekt «Kinder-MRT». 
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